Autor: Volker Schütz

Den glorreichen ersten Teil im Hinterkopf, den mäßigen Nachfolger im Burgkeller weggeschlossen, versucht Firefly Studios uns wiederholt den Festungsbau näher zu bringen. Doch anstelle des im Preview noch vollmundig als Königsmord angekündigten RTS-Knallers entwickelt das Ganze beim näheren Beschnuppern eher das faulige Gerüchle von Selbstmord an den Burgklippen. Aber lest selbst.

Sagen-haft
"Stronghold Legends" stellt ein klassisches Echtzeitstrategiespiel dar, also eine Mischung aus wirtschaftlichen Elementen und militärischen Konflikten. Es ist als dritter Teil der Serie erstmals nicht rein im Mittelalter verankert, sondern in der Welt der Legenden. So stehen Kampagnen in drei Geschmacksrichtungen zur Verfügung: König Artus und seine Ritterkomparsen aus der Dose, Siegfried samt Tiefkühlarmee und Vlad der Pfähler (mit allerlei Teuflischem am Spieß). Insgesamt handelt es sich um 26 Missionen.

Stronghold Legends - Auf Sand gebaut: Die Legenden von Stronghold sind wenig sagenhaft.

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Schwert im Stein, Stein im Brett, Brett vorm Kopf, Kopf im Sand, Sand im Getriebe...
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Dem Spieler obliegt die freie Wahl, welchen der sagenhaften Pappkameraden er als erstes zum Sieg führen möchte. Es bietet sich jedoch an, oben aufgeführte Reihenfolge einzuhalten, da der Schwierigkeitsgrad vom britischen König zum transsilvanischen Grafen deutlich ansteigt. Zusätzlich ist aber eine Regulierung der gegnerischen Kampfeskraft für jede einzelne Mission möglich.

Als weitere Spielmodi gibt es drei "Legendenpfade", auf denen man sich ähnlich wie bei "Risiko" arealweise mit seinen Truppen voranmetzelt. Der Direkteinstieg in eine mit dem beiliegenden Editor erstellte Benutzerkarte stellt die dritte Variante dar.

Das Leben ist eine Baustelle
Innerhalb der einzelnen Missionen findet sich dann jedoch viel Altbekanntes: Bevor Hand an die eigentliche Burg gelegt werden kann, bedarf es einer Vorratskammer, eines Kornspeichers und weiterer Infrastruktur. So klatschen etwa die fleißigen Leibeigenen ihre Holzfällerlager, Steinbrüche und diverse Nahrungsquellen in die Landschaft.

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Quadratisch, praktisch, gut: Eine Tafel runder Ritter beim Sport.
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Hierbei ist die eigentliche (und einzige) Kunst, die Wege zwischen den Gebäuden optimal kurz zu halten. Denn die gesamten Ressourcen dienen letztlich der militärischen Aufrüstung. Diese geht aber nur schleppend voran, wenn die Untertanen tonnenweise Holzlatten und Schweinehälften einmal quer über die Karte zerren müssen.

Sind die Speicher ausreichend gefüllt, befestigt der Spieler sinnvollerweise seinen Bergfried mit Mauern, schaufelt Burggräben, errichtet diverse Turmarten und versieht diese wiederum mit unterschiedlichen Wehranlangen. Etwa Baumstammfallen, brennendem Pech oder Eisspiegeln, um nur einige Beispiele zu nennen.

Zeitgleich geht es in aller Regel darum, fix Truppen auszuheben, um die Zinnen zu bemannen. Während die bereits aus "Stronghold 2" bekannten Standardeinheiten bei allen drei "Rassen" existieren, nehmen sich andere exklusiver aus: Artus nennt die Ritter der Tafelrunde inklusive Merlin seine Verbündeten.

Ehre, wem Ehre gebührt
Das unterkühlte Pärchen Siegfried und Dietrich von Bern wartet mit Drachen, Eishexen, Zwergen, Bären und ähnlichem Kroppzeug auf. Vlad befehligt standesgemäß Werwölfe, Kobolde, Vampirkriecher und sächsische Schläger - also Wesen jenseits der Zonengrenze.
Die Schergen verfügen jeweils über eine erquickliche Anzahl interessanter Spezialfähigkeiten. Sie fliegen, verlangsamen Gegner, richten Flächenschaden an und so weiter und so fort.

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Bedivere zeigt wie's geht: niemals nüchtern spielen.
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Die extravaganteren Einheiten gesellen sich jedoch nur dann unter ihren jeweiligen Burgherrn, wenn dieser über ausreichend Ehre verfügt. Hierbei handelt es sich um ein wichtiges Gut, das durch besonders edle Taten erlangt wird. Um genau zu sein: Fressen, Saufen und … nun ja … eigentlich nur Fressen und Saufen.

Um den Ruf der Legenden nicht zu schädigen, umschreiben wir es als "das Abhalten grandioser Feiern". Die notwendigen Voraussetzungen sammelt der Spieler, indem er die passenden Gebäude errichtet - also etwa eine Hofküche und die entsprechenden Nahrungslieferanten. Ein kleines Gebet in der kostspieligen neuen Kirche hat auch noch keinem Herrscher geschadet.

Ehre erhält man darüber hinaus durch das Errichten von Statuen. Diese kosten jedoch so genannte Ruhmespunkte, welche sich ihrerseits wiederum durch das Bezwingen von Gegnern verdienen lassen. Allein auf das flüchtige Gut seines guten Rufs sollte man sich dagegen nicht verlassen. Denn die Stärken und Schwächen der einzelnen Truppentypen gegeneinander sind extrem ausgeprägt. So gibt es bestimmte Angriffs"taktiken", die schlicht und einfach nicht funktionieren. Schickt man etwa einen noch so mächtigen Streiter gegen einen im feindlichen Gemäuer integrierten Eisspiegel, holt sich dieser tüchtig Frostbeulen - Erfolg verspricht das Ganze nicht. Hier funktionieren nur Katapulte.

"Let's not go to Camelot! It is a silly place."
Will man Bogenschützen unbeschadet von feindlichem Pfeilhagel an die gegnerischen Mauern bringen, geht das nur mit entsprechendem Belagerungsgerät. Burgtore öffnet nur ein Rammbock, Wälle bringt ausschließlich ein Katapult zum Einsturz und so weiter und so fort.

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Waldsterben: Baumstammfallen schützen vor Sachsen.
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Erwähnenswert ist letztlich noch, dass sich in den Kampagnen diverse Missionen auf der gleichen Karte abspielen. Alle Bauwerke, Ressourcen, Ehre- und Ruhmespunkte, aber auch die Truppen, werden in dem Zustand übernommen, wie sie am Ende der letzten Aufgabe hinterlassen wurden. Das kann bisweilen unerwünschte Folgen haben.

Denn frickelt sich der Schlossneuling ein Camelot zusammen, mit dem er zunächst gerade so über die Runden kommt, erlebt er kurz vor Ende der Artus-Kampagne eine unangenehme Überraschung. Dann steht er nämlich wieder im eigens angerichteten Chaos und muss derart schlecht gewappnet Feindeswelle nach Feindeswelle über sich hereinbrechen lassen.

Die Gegner betreten die jeweilige Karte zwar immer von der gleichen Seite, was das Ganze berechenbar macht, aber wie schon die CDU-Regierung bemerken musste: Eine verkorkste Wirtschaft ist kaum wieder in Schwung zu bringen.