Stronghold 2 (PC-Test)
von Alex Brante

Nach der herben Kritik an der Version 1.0 entschloss sich Publisher Take 2, den Veröffentlichungstermin um eine Woche zu verschieben. Aus der Box purzeln nun drei statt zwei CDs, die dritte enthält neben etwas

Bonusmaterial vor allem den 27 MB großen Patch auf die Version 1.1, der die gröbsten Fehler behebt. Sehr löblich!

Dennoch: Wer sich nach einer extrem langen Ladephase zum ersten Mal ins Spiel begibt, ist etwas konsterniert, wenn ihn die extrem ruckelige Grafik empfängt.

Stronghold 2 - Siege Warfare Movie5 weitere Videos

Es empfiehlt sich, vor Spielstart die externen Grafikeinstellungen vorzunehmen. Dort ärgern die Schnelleinstellungen: Zwischen "niedrig" und "empfohlen" liegen Welten. Die niedrigen Details wollen den User mit einer Auflösung von 640x480 abspeisen und schaltet alle weiteren Einstellungen ab - beim Klick auf "empfohlene Details", gleichzeitig die Standardeinstellung, wird sofort alles aktiviert, von multiplen Shadern bis Bump Mapping. Hier sollte jeder Feintuning vornehmen, bis Stronghold 2 einermaßen flüssig läuft (siehe Extrakasten Grafiktuning). Kommen wir nun zum Spiel selbst. Wie beim Vorgänger gibt es zwei Kampagnen, den friedlichen und den kriegerischen Weg. Die Unterschiede sind so groß nicht, denn einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf benötigt man immer und auch bei der friedlichen Kampagne muss man Militäreinheiten ausbilden, denn die Ländereien werden des öfteren angegriffen. Burgenbau und Belagerungen im großen Stil sind

aber dem kriegerischen Pendant vorbehalten. Die anderen Spielmodi sind das Freie Bauen (ohne Zeitdruck eine riesige Burg bauen), der Königsmacher-Modus (eine Vorbereitung auf Mehrspielerpartien gegen die KI mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad), die Belagerung, das Spielen eigener (mit dem Editor erstellten) Karten und die Mehrspielermodi.

Burgenbau für Profis
Die absolute Stärke des Spiels ist und bleibt der Bau einer Burg. Zuerst gilt es, die komplexen Wirtschaftsketten zu beherrschen. Kenner des Vorgängers haben es eindeutig leichter, aber auch für sie gibt es zahlreiche Neuerungen.

Zu Beginn warten Bauern am Lagerfeuer auf Arbeit. Ohne Murren übernehmen sie jede Aufgabe, die man ihnen stellt. Jedoch bedarf es einer gewissen Popularität, um die Bauern zum Umzug zu überreden - noch viel schlimmer, wenn die Beliebheit unter die Grenzmarke sinkt, legen sie die Arbeit nieder und

Stronghold 2 - Burgen-Frust statt Ritter-Lust?

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verlassen die Burg wieder. Wer zu Beginn Fehler macht, hat meist keine Chance mehr, eine Abwärtsspirale aufzuhalten. Der Spielmodus "Freies Bauen" bietet sich besonders an, um die Grundzüge kennenzulernen. Wichtigster Rohstoff um weitere Gebäude zu bauen, ist zunächst Holz. Einige Sägegruben (Holzfäller und Sägewerk in einem) sollte man also zu Beginn platzieren. Als nächstes sollte man sich um die Nahrungsversorgung kümmern.

Packshot zu Stronghold 2Stronghold 2Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Bleibt der Kornspeicher über einen längeren Zeitraum leer, kommt es zum Massenexodus.Neu ist zum Beispiel, dass die Siedlung Jauche produziert, welche wiederum Ratten anzieht. Mit Jauchengruben und Falknern kümmert man sich um diese Probleme, bevor sie die Beliebtheit dauerhaft verringern.

Dazu verlassen immer wieder Arbeiter ihre Posten und werden zu Verbrechern, klauen Nahrung aus der Kornkammer, etc. Erst mit der Kombination von Wachposten, Gericht, Verlies, Folterknechten und - geräten bekommt man die menschliche Plage in den Griff. Etwas problematisch kann es werden, wenn man übersieht, wer genau zum Gauner wurde. Ist es zum Beispiel ein "Feuerwehrmann" (wie im Vorgänger jemand, der Brände mit Bunnenwasser löscht), kann es im wahrsten Sinne des Wortes brenzlich werden.

Luxus, den man sich leisten muss
Weitere Wirtschaftskreisläufe sorgen für Luxusgüter, die man am Marktplatz verkaufen oder dazu nutzen kann, um rauschende Feste zu veranstalten.

Letztere sorgen für Ehre, eine grundlegende Neuerung von Stronghold 2. Sie wird benötigt, um selbst befördert zu werden, Militäreinheiten auszubilden und Ländereien aufzukaufen. Etwas Ehre verdient man sich bereits, indem man der Bevölkerung abwechslungsreiche Nahrung auftischt.

