Die Spieleindustrie hat es schwer. Steigende Produktionskosten und sinkende Bereitschaft der Kunden, die Spiele gleich bei Verkaufsstart zu erwerben, stellen ein erhebliches Problem dar. Stattdessen warten die Kunden einige Zeit, um sich dann die Spiele gebraucht bei Gamestop und Co. zu besorgen, womit den Publishern auch dann das Geld durch die Lappen geht.

Doch der eigentliche Erzfeind der Publisher sind die verhassten Raubkopien. So teilte die Entertaiment Software Association mit, dass sie allein für den Monat Dezember 2009 rund 10 Millionen illegale Downloads von über 200 Spielen registriert habe. Etwas übertrieben, finden drei Universitäten, deren Studien herausfanden, dass die Zahl der illegalen Raubkopien lange nicht so hoch ist, wie die Spieleindustrie gerne behauptet.

Studien - Laut einer Studie ist die Spielepiraterie nicht so hoch, wie gern behauptet wird

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Darksiders gehört zur Top-10 der Raubkopien.
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Erst im August letzten Jahres teilte Ubisoft mit, dass die Piraterie im Vollpreisbereich zwischen 93 und 95 Prozent betrage, womit der Publisher den Schritt zu F2P legitimiert, da seiner Meinung nach gleich viele Spieler für Vollpreistitel wie auch für Items in F2P-Spielen zahlen würden.

Dagegen vertritt Minecraft-Entwickler und -Erfinder Markus "Notch" Persson die Meinung, dass Raubkopien gar nicht so böse seien. "Wenn jemand dein Spiel eine Billion Mal kopiert, dann verlierst du keinen einzigen Cent. Manche sagen das nur, um das Internet zu runieren. Ich bin noch immer der Meinung, dass Piraterie falsch ist. Aber das eher auf der Ebene, wie wenn ich einen Freund einen Idioten nennen würde. Es ist falsch, aber es ist nur eine kleine Sache."

Wie man sehen kann, spaltet die Debatte um Spielepiraterie selbst die Spieleindustrie in unterschiedliche Lager auf. Erstaunlich dabei ist nur, dass trotz der Aktualität der Sachlage noch keine Universität es für nötig hielt, eine umfangreiche Studie darüber durchzuführen. Das mussten sich auch Anders Drachen und Robert Veitch gedacht haben.

Die von ihnen mithilfe eines Web-Crawlers durchgeführten Studien an der Aalborg University, der University of Waterloo und der Copenhagen Business School haben über drei Monate von 2010 bis 2011 rund 173 Spiele auf 14 unterschiedlichen Plattformen, darunter den PC, die Xbox 360, die PS3 und die Wii beobachtet, die in diesem Zeitraum von 12,6 Millionen P2P-Nutzern aus 250 Gebieten heruntergeladen wurden. Damit habe man "die größte Untersuchung von Spielepiraterie über P2P-Netzwerke bis dato" durchgeführt.

Diese Untersuchung habe man durchgeführt, weil trotz der Debatten um Spielepiraterie nur wenige wirklich objektive Informationen bezüglich der tatsächliche Ausmaße der Raubkopien existieren würden und es auch keine Daten über die Verteilung auf die unterschiedlichen Länder, die betroffenen Spieletitel oder Genres gebe.

Das Ergebnis der durchgeführten Studien würde den Zahlen der Entertainment Software Association schon mal in der Hinsicht widersprechen, dass tatsächlich so eine derart hohe Zahl an Spielepiraterie bestehen würde. Mal vom moralischen und legalen Standpunkt abgesehen, ist es schon ein großer Unterschied, ob in einem Monat über 10 Millionen illegale Downloads stattfinden, wie es die ESA behauptet, oder knapp dieselbe Menge in drei Monaten heruntergeladen wird. Die Daten von der ESA seien daher "höchstwahrscheinlich voreingenommen aufgrund des Interesses der Industrie, die Piraterie zu reduzieren", was dementsprechend zu einer Überschätzung des Problems geführt habe.

Dennoch stellt Drachen klar, dass diese Studien nicht dazu dienen sollen, das Problem der Spielepiraterie herunterzuspielen. "In erster Linie ist die P2P-Spielepiraterie außergewöhnlich vorherrschend und geografisch verteilt. Jedoch geben die Zahlen unserer Untersuchungen den Anlass zur Vermutung, dass die vorher gemeldeten Ausmaße der Spielepiraterie viel zu hoch seien. Es erscheint ebenfalls, dass einige allgemeine Annahmen falsch seien. Zum Beispiel, dass nur Shooter heruntergeladen würden, da wir in der Zeit unserer Beobachtung eine Menge Aktivität im Bereich Kinder- und Familienspiele auf BitTorrent erfassen konnten."

Zur Top-10 der am meisten heruntergeladenen Spiele gehören Neben Darksiders auch noch Call of Duty: Black Ops, StarCraft 2 und Die Sims 3: Late Night. Die Länder, in denen am meisten raubkopiert wurde, sind laut den Studien Rumänien, Kroatien, Ungarn, Griechenland und Portugal.