Es war einmal vor langer Zeit auf einem weit, weit entfernten Wasserplaneten. Als zum ersten Mal ein Raumschiff in das Planschbecken von Subnautica crashte, schrieben unsere Gelehrten auf Steam das Jahr 2014: Unter Fachkreisen wird es auch die Ära der Survival-Early-Access-Hits genannt; eine Epoche, in der Spieler auf der ganzen Welt durch seltsame Wälder in The Forest streiften oder Kokosnüsse von den Palmen in Stranded Deep schlugen. Einige Relikte aus dem bizarren Jahr überstanden den Zahn der Zeit, andere vergammelten an der Bildfläche. Subnautica, das zuweilen von YouTubern wie Markiplier gezockt wurde, gehört zu den wahren Gewinnern des Wettrennens.

Subnautica ist eben einfach sexy:

Subnautica - Cinematic TrailerEin weiteres Video

Worum geht’s? Die netten Jungs von Unknown Worlds Entertainment geben uns in Subnautica die Möglichkeit, mutterseelenallein auf einem gigantischen Wasser-Planeten ums Überleben zu kämpfen. Ihr kennt es ja: Das eigene Raumschiff ist abgestürzt und man selbst hockt im Taucheranzug auf einer einzigen, kleinen Rettungskapsel; ringsherum Meer und noch mehr Meer. Keine Ahnung, was essbar ist, keine Ahnung, was ihr jetzt eigentlich machen sollt. Vielleicht ein bisschen tauchen. Vielleicht ein bisschen sammeln. Oder vielleicht eine riesige Unterwasserstation auf einem Vulkan mit Gärten und Aquarien bauen? Ganz, wie ihr wollt.

Subnautica im Test: Eine nasse Schönheit

Subnautica und ich haben bereits eine längere Beziehung hinter uns, die mit so einigen Höhen und Tiefen einherging. Da ich bis vor kurzem nur einen Laptop mit der Leistungskraft eines Taschenrechners besaß, handelte es sich um eine Fernbeziehung (liebevoll ausgedrückt) oder eine Art Stalking meinerseits (realistisch ausgedrückt). Ich beobachtete also neidvoll diverse YouTuber, die mit der Schönheit Subnautica ausgingen und unterhielt mich selbst mit feuchten Träumen, in denen ich glücklich im kühlen Nass der Unterwasser-Survival-Simulation planschte.

Nun ist Subnautica zu mir gekommen, auf einen leistungsfähigen Rechner und ich habe mich gleich ein weiteres Mal verliebt: Die kleine Indie-Prinzessin mag sich vielleicht im Schatten anderer, größerer Titel verstecken; aber hinter ihrem schüchtern Lächeln verbirgt sich eines der besten Survival-Spiele, mit denen ihr momentan auf dem Markt in See stechen könnt. Und das Tolle: Subnautica ist nicht mehr nur an PC und Xbox One gefesselt, sondern kommt mit dem Release auch irgendwann auf PS4; nur nicht heute. Leider.

Ich und meine erste winzige Basis. Und ein Blasenfisch.

Wasser ist dicker als Blut

Wenn ich eines in Subnautica gelernt habe, dann die Bedeutung von Wasser. Das kühle oder zuweilen warme Nass ist hier auf so viele Arten euer Feind, dass ihr es hassen würdet, wäre es nicht gleichsam so schön. Subnautica ist ein Hingucker auf dem PC, die Wellen wabern glitzernd und realistisch unter eurer Rettungskapsel, solltet ihr ein kleines Päuschen auf dem ‘Dach’ halten. Kleiner Tipp für Romantiker: Den Sonnenuntergang könnt ihr hier auch besser beobachten, als unter Wasser. Es lohnt sich.

Doch zurück zum eigentlichen Protagonisten des Spiels: Es handelt sich keineswegs um eine zufallsgenerierte Unterwasserwelt, sondern um ein gigantisches Reich, dessen Maps vom Entwickler zum Teil handgefertigt wurden. Während ich mich persönlich in den tiefen Höhlen und Abgründen verlieren könnte, entdeckt ihr etwa in den ersten ein bis zwei Minuten Spielzeit ein Problem: Luft anhalten geht nicht ewig. Die dunklen Weiten sind also unerreichbar; es gilt zunächst, Steinchen einzusammeln und die Rohstoffe im Fabrikator, einem High-Tech-Crafting-Gerät, zu extrahieren. Der ist ein Überbleibsel aus euer halb kaputten Rettungskapsel; ebenso wie andere nützliche Tech.

