30 Cent, Leute! Billiger kann man keine Erinnerungen und solche, die mal welche werden wollen, aufarbeiten. Super Metroid habe ich erst vor gar nicht langer Zeit das letzte Mal auf dem SNES beendet und mein Samus-Bedarf ist vorerst gedeckt, bis die Retro Studios das nächste Kapitel für Wii U inszenieren dürfen. *Hust, hust, Nintendo... nicht wahr?*

Für lächerliche 30 Cent verschleudert Nintendo dieses Meisterwerk bis zum 14. Juni im E-Shop. Danach normalisiert sich der Preis bei acht Euro. Muss man nicht drüber nachdenken. 30 Cent! Egal, ob man es braucht oder nicht. Irgendwann braucht man es. Jeder muss Metroid irgendwann brauchen. Jeder sollte Metroid irgendwann brauchen, sonst hat man etwas sehr Großes, lange Nachhallendes verpasst.

Und selbst wenn: Auch acht Euro sind nicht die Welt für ein wegweisendes Action-Adventure, das man heute genauso genießen kann wie 1994, als es erschien.

In Sachen Spiel passiert in dieser röchelnden Generation eh nicht mehr viel, zumindest nichts, was Super Metroid das Wasser bis zum Hals abgraben könnte. Also lasst Xbox und Playstation stehen und die Wii U am Stromnetz stecken. Schon traurig, wenn der beste Grund gegen Ebay fast zwanzig Jahre alt ist und aus einer Drei-Groschen-Mottenkiste fällt, aber das haben wir bis hierher schon einige Male gehabt und bestimmt auch in Zukunft noch öfter..

Super Metroid - Virtual-Console-Trailer

Also, warum muss man Super Metroid erleben? Weil es damals genauso beeindruckend die Grenzen seines Umfeldes absteckte, wie es das heute noch mühelos schafft. Man musste sich reinhängen in eine von Weltraumpiraten, Feuerkäfern und Stachelflugviechern bevölkerte Welt mit doppeltem Boden. Und das ist wörtlich zu verstehen. Der Planet Zebes, auf den ersten Blick eine einfache Sache der Marke "von links nach rechts, hüpf, schieß, spreng, hops, hops", ist ein labyrinthisches Biest voll mit Sektoren, Fahrstühlen, Gängen und Schächten, nach oben und unten.

Super Metroid ist der Inbegriff von Abenteuer mit einem Rucksack voller Neugier. Man muss forschen, kämpfen und entdecken, auch mal einzelne Pixel abklopfen, brüchige Mauern sprengen, um Geheimgänge freizulegen, die in andere Sektoren führen und Items hinter uralten Statuen verstecken. Und zurückrennen. Backtracking nennt man das heute und gibt dem Wort immer einen etwas schalen Drall mit.

Super Metroid - 30 Cent! Was überlegt ihr noch?

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Es geht durch Feuer-, Wasser- und Gesteinswelten, durch Schiffswracks, nach oben und unten, hier entlang, dort entlang.
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Damals war es das Normalste der Welt. Die Logiken des Planeten, die ihn von innen zusammenhalten, sehen vor, dass man ohne das richtige Item scheitert. Ohne den Greifhaken sind brodelnde Lavaseen eine Todesfalle, ohne Super-Missile wird sich keine der grünen Türen öffnen und euch davor versauern lassen, wo Seepferdchen-ähnliche Feuerspucker ihren Kopf aus Säurebecken strecken.

Gar nicht so sehr anders als Zelda, könnte man sagen und hätte damit nicht mal unrecht. Doch damals lagen die wenigsten benötigten Gegenstände nur einen Gang weiter. Einige von euch können bestimmt die Geschichte des Grapple-Beams vervollständigen um eine Abzweigung, an der man kurz nach Spielbeginn vorbeirennt, ohne die Superbomben zu besitzen – die man je nach Route durch Zebes erst einige oder viele Stunden später bekommt. Man verliert sich in diesem Labyrinth, irgendwann weiß man nicht mehr, wo oben und unten ist, und ballert vorsorglich auf jeden Stein. Es könnte ja einen Geheimgang in entlegene Winkel führen, und oft genug ist das auch der Fall.

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Einen Haufen cooler Bosse gibt es auch.
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Super Metroid ist verworren genug, damit man auch nach dem zigsten Durchgang noch Neues entdeckt, aber selten frustrierend, weil der Moment des Entdeckens unfassbar süß schmeckt. Es will eure komplette Aufmerksamkeit zum strukturellen Erfassen der Welt, fordert, wo andere Spiele nur belohnen, und wiegt seine wenigen Längen mit einem damals wie heute bedrückenden Gefühl des Alleinseins auf. Nur ihr seid hier, Samus Aran, und kein anderes menschliches Lebewesen hilft bei auf der Mission ins Innere des Planeten, wo kryptische Apparaturen in dunklen Korridoren blitzen.

Die Karte füllt sich währenddessen. Aus einem leeren Bildschirm wird langsam ein Geäst aus rosafarbenen Gängen, die man bereits besucht hat, und ich erwischte mich immer wieder beim Notieren von interessanten Plätzen, an denen ich vorbei-, aber noch nicht weiterkam, weil mir das Item fehlte. Tut das! Zumindest wenn nicht routiniert durch Lava-, Wasser- oder Gesteinssektoren geistert oder den Kaventsmann zu Hause habt.

Ein weiteres Video

Zuletzt noch eine Bitte an Nintendo: Gebt uns so ein Spiel wieder! Kein Other-M-Fischfleisch mit merkwürdigen 3D-Zuckungen, in dem man mit dem Pointer Pixel absucht. Und wenn schon, dann bitte-bitte-bitte so geil wie die Prime-Trilogie der Retro Studios, die dem Metroid-Konzept auf dem Gamecube (und später auf der Wii) eine neue, ungeahnte Dimension verliehen.

Von den Bossen könnte ich noch was erzählen, von Kraids letztem, atemberaubenden Auftritt, aber die Hauptsache hier sind 30 Cent. Mehr kann man nicht verlieren und mehr muss man dazu auch nicht sagen. Billiger wird es nicht.