Ein menschenleeres News York im Dauerregen, eine bewusstlose Frau auf dem Sofa und drei Freunde, die nicht wirklich wissen, was da gerade geschehen ist. Das ist die Story von Sunrise, einem neuen Adventure aus der Feder der deutschen Spieleschmiede TML Studios.

Mit spritzigen Dialogen, einer spannenden Science-Fiction-Story und viel Situationskomik versucht das Abenteuer mit dem Untertitel „Coole Typen – Harte Sprüche“ Rätselhungrige vor den PC zu locken. Ob es den Erfurter Entwicklern gelungen ist, den alteingesessenen Programmieren von Deck 13 und House of Tales Konkurrenz zu machen, erfahrt ihr in unserem Review.

Sunrise beginnt spektakulär in einem Loft in Manhattan. Dort haben sich die drei klugen Köpfe Max, Brian und Rydec zusammengefunden, um mit einem Experiment in die Geschichtsbücher der Wissenschaft einzugehen: Das Trio versucht mit Hilfe einer in monatelanger Sissifusarbeit zusammen gebastelten Apparatur einen Blumentopf von einer Plattform auf die andere zu teleportieren.

Sunrise - The Game - Sonnenaufgang im Adventure-Genre: Mit frischen Ideen hebt sich Sunrise von der Konkurrenz ab.

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Will Smith lässt grüßen: In New York kann es ganz schön einsam sein.
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Als der Zeitpunkt gekommen ist, an dem das bahnbrechende Experiment glücken soll, kommt jedoch alles anders. Mit ohrenbetäubendem Getöse transferiert die Maschine weder die Materie des zarten Gewächs wenige Meter weiter, noch irgendetwas anderes in ihrer Umgebung. Stattdessen öffnet das Teufelsinstrument scheinbar ein Tor in eine andere Dimension.

Das wissen unsere Protagonisten zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht. Als Max, Brian und Rydec nach dem schief gelaufenen Experiment wieder einen klaren Gedanken fassen können, fällt den Freunden auf, dass die komplette Stadt ausgestorben ist. Ein Blick vom Dach des Loft-Labors bestätigt die Befürchtung: In den Hochhausschluchten brennen weder Lichter, noch ist das Gehupe der Abertausenden Taxen zu hören. Unseren Protagonisten prasselt lediglich der Regen auf die Köpfe, der in der Stille der Mega-Metropole fast schon bedrohlich wirkt.

Na, wer bist du denn?

Als wäre das nicht schon genug, hält das Schicksal eine weitere Katastrophe für unsere Technik-Freaks parat: eine ohnmächtige Frau vor der Haustür des Lofts, die vom Regen bereits so durchgeweicht ist, als hätte sie die vergangenen Stunden in einem Schwimmbad unter der amerikanischen Sommersonne verbracht. Dass dem aber nicht so ist, fällt dem geübten Abenteurer genauso schnell auf, wie unseren drei Nachwuchswissenschaftlern.

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Rydec muss sich in verschiedenen Shops etwas „ausborgen“.
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Und da die Drei nicht auf den Kopf gefallen sind, bringen sie ihr Experiment mit dem außergewöhnlichen Phänomen in Verbindung. Technik-Tüftler Brian macht sich sogleich an die Arbeit, die Maschine zu reparieren und somit den Urzustand der Welt wiederherzustellen. Max und Rydec kümmern sich währenddessen um die ohnmächtige Unbekannte und verfrachten sie vom nassen, kalten Asphalt auf das kuschelige Sofa des Lofts – allerdings immer noch völlig durchnässt.

Dass ist dann auch schon euer erstes Problem. Wie bekomme ich eine angezogene, ohnmächtige Frau trocken? Kein Problem denken sich jetzt einige: Man zieht sie einfach aus und rubbelt sie trocken. Da es sich bei Sunrise allerdings um kein moralisch verwerfliches Spiel handelt, müsst ihr Rydec durch das Loft führen, um die feuchte Schönheit anderweitig vor ihrer sonst sicheren Grippe zu bewahren.

Abenteuer mit Neuerungen

Eure Odyssee beginnt genau an dieser Stelle. Dabei hebt sich Sunrise von anderen Vertretern des Point & Click-Genres deutlich ab. Beispielsweise verfügt Rydec über kein Inventar. Während des Spiels könnt ihr also nur Gegenstände nehmen und benutzen, die für die aktuelle Situation benötigt werden. Da müsst ihr beispielsweise einen Heizlüfter zusammenbasteln, der aus einem Ventilator und dem Grill einer Mikrowelle besteht, um – wer hätte das gedacht – die feuchte Schönheit endlich trocken zu bekommen.

