Autor: Volker Schütz

Burgenbau ist Kinderkram? Das sehen die Firefly Studios anders. Mit "Stronghold Legends" werfen sie ihren neusten Strategieknaller auf den Markt. Der soll mit legendären Heldenepen und erhöhter Actionlastigkeit selbst die eigenen Vorgänger von den Zinnen rempeln.

Während die Vorläufer von "Stronghold Legends" sich um eine möglichst exakte Abbildung des finsteren Zeitalters bemühten, basiert der neue Titel von Designer Simon Bradbury auf einem abweichenden Konzept. Wir sagen euch, ob es aufgeht.

Unverändert geblieben ist das Grundsystem. Zunächst wird um einen fast beliebig ausbaubaren Burgkern eine entsprechende Infrastruktur errichtet, Truppen ausgehoben und dann geht es dem Widersacher ans Leben.

Jedoch stehen nun nicht mehr die Knappen und Ritter von anno dunnemal im Mittelpunkt, sondern deren Erzählungen. Daher drehen sich die insgesamt 24 Missionen um die Sagen von König Artus, Graf Vlad Dracul und Dietrich von Hildebrand… Dietrich von Hildebrand!? Nach dem ersten Schreck, wie Firefly Studio wohl den vom Naziregime verfolgten katholischen Philosophen ins Burgenszenario integriert haben mag, erinnern wir uns an Regel 1 im Journalismus: Pressemitteilungen lügen.

Stronghold Legends - Mauerfall ohne Wiedervereinigung. Sowas geht eben nur im Mittelalter.

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Und tatsächlich stellt sich wenig später im Spiel heraus, es ist Dietrich von Bern - der Mehlsack mit dem Melonenkopf. Gerade noch gut gegangen, wo die Entwickler doch wiederholt betonen, dass sie "Stronghold Legends" nicht rein im Land der Phantasie errichtet haben.
Denn insgesamt finden sich zwar illustre Einheiten wie Zwerge, Eisbären, Eishexen, Dämonen und last but not least sächsische Krieger. Aber was früher historische Correctness war, ist jetzt eine narrative.

Packshot zu Stronghold LegendsStronghold LegendsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Will heißen, das Geschehen soll sich eng an die erzählerischen Vorlage halten. Graf Dracul kämpft gegen die Türken, unser deutscher Recke mit der Gigantenfixierung gegen Eisköniginnen und Riesen aller Couleur, die englische Delegation des runden Tischs muss mit Drachen und ähnlichem Geschmeiß Vorlieb nehmen.

Siegfried - Fafnir: 1 zu 0
Die flatterigen Echsen darf der Spieler übrigens neben 30 weiteren Einheitstypen in seine eigene Armee eingliedern. Sie stellen einerseits als "Superwaffe" natürlich mächtige Verbündete dar, haben aber andererseits den von holden Jungfrauen bekannten Nachteil: Teuer in der Anschaffung und von begrenzter Haltbarkeit.

Stronghold Legends - Mauerfall ohne Wiedervereinigung. Sowas geht eben nur im Mittelalter.

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Denn hat man sie erstmal ausgebrütet (die Drachen, nicht die Jungfrauen), müssen sie zügig zum Einsatz kommen, da sie einen eher früher als später im Stich lassen. So soll eine Inflation organischer Flammenwerfer verhindert werden.

Damit der Spieler auch wirklich in den vollen Genuss des legendären Bestiariums kommt, wurden die Elemente des Burgbaus und des Ressourcen-Sammelns gegenüber den alten "Stronghold"-Teilen reduziert. Dafür haben die Firefly Studios sowohl die Anzahl der Belagerungswaffen als auch der Schutzanlagen verdoppelt. Vom Werwolfwerfer bis zur Drachenharpune findet sich alles, was den Schlossherrn von Welt auf die Titelseite von "Schöner Herrschen" bringt.

Um einer übermäßig passiven "bauen wir doch erstmal ein wenig vor uns hin" Mentalität einen Riegel vorzuschieben, gibt es nun so genannte Glory-Punkte. Die erhält der Spieler für den tapferen Kampf Mann gegen Mann (respektive Monster). Damit kann er sich dann Statuen zulegen, welche wiederum den Vorrat an Ehrenpunkten erhöhen. Letztere benötigt man beispielsweise für die Produktion bestimmter Einheiten oder zum Kauf neutraler Ländereien.Das wird echt Zeit
Auf technischer Seite bekam die inzwischen selbst mittelalterliche Engine eine gediegene Generalüberholung genehmigt. Jetzt beherrscht sie Echtzeitschatten und Blooming und verfügt über ein neues Partikelsystem. Insbesondere letzteres dient der Darstellung der ansprechenden Monster- und Magie-Effekte.

Ebenfalls für gefällige Optik sorgt ein erhöhter Abwechslungsreichtum im Rahmen der Architektur. Denn die drei Rassen verfügen nun alle über eigene Grafiksets. Leider umfassen diese nicht alle Gebäudetypen, sondern lediglich die Burgen selbst.

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Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist das Multiplayer-Feature für bis zu vier Personen. "King of the hill" wurde reaktiviert, außerdem gibt es "Capture the flag" und darüber hinaus "Economic War". Bei diesem können die Spieler die Siegkonditionen vollkommen frei einstellen - etwa auch eine bestimmte Anzahl Ehrenpunkte.Ausblick
Die Preview-Missionen spielen sich schon recht erfreulich. "Stronghold Legends" sieht nett aus und verfügt -soweit wir es probieren konnten - über ausgeglichene Truppenverbände. Das sich naturgemäß wiederholende Burgenbasteln und Schwerterwetzen in drei "legendäre" Episoden zu verpacken, klingt nach einer guten Idee.

Ob die Geschichten den Spieler auch tatsächlich motivieren können, wird sich aber erst im Rahmen des Reviews feststellen lassen. Dass sich die Serie immer weiter den klassischen RTS-Spielen annähert, kann jedenfalls positiv wie negativ empfunden werden und dürfte damit eine reine Geschmacksfrage sein.