Mehr als fünf Jahre nach dem letzten „Sudden Strike“-Titel schicken die Entwickler der Fireglow Games nun mit „Sudden Strike 3: Arms for Victory“ den in den mittlerweile dünn gewordenen Fankreisen der Zweite-Weltkriegs-Spiele lang ersehnten Nachfolger an die Front. Wir haben das geheime gamona-Bataillon an die Front geschickt, um zu testen, ob der Titel tatsächlich alle Waffen für den Siegeszug mitbringt.

2007 hat uns und vor allem den Planern von TV-Sendungen einiges gelehrt: Casting-Shows werden über die Jahre nicht besser, die Welt braucht dringend wieder das „Dschungel Camp“ - hat da jemand geschrien? - und Nina Hagen und Eva Herman lädt man sich besser nicht in die eigene Sendung ein. Dabei dürfte letztgenannte Skandalautorin bei den Entwicklern der Fireglow Games mit ihren Ansichten im Allgemeinen durchaus auf Verständnis stoßen.

Denn wie die ehemalige Nachrichtensprecherin scheinen auch die „Sudden Strike“-Macher der Ansicht zu sein, dass der Zweite Weltkrieg auch seine guten Folgen hat. Doch wo Herman sich über Autobahnen und Mutterkreuze freut, ist man bei den Fireglow Games lediglich über das gratis verfügbare Setting für die hauseigenen Strategiespiele glücklich. Und weil dieses Setting eine schier unerschöpfliche Anzahl an Gefechten, Scharmützeln und Lokalitäten bietet, sind wir mit Teil Drei der „Sudden Strike“-Reihe wohl kaum am Ende angelangt.

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Sudden Strike 3 minus 1

Dabei wäre dies schon nach den ersten Schritten im jüngsten Titel der Serie durchaus wünschenswert. Denn die Ansprüche, die man an Strategiespiele anno 2007 haben darf, erfüllt der Titel nie. Eine gelungene Präsentation vermisst man etwa gänzlich. So werden die 15 Missionen lediglich durch Missionsbeschreibungen und eine eingeblendete Karte eröffnet und auch während der Einsätze herrscht hinsichtlich des Drumherums Tristesse.

Sudden Strike 3: Arms of Victory - Ödnis im Strategie-Schützengraben: Der einstige Taktik-Kracher ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

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Nichts los am Strand: Die Karten sehen allesamt lieblos und undetailliert aus.
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Auch wenn knallharte Strategiefüchse auf derartige Boni verzichten können, gehört so etwas heutzutage zu einem gelungenen Spiel dazu. So sehen die Karten kaum besser aus als noch in vergleichbaren Titeln von vor fünf Jahren – die neue hauseigene 3D-Engine hin oder her. Was nützt schließlich eine zusätzliche Dimension, wenn die Umgebung auf den Karten so einladend wirkt wie der Blick in eine Kiste Schlamm? Verschwommene Texturen, nur wenige Objekte, miese Partikeleffekte und hässliche Einheiten – ja, der Krieg ist die Hölle, aber muss er in einem Spiel auch zwingend so aussehen?

Während sich Gelegenheitsspieler und Freunde des Fortschritts im Strategiegenre nun mit einem grünlichen Gesicht abwenden mögen, hat der geneigte Hardcorestratege vermutlich noch die Hoffnung auf ein gelungenes Gameplay, getreu dem Motto „Grafik ist für Front-Tucken!“. Tja, liebe Einheitenverrücker, es tut uns Leid. Wir können euch auch in diesem Punkt nichts Gutes über „Sudden Strike 3“ berichten: Statt einer Spielspaßgarantie bringt der Titel eine Tischbeißgarantie mit sich.

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Kämpfe in der Nähe von Gebäuden oder von Buschwerk kosten Nerven.
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Denn den erwartet hohen Schwierigkeitsgrad des Spiels einmal ausgeblendet, lässt „Sudden Strike 3“ jeglichen Komfort vermissen und sorgt mit zahlreichen Frustmomenten für Verzweiflung bei angehenden Kommandanten. Am wenigsten Nerven kostet da noch die mittelmäßige Kamera. Diese macht nämlich grundsätzlich mit wählbarer Zoomstufe wenig Probleme, lediglich bei riesigen Armeen stört die geringe maximale Einstellung.

Wer anderen einen Graben gräbt ...

Wirklich störend ist da hingegen das überflüssige Mikromanagement. Nein, liebe „Sudden Strike“-Fans, Euer heiß geliebtes Ein- und Ausladen von Einheiten und das Aufmunitionieren von Truppen wollen wir Euch ja gar nicht streitig machen. Aber wenn die Aggressivität der eigenen Soldaten auf das Maximum gestellt ist und man trotzdem noch jeden zweiten feindlichen Fußsoldaten einzeln als Ziel anklicken muss, nervt das doch extrem. Vor allem wenn dieser es sich gerade im Schützengraben gemütlich gemacht hat und man gefühlte dreihundert Mal mit der Maus über das Erdloch schwingen muss, bis der Zeiger endlich zum ersehnten Fadenkreuz wird.

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Kundschaftet man die Gebiete nicht vorsichtig aus, kann man seine Truppen schon vor dem Vorrücken abschreiben.
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Auch der die Karten verdeckende „Nebel des Krieges“ wird rasch zum „Nebel des Grauens“. Zum einen frustriert das „Naturphänomen“ durch zu rasches Einsetzen. Verliert man etwa eine Einheit im Feindesland, wird die Karte in diesem Bereich ohne jede Verzögerung schwarz, nachrückende Einheiten müssen erst wieder mühsam aufklären. Zum anderen gerät man immer wieder in unfaire Hinterhalte, da durch die 3D-Engine höher gelegene Bereiche der Karte weiterhin schwarz bleiben.

Dies allein lässt sich noch durch die Nähe zur Realität erklären, doch dass sich auch nach Einsetzen des gegnerischen Feuers nichts ändert, ist einfach nur noch eine Spielspaßbremse. Denn während man bereits unter Feindbeschuss steht, muss man die Mannen am Schießprügel erst noch finden, was in 99% der Fälle den Tod der eigenen Truppen bedeutet – frustrierend.

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Durch die nicht ausreichende höchste Zoomstufe hat man nicht immer die optimale Übersicht.
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Wer seinen Frust mit Freunden teilen möchte, darf dies mit bis zu sieben weiteren Spielern im Mehrspielermodus tun. Dieser bietet fünf Szenarien, die sich jedoch ähnlich lahm wie der Einzelspielermodus gestalten. Und fairer wird das Gameplay auch im Spiel gegen Kommandanten aus Fleisch und Blut nicht. Dass „Arms for Victory“ nun nicht ein totales Massaker erleiden muss, verdankt der Titel dem Missionsangebot, das einen auf Seiten der Deutschen, der Japaner, der Amerikaner und der Briten in die Schlacht schickt. Einige der Einsätze, etwa der Kampf um Iwo Jima, können dabei sogar ein wenig aus der Lieblosigkeit der meisten Missionen hervorstechen.