Rennende Menschen, Fackeln und fliegende Speere – was man in Berlin nur am 1. Mai erlebt, geht alle vier Jahre weltweit an den verschiedensten Orten unter dem olympischen Motto ganz legal über die Bühne. Das Nebenprodukt der ganzen Sportgeschichte: unzählige Gamepadrütteleien. Die jüngste aus dem Hause dtp stellt sich hier unserem Urteil.

Im Euro- und Olympia-Jahr 2008 haben neben den Athleten vor allem auch die Händler der zahlreichen Computerspielläden eine Menge zu tun. Denn kaum ist das Fußball-Großereignis in den Alpen vorbei, steht die Sause in Fernost vor der Tür. Und mit dem Ortswechsel geht auch der Spieleverpackungswechsel einher. Da müssen die Kickversoftungen ganz schnell aus den Regalen, um Platz für die Daddeleien rund um die fünf Ringe zu machen.

Summer Athletics - Trailer: E3 2008Ein weiteres Video

Warnung: Lizenzspiel im Anflug

Dass diese Art von Spielevertreter, die übrigens eng verbandelt mit dem schwarzen Schaf der Spielefamilie, der Filmumsetzung, ist, nicht unbedingt ein gern gesehener Gast auf Treffen der alljährlichen Spieleelite ist, ist hinlänglich bekannt. Denn wie bei der Filmspielverwandtschaft setzen die Entwickler auch hier viel zu oft auf die – so zumindest die Hoffnung der Macher – heilbringende Lizenz.

Summer Athletics - Ambitionen statt Lizenz: Wir verraten, ob das inoffizielle Spiel zur Olympiade das Original toppt.

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Schönheits-OP: Zu Beginn der Laufbahn darf der eigene Wunsch-Athlet gebastelt werden.
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Gut also, dass das hier vorliegende „Summer Athletics“ gar keine Lizenz innehat. Laufen, Springen, Radeln, Bogenschießen – das kann man anno 2008 doch auch außerhalb von China machen, scheinen sich Publisher dtp und Entwickler 49games gedacht zu haben. Und so erleben wir in dieser Körperertüchtigungssimulation ein bunt gemischtes Potpourri an Stadionsportarten.

Fingerverrenkungsgefahr für Einsteiger

Satte 26 Disziplinen stehen hier zur Auswahl, allesamt gegliedert in die Kategorien Schwimmen, Turmspringen, Springen, Werfen, Laufen, Bogenschießen und Radrennen. Zudem bietet das Spiel drei Modi an: Einzelwettbewerb, Wettkampf und Karriere. Während die erste Variante selbsterklärend ist, sind im Wettkampf verschiedene Disziplinen zum Paket geschnürt; die Karriere hingegen lässt einen in mehreren Stufen Wettkämpfe durchlaufen, wobei der selbst erstellte Athlet mit jeder absolvierten Disziplin ein wenig besser wird.

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Beim Schwimmen ahmt man mit den Analogsticks die Armbewegungen des Sportlers nach.
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Von mal zu mal besser werden - das ist auch die Anforderung an den Spieler. Denn gleich bei den ersten Gehversuchen in „Summer Athletics“ zeigt sich: Genre-Neulinge haben es hier nicht leicht, und selbst alte Hasen müssen sich zunächst mühsam an die komplizierte Steuerung gewöhnen. Beispiel Hammerwerfen: Zunächst muss der Athlet durch Drücken dreier Tasten bei Tastatursteuerung oder durch Kreisen des Analogsticks bei Gamepadnutzung zum Schwungholen motiviert werden.

Ist genug Kraft aufgebaut, gesellt sich eine weitere Anzeige zum Kraftmesser, welche den Abwurfwinkel darstellt. Dieser muss also ebenfalls eingestellt werden. Sind alle Vorbereitungen getroffen, darf schließlich per Tastendruck losgelassen werden, und das stählerne Werkzeug fliegt hoffentlich möglichst weit durch das Oval des Stadions.

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Viele Wettbewerbe steuert man wie bekannte Tanzspiele.
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Klingt kompliziert? Ist es auch. Zwar lässt die Bedienung viel Luft nach oben, so dass gute Leistungen durch Training möglich sind, dennoch ist man als Einsteiger zu allererst gezwungen, viel zu lange Erklärungen durchzulesen. In anderen Wettbewerben ist hingegen das Rhythmusgefühl des Spielers gefordert. So lässt man in den Schwimmwettkämpfen die Arme des Sportlers mit Hilfe der Analogsticks oder zweier Pfeiltasten kreisen und beim Turmspringen müssen im richtigen Augenblick die richtigen Tasten gedrückt werden.

Tastatur schlägt Gamepad

Besonders auffällig: Während die Bedienung mit dem Gamepad zwar angenehmer und mit weniger Krampf in den Fingern gelingt, erreicht man Spitzenleistungen bei Benutzung der Tastatur deutlich schneller. Während man etwa in vielen Sportarten, die per Analogstick bedient werden, viel Gefühl braucht, genügt dort bei der Steuerung mit der Tastatur bloßes Tastengehämmere. Vor allem im Mehrspielermodus sollte man also unbedingt für gleiche Wettkampfbedingungen für alle Teilnehmer sorgen.

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Das Laufen ist in erster Linie wildes Rütteln am Analogstick.
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Am leichtesten geschieht dies durch die Nutzung des „Hot-Seat“-Modus, in dem die (maximal vier) Teilnehmer nacheinander antreten. Alternativ darf man sich jedoch auch im Duell bei geteiltem Bildschirm messen. Ein Onlinepart fehlt hingegen komplett. Das größte Manko des Spiels mit Freunden ist jedoch erneut der Einstieg. Denn sobald man Neulinge mit am PC sitzen hat, sind lange Wartezeiten ob der komplexen Bedienung vorprogrammiert.

Summer Athletics versinkt mit seiner komplexen Bedienbarkeit und seinem zugleich fehlenden Tiefgang irgendwo im Nirgendwo der Sportspiele.Fazit lesen

Vorprogrammiert scheint man bei 49games auch die Grafikengine von „Summer Athletics“ zu haben – und zwar schon vor ein paar Jahren. So zeigt sich der Sporttitel vollkommen veraltet, mit langweiligen Texturen, wenig Effekten und einer schier unglaublichen Detailarmut an den Sportstätten.

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Früher realistisch, heute nicht mehr: Alle Zuschauer bei den Sommerspielen in Peking sehen gleich aus.
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Doch auch die Abteilung Sound scheint Resteverwertung betrieben zu haben. So klingen vor allem einige Hintergrundgeräusche der Schwimmarenen nach dem örtlichen Hallenbad in Wanne-Eickel. Eine Bewertung der Kommentatoren ist schließlich vollkommen überflüssig, denn die lahme Anmoderation im Stadion lässt sich wohl kaum als echter Kommentar einordnen.

Letztlich dürfte „Summer Athletics“ mit seiner mittelmäßigen Technik, seiner zähen Bedienbarkeit und seiner kaum vorhandenen Atmosphäre allenfalls knallharte Sportspielfans auf die Tartanbahn locken, die von Olympiaspielen in diesem Jahr gar nicht genug bekommen können. Bei allen anderen dürfte 49games mit diesem Spiel wenig Sympathiepunkte sammeln.