Im August ist es soweit, doch bereits jetzt schlägt das Ereignis Wellen, die scheinbar die ganze Welt überschwemmen. Die Rede ist von den Olympischen Sommerspielen, die dieses Jahr in China stattfinden. Leider sind es weniger Vorfreude und positive Meldungen, die ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern politische Diskussionen und ein Fackellauf, der nahezu überall auf Proteste und Widerstand stieß. Da mussten tapfere Fackelträger schon bis auf die Spitze des Mount Everest klettern, um den kritischen Stimmen zu entgehen.

Solche Umstände sorgen dafür, dass nicht nur die Sportler, sondern auch der geneigte Zuschauer das Interesse an dem Großevent verliert. Wer an der Eröffnungsfeier partizipiert – ganz gleich ob aktiv im Stadion oder passiv im heimischen Wohnzimmer – wird dies wohl nur mit einem negativen Beigeschmack tun können.

Summer Games - Rütteln, schütteln, Joysticks killen - der Klassiker Summer Games

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Da ist sie, die legendäre Eröffnungsfeier von „Summer Games“!
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Grund genug, nach Alternativen Ausschau zu halten. Spielen, bei denen die Welt noch in Ordnung ist und der Sportgeist im Vordergrund steht. Ältere Leser schwelgen vermutlich sofort in alten Erinnerungen. Das waren noch Zeiten, als man die „Summer Games“-Datasette in den Kassettenspieler des C64 einlegte und nach jeder Aktivität zur nächsten Disziplin vorspulen musste. Erinnert sich noch jemand oder bin ich alt geworden?

Olympia ohne Atmosphäre?

Doch was war es eigentlich, das „Summer Games“ von Epyx zu einem Kultspiel gemacht hat? Was hatten die schlaksigen, hölzern animierten Sportler von 1984, was zahlreiche modernere Pendants nicht haben? Zunächst einmal sorgte das Spiel für sehr viel Atmosphäre. Das fing bei einer Eröffnungsfeier an, reichte über zahlreiche Disziplinen inklusive Siegerehrung mit Einspielung der Landeshymne und endete bei der obligatorischen Abschlusszeremonie samt Feuerwerk.

All dies sind wichtige Bestandteile, die für ein Spiel zur Olympiade unentbehrlich sind. Die Olympischen Spiele erfreuen sich nicht zuletzt aufgrund der Zeremonien und einer einzigartigen Atmosphäre sehr viel größerer Beliebtheit als beispielsweise die Leichtathletikweltmeisterschaften – genau das gilt es bei einem entsprechend thematisierten Videospiel auf den heimischen Bildschirm zu übertragen.

Summer Games - Rütteln, schütteln, Joysticks killen - der Klassiker Summer Games

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Der Stabhochsprung zählte zu den anspruchsvollsten Disziplinen.
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Ein weiterer, wichtiger Punkt war die zugängliche und zugleich fordernde Steuerung. Einsteiger konnten sich innerhalb weniger Minuten mit den Disziplinen vertraut machen, benötigten jedoch viele Stunden, um Rekorde zu brechen und Goldmedaillen zu gewinnen. Insbesondere dann, wenn mehrere Spieler zur virtuellen Olympiade antraten, nahmen Leistungsdruck und Spielspaß in gleichen Teilen zu. Sobald das olympische Feuer an die motivierten Spieler vor dem Bildschirm übersprang, nahm dann auch der Verschleiß an Joysticks zu, die als zwingend notwendiges Utensil an den Heimcomputer angeschlossen wurden.

Joystickkiller und Muskelkater

Jüngere Spieler, die glauben, dass körperliche Anstrengungen erstmalig durch Wii (Fit) und Co. Einzug in die Welt der Videospiele gehalten haben, hätten mal die Zeiten von Summer Games und Decathlon erleben sollen – dagegen sind die Liegestütze bei Wii Fit das reinste Aufwärmtraining.

Wer Anlauf nehmen wollte, konnte dies durch beherzte und möglichst schnelle Links/Rechts-Bewegungen des Joysticks tun. Dies wurde besonders bei Langstreckenrennen interessant, wie beispielsweise dem 5000-Meter-Lauf bei Decathlon. Wer hier keine gestählten Arme und einen mehr als robusten Joystick vorweisen konnte, den hat es brutal auf die hinteren Plätze verschlagen.

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Decathlon war der Joystick-Killer schlechthin.
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Wer diese frühen Stunden der Videospielgeschichte miterlebt hat, erinnert sich noch heute gerne mit einem breiten Grinsen daran. Dennoch war die Steuerung solcher Disziplinen, aus dem Sichtwinkel eines erfahrenen Redakteurs, nicht unbedingt optimal. Fakt ist, dass Summer Games insgesamt sehr stimmig wirkte, was sicherlich auch daran lag, dass Spiele 1982 noch von einem einzigen Programmierer im Alleingang entwickelt werden konnten. Für Summer Games war ein Programmierer namens Randy Glover verantwortlich, der zuvor bereits mit dem Spiel „Jumpman“ einen großen Erfolg landete und der bei Epyx unter Vertrag stand.

Neues Lizenzspiel in Sichtweite!

Doch gibt es auch heutzutage noch ein Spiel mit dem Potenzial, den Kultstatus eines „Summer Games“ zu erreichen? Meine persönliche Vermutung bewahrheitete sich leider nicht. Als ich Anfang 2007 davon erfuhr, dass Sega mit „Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen“ eine Umsetzung für Wii bringt, weckte das große Hoffnungen. Leider blieb der zuvor angesprochene atmosphärische Teil dabei jedoch gänzlich auf der Strecke. Keine Hymnen, keine ansprechenden Zeremonien und das trotz offizieller Olympializenz – schade!

Da die Lizenz jedoch vorliegt, startet Sega in diesem Sommer einen weiteren Versuch. Diesmal fristen jedoch nicht Mario, Sonic und Anhang ihr Dasein in den virtuellen Olympiastätten, sondern real anmutende Sportler. Das Spiel wird mit spürbarer Ernsthaftigkeit um die Gunst des Spielers buhlen und dabei rund 35 unterschiedliche Disziplinen bieten.

Summer Games - Rütteln, schütteln, Joysticks killen - der Klassiker Summer Games

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Erste Bilder aus Beijing 2008 sehen sehr ansprechend aus.
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Wii-Besitzer schauen jedoch in die Röhre – Beijing 2008 erscheint ausschließlich für PC, Xbox 360 und Playstation 3. Auf innovative Steuerungsansätze, wie sie uns „Mario und Sonic bei den Olympischen Spielen“ geboten hat, müssen wir also offenbar verzichten. Dafür bietet Beijing 2008 einen Onlinemodus, der es Couchsportlern auf der ganzen Welt erlaubt, an einem weltweiten Wettbewerb teilzunehmen und dabei hoffentlich das Primärziel der olympischen Spiele zu verfolgen: Frieden und Völkerverständigung.