Nachdem eure ersten Sauerstoffflaschen mithilfe der Materialen angefertigt wurden, regnet es weitere Schwierigkeiten: Denn je nachdem, wie lang ihr bis hierhin herumgedaddelt habt, setzt spätestens jetzt euer Todfeind ein: Durst. Denn natürlich könnt ihr das Wasser um euch herum nicht einfach trinken.

Ich und mein Blasenfisch auf dem Weg nach Hause, da ich verdurste.

Was machen? Natürlich den einheimischen Blasenfisch fangen und aussaugen. Dessen Körper besteht nämlich aus einer Membran, die das Wasser von ‘giftig’ zu ‘genießbar’ filtert. Ein Blasenfisch entspricht einer Flasche Wasser, was keineswegs viel ist. Essen müsst ihr natürlich auch, aber zumindest könnt ihr etliche Meeresbewohner im Fabrikator grillen, während euch einzig der Blasenfisch Wasser gibt. Zwar ist es auch möglich, euch H2O über ein weiteres Rezept zu craften, aber das ist noch aufwendiger und keine Option in den ersten Stunden.

Nass und wundervoll.Fazit lesen

Neben Hunger, Durst und Atemnot können euch auch etliche Bewohner des Meeres umbringen; oder etwa die Strahlung in der Nähe eures abgestürzten Raumschiffes. Oder Unterwasservulkane, oder alles zusammen, was höchstwahrscheinlich früher oder später passieren wird. Hierbei nerven noch einige Problemchen beim Balancing; etwa seid ihr ständig durstig und braucht etliche Liter Wasser, um die Anzeige aufzufüllen. Dagegen ist es seltsam einfach, die eigene Basis zu bauen, da die Teile zur Konstruktion keine seltenen Materialien benötigen.

Wenn ihr im Überlebensmodus sterbt, sterben einige Gegenstände im Inventar mit euch

Was passiert, wenn ihr sterbt? Nicht viel; ihr spawnt in eurer kleinen Rettungskapsel und später in eurer Basis; dabei verliert ihr jedoch die Gegenstände, die ihr nach dem letzten Verlassen der Kapsel sammeln konntet. Das gilt zumindest für den Überlebens-Modus, an welchem ich mich im Moment ergötze. Subnautica umfasst vier Spielmodi:

  • Freies Spiel (Kein Hunger & Durst)
  • Überlebensmodus (Hunger & Durst)
  • Hardcore (Hunger, Durst, PermaDeath)
  • Kreativmodus (kein Tod, alles kann von Anfang an gebaut werden)

Subnautica besitzt im Übrigen auch eine Story, die allerdings umfangreicher sein könnte: Während ihr zu überleben versucht, erhaltet ihr Signale von anderen Rettungskapseln. Ob ihr dem Planeten entkommen könnt, verrate ich euch natürlich nicht. Wäre ja auch doof.

Mit allen Wassern gewaschen

Unknown Worlds Entertainment kümmert sich um sein Baby wie eine überfürsorgliche Mama; ständig kommen Updates und Fixes ins Spiel gesegelt, ständig gibt es neuen Content. Aufgrund des Sandkasten-Prinzips funktioniert das natürlich wunderbar; hier noch einen neuen Garten zum craften, dort ein neues Biom und seit einigen Monaten gibt’s sogar einen Knuddelfisch, der euer Freund sein möchte.

Sobald die Überlebensfrage also geklärt ist, geht es ans Eingemachte: Wie wird der erste Stock meiner Unterwasserstation dekoriert? Welche Alge passt farblich zu den Pilzen, die ich gepflanzt habe? Und was hat es eigentlich mit dem Techno-Rave auf sich, der unter alle Trailer gelegt wurde? Fragen über Fragen.

Worauf wir uns auch freuen, ist Monster Hunter World. Und zwar so sehr, dass wir eine interaktive Story geschrieben haben, die ihr hier spielen könnt:

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Fakt ist, dass Subnautica einer der wenigen Early-Access-Titel ist, die neben kontinuierlichen Updates wie versprochen die Fans miteinbezogen haben, und nach und nach einen Diamanten aus dem damals schon beeindruckenden Rohmaterial fertigen konnten. Es gibt so viele Inhalte, das ich kaum alle besprechen kann. Mein Rat: Macht euch selbst auf eine Reise in außerirdische Meere.