Woran denkt ihr als Erstes, wenn mal wieder die „goldenen Achtziger“ beschworen werden – die Rambo-Trilogie? Ronald Reagans Amtseintritt? Michael Jacksons geniale Alben Thriller und Bad? Mir käme als Erstes der Höhepunkt der Arcade-Prügler-Kultur ins Gedächtnis. Ähnlich erging es wohl auch den Mitarbeitern von Capcom, die sich nun genau an diese Zeit erinnert und Super-Ninja Hiryu aus der Versenkung geholt haben.

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Gestatten: Strider Hiryu, jüngster Absolvent des Super-A-Ranges der namensgebenden Hightech-Ninja-Organisation und bewiesenermaßen der großartigste Schattenkämpfer, den die Videospielindustrie seit ihrer Geburt hervorgebracht hat. Wenn das nicht mal ein netter Lebenslauf ist.

Während Amerika und Japan bereits in den späten Achtzigern in den Genuss des befriedigenden „Ching!“-Sounds von Hiryus Plasma-Säbel kommen konnten, mussten wir Europäer uns nach reichlicher Verspätung 1999 mit dem zweiten Serienteil zufriedengeben. Mit dem Reboot bekommen wir nun endlich die Chance, die Handlung des Originals nachzuempfinden – schauen wir uns mal an, was ein Superninja so in seinem Terminkalender zu stehen hat.

Strider - Zurück in die Zukunft

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This! Is! Strider!
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Alles beim Alten?

Behände schneidet Strider Hiryu mit seinem Gleiter durch den wolkenverhangenen Himmel. Ohne mit der Wimper zu zucken, kämpft er an gegen Eissplitter, kalte Windböen und das Trommelfeuer der gegnerischen Laserkanonen. Nichts kann ihn aufhalten. Als die nahe Plattform in sein Blickfeld rückt, lässt er sich nicht zu einer Dreipunktlandung herab, sondern kommt behände und aufrecht zum Stehen. Denn er ist Strider, so kennt man ihn, so liebt man ihn.

Nach dem schnellen Einstieg, der uns ohne Hintergrundinformationen in die futuristische Spielwelt entlässt, erwarte ich gespannt unseren Auftrag. Im unteren Hub tauchen die Missionsdaten auf: Wir schreiben das Jahr 0048 und müssen die Stadt Kasach vom Bösewicht Meio befreien. Das war's? Ganz genau, mehr als das eben genannte, nicht näher definierte Setting und die Gewissheit, dass irgendwo ein fieser Schurke auf uns wartet, wird einem nicht mit auf den Weg gegeben. Die völlige Abwesenheit eines Plots fällt aber erstaunlicherweise kaum ins Gewicht. Da Capcom nicht einmal den Versuch unternimmt, eine Handlung zu erzählen, gilt unsere Aufmerksamkeit von Anfang an dem Herzstück des Spiels – den flotten Gefechten auf Leben und Tod.

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Seit wann ist es Ninjas erlaubt, Lichtschwerter zu benutzen?
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Deutlich schneller als in den Vorgängern flitzen wir vor einem hübschen, aber etwas kargen dynamischen Hintergrund von einer Bildschirmhälfte zur anderen und zersäbeln mit unserem Plasma-Katana alles, was nicht gerade ein Lichtschwert sein Eigen nennen darf – und die sind bekanntermaßen sehr selten. Den genialen altmodischen Sound lassen die Gefechte zwar vermissen, dafür erfüllt die musikalische Untermalung ihren Zweck, der zackige Soundtrack treibt den Puls in die Höhe.

Eine gelungene Übersetzung der Serie auf aktuelle Standards. Nicht mehr und nicht weniger.Fazit lesen

Nebenbei hüpfen und rutschen wir zwischen unseren Widersachern hin und her, Blocken hat unser Alter Ego nämlich nicht auf der Ninja-Akademie gelernt. Bereits nach den ersten paar Minuten wird klar, dass das Kampfsystem denkbar simpel gehalten ist und eher zu kurzweiligen Gefechten im Plug 'n Play-Stil einlädt. Trotzdem machen die kurzweiligen Gefechte Laune, was nicht zuletzt der präzisen Steuerung zu verdanken ist.