Noch mehr Ehre bekommt man, wenn man sich selbst verwöhnt. Dazu bedarf es einer Burgküche, die mit Fischen, Gänsen, Schweinen, Gemüse und Wein beliefert wird. Je mehr Gäste und je größer das Festmahl, desto mehr Ehre bedeutet dies für den Burgherren. Auch der Bau einer Kirche und der dafür nun nötigen Produktion von Kerzen bringt neben Beliebtheit auch Ehre, sowie die Produktion von Manuskripten in einem Kloster, das Ausrichten von Tänzen oder gar Ritterturnieren.

Und letztendlich um eine prächtige Burg zu bauen benötigt man vor allem Steine. Hier erweist sich die 3D-Engine als außerordentlich zweckmäßig, insbesondere das

Stronghold 2 - Burgen-Frust statt Ritter-Lust?

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Umschalten auf die Vogelperspektive erleichtert den Bau ungemein. In diesem Bereich hat Firefly auch getüftelt, um neue Verteidigungsoptionen bereitzustellen. Neben Öl können nun brennende Baumstämme über den Wall auf die Angreifer geworfen werden, hinter Schießscharten stehen die Bogenschützern sicherer, über versteckte Ausfallpforten kann man dem Angreifer in die Flanke fallen.

Die Kartengröße hat gegenüber dem Vorgänger enorm zugenommen und zwischen zwei sich bekämpfenden Parteien befinden sich mitunter zahlreiche kleine Dörfer, sogenannte Ländereien. Mit Ehre kann man sie dazu bewegen, sich der eigenen Seite anzuschließen. Nun produzieren sie automatisch einige Waren und liefern sie prompt in der Burg ab.

Tückische Kampagnen
Nun aber wieder zu etwas unangenehmem: Die neue Missionsstruktur der beiden Kampagnen. Hier hat sich meines Erachtens Firefly für einen falschen Weg mit hohem Frustpotential entschieden. Wer versucht, jede Mission so schnell wie möglich zu lösen, kann in der folgenden oft auf Komplikationen stoßen - denn alles bisherige wird in die nächsten Mission mitgenommen. Als Beispiel dienen nun die ersten Missionen

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der friedlichen Kampagne. Man startet auf einem Kliff an einem Ende der Karte und muss zuerst einige Äpfel horten und gleichzeitig Holzbretter produzieren, damit Mönche ein Leuchtfeuer aufbauen können. Hat man dies geschafft, geht es genau dort weiter - nun benötigt man Ehre, Schweine und Gemüse.

Wer nun den knappen Platz möglichst effizient ausnutzen möchte und zuvor platzierte Gebäude wieder abreißt, bekommt im weiteren Spielverlauf große Probleme. Nur weiß das der Spieler zu diesem Zeitpunkt nicht. In der nächsten Mission braucht man nämlich sofort eine Menge Holz, um einige Brunnen zu bauen. Wer zuvor die Holzproduktion vernachlässigt hat, muss mitansehen, wie die Siedlung abbrennt. Selbst, wenn man das Problem in den Griff bekommt, wird es zu spät sein, um das zeitkritische Missionsziel zu schaffen. Darauffolgend kann und muss man es etwas ruhiger angehen lassen - wieder gilt, wer stur die Missionsziele erfüllt, wird dafür schnell bestraft. Denn danach muss man einen Verbündeten mit einer Unmenge an Nahrung in kurzer Zeit beliefern.

Und danach wartet schon wieder eine Aufgabe, auf die man sich hätte vorbereiten müssen, eine neue Länderei mit Soldaten beschützen und gleichzeitig viele Jauchegrubenbauen - ein zu kleines Heer oder zu wenig Holz, und schon könnte es passieren, dass man sogar zwei Missionen zurückspringen muss, um vorherzuplanen.

Pausieren und studieren
In der Militärkampagne sieht es ähnlich aus - kein Grund, eine massiv befestigte Burg zu bauen, wenn man schon bald erst eine andere einnehmen und diese danach auch noch bewohnen und selbst beschützen muss. Nur wer die gegnerische Burg so unversehrt wie möglich einnimmt, kann sie daraufhin noch verteidigen.

Stronghold 2 bietet keinen einstellbaren Schwierigkeitsgrad und zu beiden Kampagnen muss gesagt werden, dass sie generell ziemlich schwer sind. Durch die Zeibeschränkungen ist die eigentliche Spieldauer recht kurz, aber kaum eine Mission lässt sich ohne (mehrfachen) Neustart bewältigen. Für diese Art von Spiel unüblich, gilt es teilweise, die Pausetaste zu betätigen und in aller

Ruhe die notwendigen Umstellungen vorzunehmen. Zumal es durch die Ländereien noch komplizierter wird. Effizient ist die Auslagerung mancher Produktionsketten auf diese Siedlungen, um die Waren dann über Fuhrmänner zur eigenen Burg bringen zu lassen - dabei mangelt es aber an Übersicht.

