Wir alle kennen die altbekannten Vorurteile: Intensives zocken verblödet, macht einsam und überhaupt stumpfen Kinder und Jugendliche ab, wenn sie längere Zeit Videospiele spielen. Die neusten neurowissenschaftlichen Untersuchungen zeigen aber, dass Spielen keineswegs dumm macht. Das Gegenteil ist der Fall.

Eine der neusten Studien wurde von der Berliner Charité durchgeführt und machte deutlich, dass Kinder und Jugendliche, die regelmäßig und viel spielen, ein größeres Gehirn haben als andere. Allerdings sind hier vor allem das Belohnungszentrum und der frontale Kortex erweitert. Letzterer dient vor allem für strategische Planungen, die Aufmerksamkeit und das aktive Arbeitsgedächtnis (welches nicht mit dem Lang- oder Kurzzeitgedächtnis verwechselt werden sollte).

Untersucht werden sollte mit der Studie eigentlich das Suchtverhalten von Jugendlichen, um eine Prognose abgeben zu können, wie sich Videospiele auf die Entstehung von Süchten auswirken. Dr. Simone Kühn erklärte in einem Interview mit der Berliner Morgenpost, dass die Ergebnisse der Studie selbst das Forscherteam überrascht haben:

„Im Gegensatz zu anderen Studien, bei denen beispielsweise das Verhalten während des Spiels gemessen wird und die Testpersonen bei der Aktivität beobachtet werden, haben wir uns die grundsätzliche Struktur des Gehirns genauer angesehen. Ich hätte nicht gedacht, dass Vielspieler mehr Gehirn haben.“

Eine andere Studie, die von der Universität Würzburg durchgeführt wurde, kam zu einem ähnlich interessanten Ergebnis: Mit Hilfe von Videospielen lasse sich die Intelligenz von Kindern steigern - insbesondere das logische Denkvermögen. Der Computer wurde dabei lediglich als Medium benutzt, da er den Vorteil bietet, nicht unmittelbar mit dem Lernen assoziiert zu werden. Dabei fiel der Effekt der Intelligenzsteigerung überraschend hoch aus.

Verwendet wurde eine, zum Computerspiel gemachte, Variante des Denktrainings nach Klauer, das das logische Denkvermögen steigern soll. Dabei sollen Kinder lernen, die Merkmale von Objekten und die Beziehungen zwischen ihnen systematisch zu vergleichen. Das Training selbst ist durchaus Erfolg versprechend: In über 100 Studien weltweit, die mit über 4000 Kindern durchgeführt wurden, konnten Wissenschaftler bereits positive Effekte des Trainings nachweisen.

Bei den Untersuchungen mit dem Videospiel wurde eine Steigerung des durchschnittlichen IQs von 90 auf 101 Punkte nachgewiesen. Wolfgang Lenhard, Mitarbeiter am Lehrstuhl für pädagogische Psychologie an der Uni Würzburg sagte dazu, dass eine durchschnittliche Erhöhung um 11 Punkte ein sehr großer Effekt ist. Die Forscher führen diesen Effekt führen die Wissenschaftler nicht zuletzt darauf zurück, dass es sich um ein Computerspiel handelte. Bei diesem Spiel mussten die Kinder einen blauen Diamanten suchen - das sorgte dafür, dass sie ihre Motivation bis zum Ende des Trainings aufrechterhalten blieb. Zudem bekommen die Kinder über die Spiele direkt eine Rückmeldung über ihren aktuellen Leistungsstand, sodass sie ideal genutzt werden könnten, um hohe Lerneffekte zu erzielen.

Dabei ist wichtig zu bemerken, dass das Lernen durchaus wirkliches Lernen ist, auch wenn es in einer virtuellen Umgebung stattfindet. Diese Effekte nutzt man beispielsweise beim Pilotentraining in Flugsimulatoren aus.