Als Anfang Januar bekannt wurde, dass Sony ein Patent gegen Gebrauchtspiele registrieren ließ, waren die Spieler not amused. Dabei handelte es sich lediglich um ein Patent, was nicht unbedingt gleich auch eine Verwendung nach sich ziehen muss. Bittere Realität scheint dagegen Microsofts Vorgehensweise, Gebrauchtspiele mit einer zusätzlichen Gebühr zu belegen und sie nur noch durch autorisierte Händler verkaufen zu lassen. Der allgemeine Tenor unter Publishern lautet, dass Gebrauchtspiele den Markt kaputt machen würden. Zwei Professoren halten nun dagegen.

Studien - Gebrauchtspiele abzuschaffen, käme einem Selbstmord der Publisher gleich

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Ganz im Gegenteil, ohne den Gebrauchtmarkt würden die Publisher noch weniger verdienen
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Waren es vor allem in den 90er Jahren die illegalen Raubkopien, die den Tod der Spieleindustrie bedeuten könnten, stellen heutzutage Gebrauchtspiele den Dorn im Auge der Publisher dar. Kein Wunder, der Kampf gegen die Raubkopien kommt dem Kampf Don Quijotes gegen die Windmühlen gleich. Doch Gebrauchtspiele sind legal, sie lassen sich erfassen und sind damit greifbar für den Publisher, wenn es darum geht, einen Schuldigen auszumachen.

So sagte der Ex-Vice President of Core Games von THQ Richard Browne, dass der wahre Preis von Gebrauchtspielen die Singleplayer-Kampagnen seien.

Gemeinhin ist die Spieleindustrie der Meinung, dass jedes Gebrauchtspiel den Neukauf des jeweiligen Spiels verhindere und somit den Publishern wichtige Einnahmen zugunsten von Ketten wie Gamestop vorenthielte.

Dieser Auffassung widersprechen aber die Marketing Professoren Masakazu Ishihara von der New York University Stern School of Business und Andrew Ching von der University of Toronto’s Rotman School of Management.

In ihrer Studie "Dynamic Demand for New and Used Durable Goods without Physical Depreciation: The Case of Japanese Video Games", in der es um eine dynamische Nachfrage nach neuen und gebrauchten Gütern ohne physischen Wertverlust geht, und hierbei vor allem japanische Videospiele beobachtet wurden, haben sie gesammelte Daten vom japanischen Spielemarkt ausgewertet, um zu simulieren, wie sich die Entfernung von Gebrauchtspielen auf das Verhalten von Konsumenten und auch auf den Verkauf neuer Spiele auswirkt.

Und das Ergebnis dürfte etwas verwundern. Laut der Studie handeln die Konsumenten "vorausschauend". Das heißt, bereits bei einem Kauf eines Spieletitels ziehen sie den Wiederverkaufswert des Spiels in Erwägung. Würde man ihnen diese Möglichkeit, das Spiel wieder zu verkaufen, nehmen, so sänke auch ihre Bereitschaft, ein Spiel überhaupt zu kaufen.

"Der Gebrauchtmarkt wird von Produzenten als Bedrohung angesehen," so Ishihara und Ching. "Jedoch ist es nicht klar, ob diese Sichtweise gerechtfertigt ist, da der Gebrauchtmarkt den Besitzer auch die Möglichkeit bietet, seine Produkte wieder zu verkaufen."

Wenn also der Gebrauchtspielemarkt entfernt und sich aber ansonsten nichts verändern würde, so würde das bei den Publishern dazu führen, dass es zu einem Gewinneinbruch von bis zu 10 Prozent pro Spiel käme.

Andererseits, würde dann eine Preisanpassung in optimalere Preisregionen durchgeführt, könnte der Gewinn je Spiel um bis zu 19 Prozent zunehmen. Dazu müsste ein typisches PS3- oder Xbox-360-Spiel in Deutschland von derzeit rund 60 Euro Neupreis auf ca. 40 Euro sinken.

"Wir fanden heraus, dass der optimale Preis im Schnitt um bis zu 33 Prozent niedriger sein müsste als das normale Preisniveau, wenn der Gebrauchtspielehandel unterbunden wäre," so Ishihara. "Die Preisreduzierung wird dabei teilweise von der Tatsache angetrieben, dass, wenn der Gebrauchtspiele-Markt entfernt würde, die Spieler nicht mehr länger ihre Spiele verkaufen und somit kein Geld zurückerhalten könnten."

Also: Niedrigere Neupreise = mehr gewillte Käufer. Und: Keine Möglichkeit, das Spiel wieder zu verkaufen = weniger Anreiz, sich überhaupt Spiele zu kaufen.

Steam dürfte da als ein gutes Beispiel dienen. Trotz oder gerade wegen DRM-Einsatz, Always-On (auch wenn Steam durchaus im Offline-Modus betrieben werden kann) und fehlender Option für den Weiterverkauf. Und trotzdem ist Steam ein voller Erfolg. Einfach, weil es dort genügend Sales mit teilweise unschlagbaren Preisen gibt, bei denen man selbst als DRM-Hasser nicht "Nein" sagen kann. Beispielsweise kostet dort Alan Wake aktuell gerade mal 3,60 Euro.