Wie eine aktuelle Studie herausgefunden hat, reichen Sportspiele mit all dem virtuellen Boxen, Bowlen und Tanzen nicht aus, um das tägliche Bewegungsbedürfnis von Kindern zu befriedigen. Dass es sich bei diesen Spielen also um Fitness-Software handelt, sollte eher kritisch betrachtet werden. Immerhin handelt es sich bei Spielen ja auch um Unterhaltungsangebote.

Studien - Sportspiele für Wii oder Kinect sorgen nicht für schlankere Kinder

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Bewegungsspiele auf der Wii führen nicht dazu, dass Kinder ein höheres Fitnesslevel bekommen oder sich mehr bewegen. Man muss für Sport also doch noch das Haus verlassen.
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Für die Studie wurden Kindern Sportspiele auf einer Nintendo Wii zu spielen gegeben. Letztlich endeten sie aber nicht dabei, dass sie irgendwie energischer oder besser bei körperlichen Aktivitäten abschnitten, als andere Kinder, die lediglich im Sitzen auf dem Sofa gespielt hatten. Die Forscher sagten, dass es trotzdem noch möglich wäre, ein paar mehr Kalorien zu verbrennen, wenn man aktiv vor dem Fernsehgerät ist, statt nur einfach davor zu sitzen und auf den Bildschirm zu schauen.

Trotzdem ist die Wii keineswegs in der Lage, mit den Kindern die benötigten 60 Minuten Extra-Zeit für körperliche Ertüchtigungen zu geben. Jacob Barkley, ein Forscher an der Kent State University in Ohio, der an der Studie beteiligt war, geht zumindest nicht davon aus. Ein paar der Forscher hatten die Hoffnung, dass die Sportspiele eine Alternative zu sportlichen Aktivitäten und dem Spielen auf der Straße sein könnten, insbesondere für die Kinder, die in gefährlicheren Gegenden leben, in denen es nicht unbedingt angebracht ist, draußen zu spielen.

Zur Überprüfung dieser These, bekamen 78 Kinder, die noch keine Konsole besaßen, eine Wii geschenkt. Die Hälfte der Kinder sollte dann Spiele spielen, die körperliche Aktivitäten beinhalten, wie Wii Sports oder Dance Dance Revolution. Die andere Hälfte durfte Spiele spielen, bei denen es hauptsächlich darauf ankam zu sitzen, wie Disney Sing-It Pop Hits oder Super Mario Galaxy.

Über 13 Wochen beobachteten Tom Baranowski und seine Kollegen die Kinder und testeten ihre Fitness-Level mit einem Beschleunigungssensor. Die Teilnehmer trugen dieses Gerät während vier verschiedenen, jeweils eine Woche andauernden Zeitperioden. Die Wissenschaftler konnten anhand der Daten, die das Gerät aufzeichnete, erkennen, wann sie nur leichte Übungen und wann sie mäßige bis energische Übungen machten. Die Kinder befolgten dabei die Anweisungen der Versuchsleiter recht genau - immerhin durften sie die Konsolen ja auch behalten, was durchaus als passabler Anreiz verstanden werden kann.

Die Auswertung der Daten zeigte dann aber, dass die Kinder mit den aktiven Spielen nicht mehr Bewegung bekamen, als diejenigen mit den Spielen, die nur im Sitzen gespielt wurden. In Woche 1, 6, 7 und 12 zeigten die Kinder in der „Aktiven“-Gruppe im Durchschnitt 25 bis 28 Minuten mittelmäßige bis energische Aktivitäten am Tag. Verglichen mit 26 bis 29 Minuten mittelmäßiger bis energischer Aktivität am Tag bei der „Inaktiven“-Gruppe. Bei den leichten körperlichen Aktivitäten gab es überhaupt keinen Unterschied.

„Wir hatten erwartet, dass das Spielen der Videospiele dazu führen würde, dass die körperliche Aktivität der Kinder substanziell zunimmt. Offen gesagt waren wir schockiert darüber, dass es überhaupt gar keinen Unterschied gab“, sagte Baranowski gegenüber Reuters Health. Sein Team konnte nicht genau sagen, ob die Kinder einfach nicht so viel Energie beim Spielen verbrauchten oder ob sie die beim Spiel verbrauchte Energie einfach nur zu einer anderen Tageszeit wieder kompensierten. Da es sich aber um ein einzelnes Experiment handelt, müssen die Ergebnisse nicht endgültig sein.

„Unsere Studie deutet an, dass es durch das Spielen von Bewegungsspielen keinen besonderen Gesundheitsbosnus gibt.“

Dennoch ist es immer noch möglich, dass die Kinder mit den Sportspielen zumindest ein paar Extrakalorien verbrannt haben und dass das Messgerät dies einfach nicht aufgezeichnet hat.

„Wenn man die Zeit, die man ansonsten still sitzend verbringt, damit verbringt etwas aktives zu machen, dann könnte das zumindest einen positiven Effekt haben. Aber nur weil man Fußball auf der Wii spielen kann, heißt das noch lange nicht, dass man aufhören sollte, draußen zu spielen.“