Wälder, Burgen, Ritter zu Ross, Damen in Turmzimmern. Denkt der Klischee-Nichtdeutsche über das Klischee-Deutschland. Das ist natürlich Quatsch. Pure Realität ist allerdings: Deutsche lieben Aufbaustrategiespiele. Realität wird ebenfalls die Belagerungsorgie Stronghold 3. Und die macht beim ersten Anzocken einen sehr guten Eindruck.

Stronghold 3 - Economy Trailer5 weitere Videos

Stronghold 3 also. Wer bei Entwickler Firefly dabei ist? Zum Beispiel mehrere Köpfe hinter dem legendären Caesar 3 sowie den beiden Lords-of-the-Realm-Titeln. Hätte meine Hand einen Mund, würde er meine Maus vollsabbern. Endlich wieder wirtschaften, kämpfen, belagern? Die Stronghold-Reihe ist weder simple, trockene Kapitalisten-Wirtschaftsklopperei noch sich ständig wiederholende Tankrush-Wettrennen. Das war es nie. Bemerkenswert ist: Firefly sagt sich eindeutig vom zweiten Teil los. Wir konzentrieren uns aufs Wesentliche und machen den Nachfolger zum 2001 veröffentlichten Erstling, so die Absicht der Engländer.

Stronghold ist also irgendwo zwischen Wirtschaftssimulation und Echtzeitstrategie angesiedelt, das Ganze im Mittelalter. Und dazu, siehe oben, gehören auch Burgen. „Wir lieben Mauern!“, erzählt Firefly-Chef Simon Bradbury mit leuchtenden Augen. Doch bevor ich diese Mauern hochziehen kann, muss ich eine rudimentäre Ökonomie aufbauen. Menschen brauchen Häuser, für Häuser brauche ich Holz, für Holz brauche ich Baumfäller, für Baumfäller brauche ich Menschen, die wiederum essen müssen – und so weiter. Die Kamera ist frei zoom- und drehbar, die pure Iso-Perspektive ist endgültig Geschichte.

Stronghold 3 - Habt ihr die Absicht, eine Mauer zu errichten?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 49/531/53
Wieder geht es darum, die eigene Stadt und die Verteidigungsanlagen der Burg so gut wie möglich auszubauen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch die Einteilung der Karten in unterteilte Quadrate-Planwüste ist vorbei. Freie Schaffenskraft soll sich entfalten können, und so ziehe ich die Holz- oder Steinmauern von einem Start- zu einem Endpunkt. Türme, Tore, Bollwerke und das komplette Drumherum zur besseren Verteidigung kommt noch dazu. Denn meine Wirtschafts- und Wohngebäude sollten einigermaßen nah am Hauptgebäude stehen, das bis zum riesigen Burgfried ausgebaut werden kann. Es ist das zentrale Gebäude meiner Siedlung. Je näher die Wohnhäuser, desto mehr Menschen können dort wohnen – und desto höher mein Bevölkerungslimit.

Auch aus taktischen Gründen ist das ratsam. Denn - so die Geschichte -, der „Wolf“ aus dem ersten Teil ist nicht tot und sinnt auf Rache. Simpel, aber ausreichend, um den Einzelspielermodus mit einer wirtschaftlich und einer militärisch orientierten Kampagne zu versehen. Darin wird der Plot im Comicstil weitergesponnen. Zum einfachen Zocken per Skirmish-Modus gibt es Karten mit Burgen, die realweltlichen Vorlagen nachempfunden sind. Dort gibt es nur die Entscheidung: Festung verteidigen oder Festung angreifen?

Packshot zu Stronghold 3Stronghold 3Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wichtig ist die Stimmung der Bevölkerung, denn davon ist der komplette Wirtschaftskreislauf abhängig. Hohe Steuern, zu wenig oder abwechslungsarme Nahrung, sogar schlechtes Wetter macht die Untergebenen miesepetrig. Übelgelaunte Einwohner zeugen keine Kinder – und so stagniert die Siedlung oder entwickelt sich gar zurück. Und dann? Gut oder Böse? Ich kann ein paar Folterinstrumente aufstellen, damit die verbliebenen Schergen schneller arbeiten, allerdings bin ich dann weniger beliebt. Oder ich gebe besonders große Nahrungsrationen aus und mache auf Gut-Wetter-Lord. Dann sind meine Truppen stärker – aber die Arbeiter sind faul.

Stronghold 3 - Habt ihr die Absicht, eine Mauer zu errichten?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 49/531/53
Fast wie früher, nur dass heute alles in 3-D gestaltet ist.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Eben diese Arbeiter sind dringend nötig. Wie in der Siedler-Reihe oder anderen Aufbauspielen kann ich natürlich Prioritäten setzen, einzelne Gebäude abschalten und so Kräfte in die restlichen Produktionsbereiche drängen. Etwa in die Herstellung von mittelalterlichen Waffen für meine Garnison. Die waren beim Probespielen wichtig, um immer wieder attackierende hungrige Wölfe und Bären aus der Entfernung per Bogen zu erlegen. Ansonsten machen die wilden Tiere Hackfleisch aus meiner Bevölkerung – und dezimieren so meine Arbeiterschaft. Da hilft auch die leibhaftige, kampfeslustige Präsenz des Lord selbst nur zeitweise.