Jäger und Sammler

Schattengleich pirscht sich Strider an seine Beute an. Er weiß, sein Ziel hat nicht den Hauch einer Chance. Mit der Geduld eines Jägers erwartet er den richtigen Augenblick. Dann, ein kurzes Aufblitzen von kaltem Stahl und der Geist seines Opfers entflieht in die süße Vergessenheit. Kaum eine Sekunde später ist der Attentäter, pfeilschnell die glatte Stahlwand erklimmend, in die Dunkelheit entschwunden.

Einen Kontrapunkt zu dem unkomplizierten Einer-gegen-Alle-Prinzip bilden die zum Teil knackig schweren Bosskämpfe. Wo es sonst gereicht hat, sich flink hinter die Feinde zu katapultieren, um den tödlichen Hieben und Schüssen zu entgehen, ist man bei den größeren Brocken gut beraten, erst einmal deren Verhalten zu studieren.

Weil Strider Fehler aber kaum verzeiht und die Bosse unverhältnismäßig viel aushalten, ertappe ich mich nach dem dritten Game-Over-Screen in Folge dabei, wie sich die jungfräuliche Freude etwas trübt. Dass die unbeliebte Meldung nur gefühlte Nanosekunden nach dem virtuellen Ableben in euer Sichtfeld rauscht, macht mir das Ganze nicht sympathischer. Es ist nämlich auf Dauer etwas irritierend, wenn ihr an einigen Stellen überhaupt nicht mitbekommt, was euch da gerade ins Datennirvana teleportiert hat, lässt sich aber immerhin als konsequente Umsetzung der flotten Spielmechanik umdeuten.

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Diesem Vögelchen werden gleich die Federn gestutzt.
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Etwas unausgereift erscheint mir auch die Kameraführung. Inszenatorisch ist es zwar sinnvoll, die Glaslinse nah am Geschehen zu platzieren, doch nur in den wenigsten kritischen Situationen gewährt euch das Spiel eine verbesserte Übersicht. So findet ihr euch viel zu häufig in einem Kreuzfeuer abseits des Bildschirms stehender Feinde wieder, was schnell zu Frust führen kann.

Wenn ihr also einmal nicht den Konflikt sucht, ist es Hiryu mittels des serientypischen Kletterhakens abseits der Kämpfe möglich, steilste Wände zu erklimmen oder sich bei Bedarf direkt an der Decke entlang zu hangeln. Kombiniert mit seiner Agilität umgeht er so auch anspruchsvolle Hindernisse und lädt den Spieler dazu ein, auf virtuelle Schnitzeljagd zu gehen. Wer nämlich besonders aufmerksam die Level durchforstet, kann sich über allerlei Extras freuen. Zumindest diejenigen unter euch, die ihren Ninja lieber grün statt schwarz eingekleidet sehen oder auf Konzeptzeichnungen bewundern wollen.

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Ganz schön gelenkig, der Gute.
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Fernab der kleineren Designschwächen gewinnt mich Capcom an anderer Stelle wieder. Im Spielverlauf verdient man sich etliche Upgrades dazu, die den ohnehin schon mächtigen Ninja noch besser für die anstehenden Aufgaben wappnen. Löblich hervorzuheben ist hier vor allem der Doppelsprung und die Boostfertigkeit, durch die sich gar ein ganz neues Spielgefühl ergeben. Mit zunehmender Gadgetanzahl nimmt der Titel spielerisch deutlich an Fahrt auf und wirkt richtig motivierend. Wenn ich schließlich im letzten Drittel des Spiels Hiryus Heilige Dreifaltigkeit aus Tech-Drohne, -Adler und -Panther auf den Gegner loslassen kann, stimmt mich das dann doch etwas sanftmütig.