Ich mag die Assassin's-Creed-Serie ja sehr. Ich liebe die Kletterei und vor allem die Stealth-Missionen. Auf der anderen Seite ödet mich die Meuchelmörder-Saga auch mittlerweile etwas an. Denn es fehlt schon etwas der Biss. Trotz Attentäter-Held in der Hauptrolle vollbringt man heroische Taten. Ja, selbst als Pirat im Assassinen-Look steuert man einen blonden Schönling mit Heldenherz, dessen größte Untat ein gelegentliches Saufgelage darstellt. Wie cool wär's stattdessen mal ein Assassin's Creed mit einem echten Fiesling in der Hauptrolle, einem skrupellosen Mörder, Dieb und Halsabschneider? Tja, das dachten sich wohl auch die Jungs des französischen Studios Cyanide. Denn die kreuzen kurzerhand Assassin's Creed mit Thief und packen einen einen hässlichen Goblin namens Styx in die Hauptrolle.

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Dass die Franzmänner von Cyanid gerne mal an der Gut-Böse-Schrauben drehen, dass haben sie ja schon mit dem 2012 erschienen Of Orcs and Men gezeigt. Denn in dem raubeinigen Action-Rollenspiel waren ausnahmsweise mal die Menschen die Bösen und man muss als Ork Arkail verhindern, dass diese das seit Jahrtausenden den Grünhäuten zugestandene Gebiet annektieren. Dabei an der Seite: ein Goblin, genannt Styx, der sich als listiger Attentäter und meisterhafter Dieb erweist. Und eben jener steht nun der Mittelpunkt von Styx: Master of Shadows.

Styx: Master of Shadows - Zynischer Goblin sucht Sinn des Lebens

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Ein Action-Schleicherei ohne viel Popo-Pudern aber mit viel Freiheit will will das Team von Cyanid abliefern. Schon von Anfang an soll einem die gesamte Spielwelt mehr oder minder offen stehen. Wer sich zu schnell voran wagt, der stirbt eben.
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Dieses setzt jedoch einige Äonen vor Of Orcs and Men und offenbart, dass Styx nicht irgendein Goblin ist. Nein, er ist der allererste Vertreter seiner Rasse – und hadert damit. Denn nachdem er nunmehr zweihundert Jahre auf dem Buckel hat, sich an Raub, Mord und Rauschmitteln erquickte, quält ihn die Frage seines Ursprungs und seiner Bestimmung. Klar, selbst als geld- und goldgieriger Langfinger mit Kehlenaufschlitzmesser würde man gerne wissen, warum man so ist, wie man nun mal ist. Oder nicht?

Antworten auf seine Fragen erhofft sich der dauerfluchende Goblin am Baum des Lebens, der Quelle einer Zauber-Droge namens Amber, der er schon vor Jahrzehnten anheim gefallen ist. Er will das energetische Herz des Baumes stibitzen, denn dieses soll unglaubliche Weisheit bergen und könnte ihm gleichzeitig noch sowohl ein kleines Vermögen als auch einen krassen Rausch einbringen. Dummerweise ist nicht so leicht an den Stamm und das Herz ranzukommen.

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Auch wenn spielerisch nicht der Knüller, konnte die unkonventionelle Story von Of Orcs and Men schon überzeugen. Styx erzählt nun die Vorgeschichte des gleichnamigen und zynischen Kleptomanen-Goblins.
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Denn zum Schutz des uralten botanischen Relikts hat eine Zweckallianz aus Menschen und Elfen drumherum den Turm von Akenash gezimmert: ein hunderte Meter hohes Ungetüm von Ringburg, das mit unzähligen Wachen, Fallen, Sicherheitsanlagen und einer geradezu labyrinthischen Struktur aus Gängen, Leitern und Räumen gespickt ist. Eine Herausforderung aber keine Unmöglichkeit für Styx, denn in Beweglichkeit und Fähigkeiten wirkt der schmächtige Halsabschneider wie eine Mischung aus Assassin's Creeds Ezio, Thiefs Garrett und Metal Gears Snake. Und das, auch wenn keine Hochglanzproduktion wie die großen Vorbilder, mag durchaus entzücken.

Hals an Messers Schneide

Ziel ist's über kurz oder lang auf die oberste Ebene des Turms zu kommen, wo der einzige Weg zur Mitte des Stammes führt. Das ist grundsätzlich gleich von Beginn an möglich. Denn vorgegebene Passagen gibt’s nicht.. Doch liegen auf den einzelnen Etagen etliche Nebenmissionen, die Geld, Amber aber auch erste Puzzleteile auf die Frage nach der eigenen Herkunft bringen. So geht’s beispielsweise auf dem Weg zur einer Schatztruhe an der der Fassade des Turmes entlang.

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Wie die Macher versprechen, soll sich hinter den Mauern von des Turms von Akenash auch Böses zu tragen. Finstere und unmoralische Experimente, Komplotte, Verschwörungen und garstige Kreaturen werden versprochen.
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Wie Ezio wird die halbwüchsige Grünhaut aus Third-Person-Sicht an Vorsprüngen entlang gehangelt, zieht sich an herausragenden Steinen und nach oben auf's nächste Stockwerk. Klar, schaut nicht ganz so elegant und flüssig aus, wie im Werk von Ubisoft, aber trotzdem nett. Auf der Balustrade balancierend geht’s hinter einer Kiste in Deckung: gewammste Wachen mit Bastardschwertern drehen hier ihre Runden. Also schnell ab ins Dunkel, wobei ein Tattoo auf dem Rücken des lederhäutigen Kleptomanen anzeigt, wie sichtbar er ist: Schimmert es gülden, ist Styx quasi mit dem Schatten verschmolzen.