Beide Kampagnen sind zudem reichlich kurz. Die Nettospielzeit des "friedlichen Wegs" beträgt geschätzte drei Stunden, durch die ständigen Neustarts verlängert sie sich freilich um einiges. Erfreulicherweise liefert Firefly einen hervorragend ausgestatteten Editor mit, der sogar das Erstellen eigener Kampagnen ermöglicht. Hoffentlich wird die Fanbasis bald für mehr Spielfutter sorgen.

Mensch statt Maschine
Ein klarer Schwachpunkt ist die künstliche Intelligenz. Eine frühe Mission der Kriegskampagne deckt die Probleme gnadenlos auf - dennoch war dies anscheinend auch den Programmiern bewusst, denn

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ohne die KI-Schwächen ließe sich die Mission gar nicht bewältigen. Mit einer kleinen Truppe soll man eine Burg einnehmen, die von einigen sehr starken Einheiten beschützt wird. Aber da diese auch unter Pfeilbeschuss stehenbleiben oder höchstens einzeln Richtung Bogenschützen laufen, stellen sie kein Problem dar.Diese KI-Schwächen kann man im weiteren Spielverlauf immer und immer wieder schonungslos ausnutzen, insbesondere beim Herzstück von Stronghold, den Belagerungen.

Mehr Spaß bringen eindeutig Kämpfe gegen menschliche Mitstreiter. Über das Internet Gegner für einMehrspielermatch zu finden, ist kinderleicht. Ein Klick im Hauptmenü auf Multiplayer genügt und schon sieht man eine Liste von offenen Servern, jeder kann auch selbst hosten. Sobald man einem Spiel beigetreten ist, gibt es eine Chatmöglichkeit, um die Einstellungen zu diskutieren.

In Stronghold-Foren wird über zahlreiche Abstürze berichtet, meine Duelle liefen aber überraschend gut ab, der Lag hielt sich in Grenzen. Erinnerungen an Rise of Nations werden wach: Auch bei Stronghold 2 verhilft nur ein ständiges Mikromanagement zum Erfolg - nicht nur der Militäreinheiten, sondern der gesamten Wirtschaft.

Einige Enttäuschungen und Einschränkungen gibt es leider auch hier zu berichten: Ein Teamchat fehlt genauso wie ein abschließender Statistik-Screen und nach einem Spiel wird man sofort ins Hauptmenü zurückgeworfen und kann somit nicht Post-Game-Analysen mit den Mitstreitern betreiben.Stronghold 2 verkommt zur Slideshow?
Hier die wichtigsten Tipps:

1. Starten Sie die Grafikkonfiguration.

2. Im Reiter Detailstufe verringern Sie die Polygon-Zeichenentfernung drastisch. Damit wird nicht mehr die komplette (und riesige) Karte gezeichnet. Möglicherweise sehen Sie dann im Hintergrund Leere, sobald Sie hinscrollen, wird das Gebiet aber sofort gerendert.

3. Im gleichen Reiter schalten Sie die NPatch-Details komplett aus.

4. Wenn Sie nicht eine Grafikkarte der allerneusten Generation haben (Shader-Version 3.0), schalten Sie im Reiter Shader die multiplen Shader aus.

5. Wenn auch dies nicht reicht, um Stronghold 2 flüssig zu

Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ tolles Spielprinzip + sinnvolle Neuerungen + kinderleichtes Onlineplay + schön schwere Kampagnen + liebevolle Details + stimmige Atmosphäre

Contra:
- viele Bugs - sehr viele Bugs - dümmliche KI - zu schwere Kampagnen? - träge Grafikengine

spielen, sind auch alle weiteren Details abschaltbar, erst als letztes sollte man die Auflösung verringern. Auf das Bump Mapping kann man ebenso verzichten wie auf das verbesserte Wasser oder die Bodenschatten, spielerisch haben sie sowieso keine Auswirkungen.Stronghold 2 verkommt zur Slideshow?
Hier die wichtigsten Tipps:

1. Starten Sie die Grafikkonfiguration.

2. Im Reiter Detailstufe verringern Sie die Polygon-Zeichenentfernung drastisch. Damit wird nicht mehr die komplette (und riesige) Karte gezeichnet. Möglicherweise sehen Sie dann im Hintergrund Leere, sobald Sie hinscrollen, wird das Gebiet aber sofort gerendert.

3. Im gleichen Reiter schalten Sie die NPatch-Details komplett aus.

4. Wenn Sie nicht eine Grafikkarte der allerneusten Generation haben (Shader-Version 3.0), schalten Sie im Reiter Shader die multiplen Shader aus.

5. Wenn auch dies nicht reicht, um Stronghold 2 flüssig zu

Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ tolles Spielprinzip + sinnvolle Neuerungen + kinderleichtes Onlineplay + schön schwere Kampagnen + liebevolle Details + stimmige Atmosphäre

Contra:
- viele Bugs - sehr viele Bugs - dümmliche KI - zu schwere Kampagnen? - träge Grafikengine

spielen, sind auch alle weiteren Details abschaltbar, erst als letztes sollte man die Auflösung verringern. Auf das Bump Mapping kann man ebenso verzichten wie auf das verbesserte Wasser oder die Bodenschatten, spielerisch haben sie sowieso keine Auswirkungen.