Wenn ihr diesen Test lest, habt ihr bereits irgendetwas falsch gemacht. Ihr könntet gerade auf einem Aerodactyl reitend gegen Asteroiden kämpfen, euch mit einem Jedi-Ritter durchs Mittelalter schnetzeln oder mit einem Delfin Atlantis retten. Das reicht euch noch nicht? Da passt es doch gut, dass „Super Time Force“ ganz nebenbei auch spielerisch verdammt viel Spaß macht.

Die Super Time Force besteht aus einer stetig größer werdenden Ansammlung von Soldaten, die quer durch die Zeit reisen um...ja, warum eigentlich? Zu Anfang ist das Ziel noch klar: Dr. Infinity hat gemeinsam mit seinen Blounbots die Erde angegriffen. Col. Repeatski sieht sich und seine STF trotz seiner beiden Augenklappen dazu berufen, diese Bedrohung auszuschalten.

Überraschenderweise habt ihr das jedoch bereits nach dem ersten Level erledigt. Anschließend schickt euch Col. Repeatski nur noch durch die Zeit, um seine ganz eigenen Problemchen zu erledigen – etwa, um seine neugeborene Tochter direkt in die Zukunft zu transportieren, damit er sich nicht mit den nervigen Baby-Jahren beschäftigen muss. Oder ihr sucht im Mittelalter den heiligen Gral, um ihn in der Gegenwart bei eBay zu verkaufen. Super Time Force nimmt sich zu keiner Sekunde ernst und treibt die Prämisse stattdessen mehr und mehr auf die Spitze – ich musste einige Male tatsächlich laut auflachen.

Super Time Force - Endlich braucht ihr keine Freunde mehr, um Koop spielen zu können!

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Ein ganz normaler Spielbildschirm in Super Time Force.
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Doch egal wie seicht und lustig die Geschichte wirkt, dahinter steckt ein ausgeklügeltes Spiel, dessen Kern-Feature so innovativ wie genial ist: Am Anfang eines jeden Levels verfügt ihr über 60 verbleibende Sekunden und 30 Leben. Erreicht einer dieser beiden Zähler Null, ist das Spiel vorbei. Normalerweise würde das also heißen, dass ihr so schnell wie möglich von links nach rechts rennen müsst, um das Level gerade noch so innerhalb einer Minute abzuschließen. Das wiederum erscheint jedoch aufgrund des immensen Gegneraufkommens so gut wie unmöglich: Überall fliegen pixelgroße Kugeln durch die Luft, jeder Treffer ist tödlich. Keine Chance.

Zeitloser Spaß (höhö)

Dafür, dass aus diesem frustrierenden Contra-Klon ein innovativer, endlos spaßiger Siderscroller wird, ist die zentrale Spielmechanik von Super Time Force verantwortlich. Das sogenannte Time-Out. Auf Knopfdruck könnt ihr jederzeit eines eurer 30 Leben opfern, um die Zeit zu einem beliebigen Punkt im Level zurückzuspulen – selbst beim Endboss ist es so noch möglich, wieder an den Anfang des Levels zurückzukehren.

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Wer hier den Überblick behält, hat etwas falsch gemacht.
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Der Clou: Die Aktionen eures alten Charakters bleiben bestehen: Er läuft und ballert sich noch exakt genauso durch das Level, wie ihr es im vorherigen Run getan habt. Dank der jeweils 10 Bonusleben in jeder Stage ist es so möglich, dass ihr am Ende mit bis zu 39 anderen Versionen eures Charakters durch die Gegend rennt. „Single-Player-Co-Op“ wird das vom Entwickler-Studio Capy genannt und obwohl es wie eine leere Phrase klingt, ist das tatsächlich eine sehr akkurate Beschreibung des Spielgefühls.

Obwohl ihr eigentlich nur 60 Sekunden Zeit habt, verbringt ihr mit jedem Level mehrere Minuten und verliert irgendwann unweigerlich den Überblick darüber, was ihr zuvor mit den anderen Leben angestellt habt. So kann es etwa passieren, dass ihr euch zu Beginn eines der seltenen Power-Ups schnappt, das die Zeit für einige Sekunden verlangsamt und es euch so ermöglicht, im Vergleich zu den Gegnern (und den anderen Versionen von euch selbst) wahnsinnig schnell durch die Gegend zu rennen. Ist dieses Power-Up einmal eingesammelt, verschwindet es jedoch – wenn ihr es also nochmal einsammeln möchtet, müsst ihr die Zeit zurückspulen und versuchen, es schneller als euer vergangenes Ich zu erreichen.

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Nerdinfo am Rande: STF geht auf ein dreitägiges Experiment beim Game Jam in Toronto im Mai 2011 zurück.
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Das hört sich alles ziemlich komplex an und wirkt, als würde man bei jedem Time-Out minutenlang planen, wie man als nächstes vorgehen möchte. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus: Weil euch in jedem Level so viele Leben zur Verfügung stehen, kann man es sich leisten, durchaus verschwenderisch mit dem Time-Out umzugehen. Sekündlich wird die Zeit vor- und zurückgespult und die Charaktere gewechselt.

Raptoren, die auf Delphine starren

Zu Beginn stehen euch derer gerade einmal drei zur Verfügung: eine Figur trägt ein Maschinengewehr, die andere ist mit einer Sniper bewaffnet, die dritte sorgt mit ihrem Schild für eine sichere Defensive. Ständig schaltet ihr jedoch neue Figuren frei: vom Skateboard fahrenden Dinosaurier bis hin zum Lichtschwert schwingenden Jedi-Ritter bleiben da keine Wünsche offen. Bei jedem Time-Out könnt ihr frei zwischen den Charakteren wechseln, was dem Spiel erneut eine völlig neue Ebene verleiht.

Super Time Force - Sloooooow MotionEin weiteres Video

Auch abseits der Spielmechaniken kann „Super Time Force“ überzeugen: Der langsam etwas ausgelutschte Retro-Look macht dank der zügellosen Charakter-Designs und tollen Animationen noch immer Spaß. Zudem erlaubt es die abgefahrene Geschichte Capy, euch die beklopptesten Szenarien an den Kopf zu werfen. Jedes Level wartet mit völlig neuen Gegnertypen und Hintergründen auf und wird von einem passenden Boss gekrönt. Das alles wird untermalt von einem hervorragend treibenden Soundtrack, der perfekt zum hektischen Spielprinzip passt.

Endlos spaßige Sidescroll-Action, die optisch wie spielerisch vollends überzeugen kann. Außerdem: Skateboard-Raptoren.Fazit lesen

Die recht kurze Spielzeit von knapp vier Stunden wird durch den immensen Wiederspielwert locker wett gemacht: Dank sammelbarer Objekte und Medaillen für das besonders schnelle Abschneiden der Gebiete gibt es auch nach dem Durchspielen noch Charaktere zum Freischalten, doch allein das Time-Out-Feature gibt schon Grund genug, um ein Level wieder und wieder und wieder auszuprobieren. Wann und mit welchem Charakter sammle ich das Power-Up ein? Welche Waffe ist in Kombination mit welchem Charakter gegen diesen Boss am effektivsten? Es macht auch lange nach dem ersten Durchgang noch Spaß, die Antworten auf diese Fragen zu finden.