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Der ausgemusterte Flugzeugträger USS Intrepid dient euch später als Hauptquartier.
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Müsst ihr hingegen einmal größere Dinge befördern, geht das entweder nur mit euren beiden Freunden, oder ihr lasst es gleich an Ort und Stelle stehen. Ein gewisses Umdenken ist hier von Vorteil, da man bei Sunrise im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretern nicht alles so einfach in die virtuelle Hosentasche stopfen kann. Für Hilfe in den einzelnen Szenen sorgen die Hotspots, die mit dem einmaligen Betätigen der Leertaste auf dem Bildschirm angezeigt werden.

Sunrise bietet Innovationen zu einem Preis, den nur eingefleischte Adventure-Fans uneingeschränkt in Kauf nehmen dürften.Fazit lesen

So bekommt Rydec alle Gegenstände in einer Szene vorgeführt, mit denen er interagieren kann. Wem das noch nicht genügt, der klickt einfach doppelt auf seinen Protagonisten. Dann öffnet sich ein Bildschirm, in dem eingesammelte Gegenstände aufgelistet, aber nicht benutzt werden können. Gleichzeitig wird euch noch die aktuell zu erledigende Aufgabe vor Augen geführt und ihr könnt eine Hilfe einblenden lassen, die euch einen der möglichen Lösungswege zeigt.

Lösungswege gibt es in Sunrise nämlich viele: Wird zum Beispiel ein Lappen benötigt, hilft auch ein T-Shirt oder ein Handtuch. Durch diese unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten verzweigen sich die Handlungsstränge und jeder Spieler hat einen etwas anderen Spielverlauf. Diese Idee ist zwar schon von anderen Adventures aufgegriffen worden, doch in Sunrise bekommt man einen wesentlich größeren Aktionsradius geboten. Die Rätsel sind umfangreicher aufgebaut, so dass die Lösungen je nach Spieler auch unterschiedlich ausfallen können.

Kilometergeld beantragt

Das bringt aber auch ungewollte Probleme mit sich: Da Rydec keine Gegenstände in einem Inventar mit sich führen kann, muss er die Strecken zwischen den einzelnen Szenen oft mehrmals gehen. Und da unser Protagonist ein Vertreter des gemächlichen Ganges ist, stellt sich bereits während der ersten Spielstunde die Frage, wie das eigentlich weitergehen soll.

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Die ausgestorbenen Straßen der Mega-City sehen schön aus.
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Zum Glück greift unser Protagonist ab einem bestimmten Zeitpunkt auf einen fahrbaren Untersatz zurück, so dass die größten Strecken nicht mehr zu Fuß zurückgelegt werden müssen. Das ist auch bitter nötig, schließlich muss sich Rydec im Verlauf des Spiels immer wieder daran erinnern, wo er einen Gegenstand gesehen hat, der des Rätsels Lösung ist.

Coole Grafik, harte Sprüche

Was die grafische Inszenierung von Sunrise angeht, haben sich die TML Studios große Mühe gegeben. Insgesamt schossen die Entwickler mehr als 1000 Fotos in Manhattan, um die über 140 Schauplätze des Spiels grafisch bestmöglich umzusetzen. Dementsprechend präsentiert sich auch die Kulisse: authentisch und detailreich. Auch die Zwischensequenzen wurden schön in Szene gesetzt und lockern die teilweise deprimierenden Lauforgien auf. Einzig und allein die Gesichtsanimationen wirken etwas unbeholfen, da Gespräche nicht lippensynchron ablaufen.

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Das Dreamteam: Jenny, Max, Brian und Rydec.
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Dafür zeigt sich die Sprachausgabe von ihrer besten Seite. Kein Wunder, schließlich konnten die TML Studios für die deutsche Synchronisation Hollywood-Sprecher wie Andreas Fröhlich (John Cusack, Edward Norton), Torsten Michaelis (Wesley Snipes, Martin Lawrence) und Ulrike Stürzbecher (Jennifer Aniston, Kate Winslet) sowie den Doku-Sprecher Dirk Müller gewinnen. Das schlägt sich letztendlich auch in der Atmosphäre nieder, vor allem weil die Charaktere alle auf Humor getrimmt wurden.

Das kann gleichzeitig aber auch als Negativpunkt gesehen werden, schließlich bringt Rydec fast keinen normalen Satz über die Lippen. Da wird die sonst so unbescholtene Milch als "Plök-Emulsion aus Fett und Wasser" oder eine Disco als "Zappelhalle" deklariert. Solltet ihr für derartigen Humor nichts übrig haben – vor allem, wenn er sich durch das komplette Spiel zieht – dürfte euch Sunrise weniger gefallen.