Eine neue, recht kuriose Studie, die an der Ohio State University durchgeführt wurde, kam zu dem Schluß, dass das Spielen schwarzer Charaktere zu erhöhter Aggression weißer Spieler gegenüber Schwarzen führen kann.

Studien - Das Spielen von schwarzen Charakteren macht weiße Spieler aggressiver

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Ihr seid weiß und spielt Franklin in GTA 5? Dann haltet eure Aggressionen im Zaum
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Man möchte ja eigentlich meinen, Spiele sind universal verständlich, über alle Bevölkerungsgruppen hinweg beliebt und helfen dabei, Grenzen zu überwinden und Vorurteile abzubauen. Doch einer neuen Studie zufolge, die an der Ohio State University durchgeführt wurde, erzeugt das Spielen schwarzer Charaktere in weißen Spielern eher das Gegenteil - nach dem Genuß jener Spiele wiesen die weißen Probanden eine deutlich gesteigerte Aggression gegenüber Schwarzen auf, und assoziierten sie mehr denn je mit Gewalt und Waffen.

Diese Studie erstellte der namentlich nicht genannte Forscher gemeinsam mit Co-Autor Brad Bushman, Grace S. Yang und L. Rowell Huesmann von der University of Michigan, und Bryan Gibson und Adam K. Leuke der Central Michigan University.

Diese Studie ist die erste ihrer Art, in der die Herkunft des Charakters, den man spielt, eine so gewichtige Rolle spielt, und die dem Avatar vorwirft, Ursprung allen Übels zu sein. Tatsächlich soll das Spielen eines schwarzen Charakters auch dazu führen, dass Stereotypen gefestigt werden. Stereotypen wie jenes, dass Schwarze generell gewalttätig sein sollen.

"Ein gewalthaltiges Spiel mit einem schwarzen Charakter zu spielen, verstärkt schädigende Vorurteile, dass Schwarze gewaltbereit sind", so Bushman. "Wir fanden heraus, dass es echte Konsequenzen gibt, solche Stereotypen zu verwenden - es kann zu aggressiverem Verhalten führen."

Für die Studie mussten 126 weiße Studenten der Universität, von denen 60 Prozent männlich waren, Saints Row 2 spielen. Dabei mussten sie entweder einen Weißen oder einen Schwarzen spielen, wobei die Auswahl zufällig getroffen wurde. Den Probanden wurde zudem auferlegt, entweder aus einem Gefängnis auszubrechen, was nur mithilfe von Gewalt geschehen kann, oder eine Kapelle in der Stadt ausfindig zu machen, ohne jemanden dabei zu verletzen.

Nach dem Spielen wurden die Probanden untersucht. Dabei fand man heraus, dass diejenigen, die das Ziel des Gefängnisausbruches mit einem schwarzen Charakter hatten, eine weitaus negativere Haltung gegenüber Schwarzen aufzeigten, als jene, die mit einem weißen Charakter spielten.

So stimmten diejenigen, die mit einem schwarzen Charakter spielten auch eher dem Spruch zu, der wie folgt lautete: "Es geht wirklich nur darum, dass sich einige Menschen einfach nicht bemühen, wenn die Schwarzen sich nur mehr bemühten, könnten sie genauso gut dastehen wie die Weißen."

In einem weiteren Test wurden die Probanden einem Implicit Association Test (IAT) unterzogen. Hierbei werden einem Teilnehmer Gesichter gezeigt, die er dann mit einem Wort beschreiben muss. Ziel ist es, unterbewusste Vorurteile ausfindig zu machen, indem man darauf schaut, ob der Proband die Gesichter mit einem "guten" Wort wie Liebe oder mit einem "schlechten" Wort wie schrecklich assoziiert. es zeigte sich, dass diejenigen, die Saints Row 2 mit einem schwarzen Charakter spielten und aus dem Gefängnis ausbrechen mussten, Gesichter von Schwarzen eher mit "schlechten" Wörtern in Verbindung brachten.

Für Bushman ist klar, dass dies eine bewusste Vorgehensweise der Medien sei, den Stereotyp des Schwarzen auch weiterhin zu bedienen. Tatsächlich hält Bushman diesen Stereotypen gerade in der Spieleindustrie für eine gängige Praxis und vorherrschend, denn Schwarze würden in Spielen nahezu komplett nur mit gewaltbereiten Charakteren in Verbindung gebracht.

In einem weiteren Experiment mussten rund 146 Studenten, davon 65 Prozent Frauen, entweder WWE Smackdown V. RAW 2010 oder Fight Night Round 4 spielen. Auch hier mussten die Probanden entweder einen weißen oder einen schwarzen Charakter spielen. In einem weiteren, anschließenden IAT, mussten die Probanden die Gesichter mit Fotos von Waffen oder harmlosen Gegenständen wie Smartphones verlinken. Wiederum zeigte sich, dass der Anteil an Probanden, die zuvor einen schwarzen Charakter spielten, eher dazu bereit war, schwarze Gesichter mit gefährlichen Gegenständen wie Waffen zu assoziieren.

Dass gleichzeitig neben den Vorurteilen auch die Gewaltbereitschaft anstieg, zeigte sich in einem finalen Experiment, wonach ein Proband bestimmen darf, ob ein anonymer Partner Chilisauce essen soll, nachdem diese Person enthüllte, keine Chilisauce zu mögen.

Die Probanden, die als schwarzer Charakter spielten, gaben ihrem Partner um 115 Prozent eher Chilisauce zu essen, als jene, die einen weißen Charakter spielten.

Es sei also der Studie nach erwiesen, dass das Vorurteil, Schwarze seien gewaltbereiter, sich nach dem Genuß jener Spiele noch verstärkte, während auch die Aggression gegenüber Schwarzen anstieg. Bushman führe das darauf zurück, dass die Medien ein einseitiges Bild übermitteln würden.

Bushman weist zudem darauf hin, dass es wohl doch nicht immer gut sei, sich in die Perspektive bestimmter Gruppen zu versetzen. Eigentlich wäre das eine gute Sache, denn dadurch könne man die Gruppe besser verstehen lernen, Empathie aufbauen, doch werde man in Perspektive eines Gewaltverbrechers versetzt, wie es nun mal in vielen Spielen der Fall sei, würden dadurch nur Vorurteile verstärkt und gefestigt.

Dies wirft natürlich die berechtigte und bedenkliche Frage auf, was passiert, wenn man als Frau einen Mann spielt, oder als Mann eine Frau. Oder als Mensch einen Außerirdischen. Oder - als Außerirdischer einen Menschen.