Hinter einer Ecke lauernd, lassen sich Wachen ins Dunkel ziehen, wo ihnen der Goblin mit einem Streich seines 40-Zentimeter-Buttermessers den Hals durchsäbelt. Steht der kleine Mörder hingegen auf erhöhter Position auf einer Kiste, einem Balkon oder einer Säule, kann er sich mit gezücktem Messer auf sein Opfer fallen lassen, wobei ihm eine Blutfontäne entgegen spritzt. Und attackiert er eine Wache von Hinten, dann schwingt sich der Halbwuchs-Attentäter elegant am Körper des Opfers herum, um ihm die Klinge ins Herz zu rammen. Ja, alles sichtlich abgekupfert aber erfrischend gnadenlos inszeniert. Ebenso wie die Möglichkeiten, sich in der doch schon gefährlich von wachsamen Augen durchsetzten Umgebung, Vorteile zu verschaffen.

Wenig Grenzen, aussichtslose Kämpfe aber dafür viel Schleicherei, Taktik und ein ganz eigener und unkonventioneller Held. Styx könnte eine kleine Stealth-Perle werden!Ausblick lesen

Denn wie Garrett kann auch der minderwüchsige Kapuzenträger per Hand oder mit geworfenen Sandsäckchen Fackeln löschen, sich geschwind in Eichenschränke und in Kisten flüchten aber natürlich auch die Leichen von Opfern über die schmale Schulter hiefen und ins düstere Ecken werfen. Denn tatsächlich: nur wer den offenen Kampf scheut, wird hier lange überleben. Styx hält nämlich nicht viel aus. Daher ist schon im Kampf gegen einfache Gesellen verdammt gutes Timing mit Block, Gegenangriff und Ausweichen angesagt.

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Der gute Styx kann zwar so ziemlich alles was Ezio, Snake oder Garrett drauf haben: leider bewegt er sich nicht ganz so katzengleich. Etwas holprig und hakelig kommen manche Animationen daher.
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Zwei Styxe sind besser als einer

Mit jedem erklommen Stockwerk, gesellen sich schwierigere Gegner hinzu. So kommen zu den einfachen Schwertschwingern gerüstete Rittersleute, aufmerksame und schnelle Kerls in Kreuzrittergewändern und auch flinke Kämpfer, die an Ubisofts Assassinen-Krieger denken lassen – Zufall oder ein Seitenhieb? Diese sind dann auch besonders schnell zur Stelle, wenn man Styx allzu unachtsam umherlenkt, gegen einen Tisch rempelt oder mit einem lauten Klatschen von oben herabfallen lässt. Allerdings lernt der kleine Goblin im Gegenzug auch hinzu.

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In Sachen Gegnervielfalt soll es Spielern laut Cyanid nicht langweilig werden. Optisch wie auch spielerisch sollen die vielfältig ausfallen – und auch auf unterschiedlichste Weise fordern.
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Über die Zeit lassen sich via gesammelten Erfahrungspunkten in sechs Talentbäumen neue Angriffe, Ausrüstungsgegenstände aber vor allem auch magische Kräfte freischalten, die durch das Amber gespeist werden. Dann kann sich der Mini-Dieb unsichtbar machen, mit dem Adler- … äh... Amber-Blick Feinde und Schätze aufglühen lassen, Messer werfen oder einen geisterhaften Klon von sich beschwören. Letzterer kann wie das Original töten, Türen öffnen und Wachen ablenken oder ihnen gar an den Kopf springen und die Augen zu halten. Nett und intelligent und taktisch eingesetzt, verdammt nützlich.

Damit bietet Styx scheinbar eine deutlich reinere Herausforderung als etwa Assassin's Creed oder das letzte Thief. Schongang? Von wegen. Alleine das dürfte so einigen gefallen. Und auch wenn kein Hochglanztitel: auch optisch macht Masters of Shadows dank Unreal Engine 3 schon was her. Die ewig verwinkelte und verschachtelte Befestigungsanlage, bietet einen herrlich bizarren Anblick. Zwar ist schon jetzt absehbar, dass es da in Sachen Umgebungen kaum groß Abwechslung von der Mittelalterliche-Burg-Stein-und-Holz-Kulisse geben wird, aber die ist immerhin gut umgesetzt.

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Vor allem in der Herangehensweise an einzelne Aufgaben soll die Spieler viel Freiheit erwarten. Jede Mission könne alleine schon ob der offenen Umgebung auf unterschiedlichste Weise lösbar sein.
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Feine Lichteffekte, tief dunkle Schatten und sinistrer Kerzenschein. Zwischen drin mal ein kleiner Akzent wie ein filigranes Luftschiff der Elfen oder eine surreale Krypta mit Buntglasfenstern. Fein. Also alles in allem eine herrlich bittere Düsteratmosphäre, die gut zum gesamten Konzept passt. Aber vor allem, auch wenn grottenhässlich und alles andere als ein Charmebolzen: Styx als Charakter gefällt. Zynisch, rassistisch, eigentlich unterlegen und ein skrupelloser Geselle mit Riesemmesser, toll! Endlich mal die Moral Moral ein lassen, das könnte eine schöne Abwechslung werden.