Irgendwo in einer Ecke siecht sie vor sich hin. Ihre ganzen Komponenten-, Strom- und Verbindungskabel ruhen längst als klumpiges Knäuel in einem mit „Wii“ beschrifteten Karton. Keiner hat sie so wirklich lieb, keiner will ihr mehr zuhören, sie in den Arm nehmen. Die einzigen Streicheleinheiten, die sie bekommt, sind die des Staubwedels beim Frühjahrsputz.
Wunderschönes Abenteuer, das mit den Blaupausen des Vorgängers keine markante Weiterentwicklung erzielt, aber das Grinsen bis zum letzten Power-Stern nicht abreißen lässt.FazitUnd das Traurigste an der ganzen Sache: Der Kalender im Systemmenü bleibt so leer wie ihr Datenträgerschlitz. Drei Monate ohne einen einzigen Spieleintrag auf der Pinnwand, drei Monate Totenstarre im Gehäuse. Gut, es gab in den letzten Monaten schon ein paar ordentliche Abenteuer auf Wii, aber ich meine ein infektiös um sich greifendes Spielspaßvirus, das jeden ansteckt. Jeden! Ein Zugpferd, wenn man so will. Das steht ab sofort in den Läden, ist leider nicht grün und zipfelbemützt, dafür rot, latzbehost, beschnauzt und verdammt stolz drauf.
Dreimal dürft ihr raten, wer den Anstoß zum nächsten Abenteuer gibt...Und es hat denselben Schmus im Gepäck, den es schon ewig und drei Tage mit sich herumschleppt. Ihr habt einen Versuch, nein, machen wir es nicht so schwer, ihr habt drei. Und jetzt ratet mal: Was ist der Grund dafür, dass unser speckiger Draufgänger in „Super Mario Galaxy 2“ erneut durchs All hüpfen, rutschen und fliegen muss? a) Ganondorf; b) Bowser; c) Mother Brain. Irgendwer muss Peach doch mal in die Rübe hämmern, dass eine Einladung zu einem Stück Kuchen immer im Koopa-förmigen Fiasko endet. Vielleicht sollte Mario das übernehmen – sobald er seine Schickse denn gefunden hat. Seufz.
Was bleibt, sind die staubig-vergnüglichen Rettet-die-Alte-Kamellen und die Gewissheit, dass die Flamme des planetaren Erstkontakts nicht mehr so stark lodert wie im Vorgänger. Wie auch? Wer vor drei Jahren die Galaxie auf der Suche nach Power-Sternen durchkämmt hat, wird heute aus dem Stegreif dasselbe tun und instinktiv Schritt für Schritt, Sprung für Sprung nach vorn jagen – ohne eine Minute der Umgewöhnung, ohne dass die perspektivischen Wirrungen dermaßen überraschen wie damals. Schlimm ist das nicht, nur ein wenig schade im Sinne der Mario-Historie.
Der Sprung zu „Super Mario 64“ war einer der wichtigsten überhaupt: der in die dritte Dimension. Als sechs Jahre später auf dem GameCube die Sonne schien, hatte der dicke Hopskönig einen Wasserstrahler und eine tropische Insel zum Austoben. Und im ersten galaktischen Wii-Abenteuer vor zweieinhalb Jahren spielte alles verrückt: die Perspektive, die Schwerkraft, das Leveldesign. Dieses Gefühl des Andersartigen, des In-eine-neue-Welt-Gehens fehlt heute ein wenig. Ich hätte nie gedacht, dass Shigeru Miyamoto seinen Strahlemann mal auf der Stelle hüpfen lässt. In einer Höhe, versteht sich, die andere Spiele niemals erreichen werden.
Der Klempner ist schon an der Spitze, höher kommt er auch im neuesten Abenteuer nicht hinaus.Vielleicht ist er an seine Grenzen gestoßen beim Versuch, eine ohnehin schon randvolle, kunterbunte Wundertüte mit mehr Farbe und Spielwitz zu sprengen. Vielleicht hat er bemerkt, dass der nach den Sternen greifende Klempner in dieser „New Generation“ kaum noch höhere Bögen schlagen kann. Egal, was es auch war: Er hat uns ein zauberhaftes Jump-n-Run beschert, das die spielerischen Blaupausen des Vorgängers mit Leichtigkeit ausfüllt und sie fleißig mit eigenen Notizen versieht, doch wie gesagt: Die glänzenden Augen von damals, zum ersten Mal rings um einen Planeten zu laufen und wie eine Rakete zum nächsten zu rauschen, die leuchten heute nicht mehr so stark.
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Nur Nintendo und Blizzard schaffen es, Nachfolger zu erschaffen, die zwar den Vorgängern wie Zwillinge gleichen, aber dennoch 90+ Wertungen abstauben.
Bei jedem anderen Entwickler wäre das fatal. Ich denke da grad an dieses Wolfenstein-Remake, was mal zerrissen wurde ;)
Naja, leider noch zu wenig Kaufgründe für eine Wii.
Wobei hier Metroid Prime 3 richtig weh tut ... Zum Glück gabs wenigstens Zelda auf dem Gamecube!