Blitzende Klingen, treffsichere Katapulte

„Die Einheiten sind strikt nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip entworfen“, sagt Simon. Eine ausgewogene Personalplanung für das Militär ist also angesagt. Groß angelegte Schlachten soll es geben, mit Hunderten einzelnen Einheiten auf der Karte, „entgegen dem Trend der Squad-basierten Echtzeit-Strategiespiele“, erklärt der Firefly-Chef. Dabei sehen die Kämpfe immer dynamisch und abwechslungsreich aus, nie monoton und wiederholend.

Stronghold 3, der 'wahre Nachfolger des ersten Teils'? Das wird der neuen Belagerungsorgie nicht wirklich gerecht. Potenzial hat es für mehr.Ausblick lesen

Da blitzen die herabsausenden Klingen der Schwerter, da tankt sich etwa eine Gruppe eine Anhöhe hinauf und durch die erste Abwehrreihe hindurch, wird jedoch von den Bogenschützen auf der Mauer der gegenerischen Festung so dezimiert, dass auch der letzte der wagemutigen Ritter in die Burgmauer beißt. Auch als Aggressor kann ich meine Bogenschützen so platzieren, dass sie die Verteidiger hinter den Zinnen erwischen, die daraufhin vom Wehrgang in die Tiefe stürzen. Und wenn die Felsbrocken meiner Katapulte die Befestigungen erschüttern, lösen sich nach und die Steine aus der Festungsmauer heraus und rollen das abschüssige Gelände herab. Alles in Echtzeit berechnet und wegen der verwendeten Siedler-7-Engine optisch passabel anzuschauen.

Stronghold 3 - Habt ihr die Absicht, eine Mauer zu errichten?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 49/531/53
Die Siedler-7-Engine zaubert hübsche Landschaften auf den Bildschirm.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Hügel stürmen, Hügel verteidigen, Mauern mit oder ohne Wehrgänge platzieren, die richtigen Truppen produzieren, wie etwa Pioniere, die heiße Flüssigkeiten von oben herab auf die Angreifer gießen, Belagerungstürme, Rammböcke oder simple Leitern: Stronghold ist ein Belagerungsspiel mit allem, was dazugehört. Wegen seines Eins-gegen-eins-Charakters von Angreifer und Verteidiger dürfte es auch hervorragend für Mehrspielerpartien geeignet sein. Das Objekt der Begierde ist dabei natürlich immer eine Burg, eine Festung in der Mitte, unabhängig vom Modus.

Wer alles gespielt hat, soll sich dann im mitgelieferten Editor austoben können – dieselbe Software, die auch die Entwickler selbst für ihr Missionsdesign nutzen. Das ist weniger kompliziert, als es klingt, und bequem bedienbar. Richtig amüsant wurde es bei meiner Anspielsitzung, nachdem ich entdeckt hatte, dass ich sämtliche Objekte in ihren Dimensionen verändern kann. Da jagte schnell ein riesiger, wildgewordener Eber eine Gruppe von Lord- und Bösewichtfiguren durch die wasserreiche Burgenlandschaft, und der Mönch hechelte hinterher. Ein moderner Sandkasten für Festungsfans. Auch geskriptete Ereignisse können festgelegt werden.

Aufhorchen lassen mich die Community-Funktionen. Erster Schritt: Baue mit deinem Stronghold-Accountnamen eine fiktive Burg auf eine beliebige Stelle – etwa den eigenen Wohnort – einer Google-Maps-Deutschlandkarte. So soll es möglich sein, Scores von Schlachten auf historischen Karten hochzuladen, die mitsamt Nickname dort auftauchen. Und natürlich in Online-Ranglisten. Der Kampf um den effektivste Eroberung kann beginnen!

Stronghold 3 - Habt ihr die Absicht, eine Mauer zu errichten?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Ein herrlicher Sonnenuntergang.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Schon der pure Anblick von Stronghold 3 hat ihn geweckt. Den Drang zu bauen, den Gegner mit meinen Verteidigungsanlagen auszutricksen, die Mauern, Türme und Tore zu kombinieren, dass er durch Nadelöhre muss, die mit wenigen Truppen zu verteidigen sind. Bollwerke aus Holz und Stein errichten, an denen sich der Angreifer die Zähne ausbeißt. Geweckt auch die Lust, mit List und Geschick die noch so uneinnehmbar wirkende Festung mit meinen Katapulten zu malträtieren, bis ein Loch hineingerissen ist. Die Leitern wieder und wieder in die Senkrechte stellen, um meine Ritter auf die Wehrgänge des Feindes zu bringen.