Zwei Prügelspiellegenden öffnen die Büchse der Pandora: Capcoms Street-Fighter-Mannschaft tritt gegen Namcos Tekken-Kader an. Darf das sein? Klassik gegen Moderne? Sechs Buttons gegen vier? Viertelkreisfeuerball gegen Knopfkombo-Akrobatik? 2-D gegen 3-D? Lasst es uns ausfechten!

Street Fighter X Tekken - Mega Man vs. Pac-Man3 weitere Videos

So lob ich mir das. Prügelspiele benötigen keine Handlung oder hochtrabende Charakterprofile, aber wenn sie zumindest ein wenig Reflexion versinnbildlichen, freue ich mich unheimlich. So wie bei Street Fighter X Tekken, bei dem das Turnier um die sagenumwobene Büchse der Pandora genau das widerspiegelt, was Capcom und Namco spielerisch auftischen: das Undenkbare.

Diese beiden Serien zu kreuzen, scheint aus vielerlei Gründen unmöglich. Egal, wie man es dreht und wendet, eine der beiden Klopperlegenden wird zwangsläufig ein wenig schlechter bedient, weil sie sich an die Regeln der anderen anpassen muss. Deswegen sollen auch gleich zwei Spiele den Prügelgipfel dokumentieren. Allerdings befindet sich das Gegenstück Tekken X Street Fighter noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Rechnet nicht so zeitig damit.

Mit Street Fighter X Tekken (das X spricht sich „cross“) macht Capcom den Anfang und kleidet den beeindruckenden, 50 Mann starken Roster in ein grafisches Street-Fighter-4-Gewand. Gekämpft wird also in zweidimensionaler Ausrichtung, auch wenn Figuren und Hintergründe voll in 3-D ausmodelliert wurden. Zudem geht es um ein Tag-Team-Kampfspiel, bei dem zwei Kämpfer je Mannschaft antreten, aber nur einem Prügelknaben die Lichtlein ausgehen müssen, um eine Runde zu beenden.

Street Fighter X Tekken - Capcom schwingt die Eisenfaust

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Das Beste aus zwei Welten. Capcom gegen Namco.
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Dabei steht euch frei, ob ihr die Kontrolle über ein ganzes Team übernehmt oder nicht doch lieber einem Kumpel die Kontrolle über den Prügelpartner überlasst. Somit nehmen maximal vier Spieler an einer Partie teil – Kloppergaudi garantiert.

Stilistische Neuerungen sind nicht auszumachen, doch ist es freilich interessant zu sehen, wie die Interpretation der Tekken-Riege davonkommt. Capcoms Comicstil mit seiner kontrastreichen Farbwahl und den harten Rändern steht Namcos Kampfsportlern gar nicht schlecht, da darf ich Entwarnung geben. Wenn es um die Steuerung und die Kampfmechanik geht, kann ich aber nicht für absolute Zufriedenheit garantieren.

Die Jungs bei Capcom gaben sich Mühe, den Stil und das Gefühl der Tekken-Liga so gut wie möglich beizubehalten – dafür sorgte nicht zuletzt ein abkommandierter Entwickler von Namco –, aber einige Änderungen sind allein schon obligatorisch, weil die meisten Street-Fighter-Knaben Distanzangriffe beherrschen. Um in einer 2-D-Arena bei Dauerbeschuss mit Feuerball und Sonic Boom nicht benachteiligt zu sein, mussten Heihachi, Law, Nina und Co. ein paar ihrer bekannten Moves zu Ausweichbewegungen umfunktionieren. Auch dürfte es für Tekken-Profis ungewohnt sein, mit drei Schlag- und Trittstärken zu hantieren, statt je einen Knopf für Horizontale und Vertikale je Extremität zu bedienen.

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Koloss vs. Koloss. Zangiev gegen Bob. Einfach gewaltig.
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Die Steuerung lässt sich zwar dank der freien Belegungsmöglichkeiten im Menü auf vier Knöpfe herunterjustieren, nutzt aber durchweg Street-Fighter-typische Stickbewegungen zum Ausführen der Special-Moves. Etwa der Kick-Salto von Law, der nun mit einer Halbkreisbewegung gezündet wird. Yoshimitsus schwindelerregende Handknöchelpirouette finden nun nach einer Viertelkreiseingabe statt, nicht mehr nach dem Malträtieren des Fausthiebknopfs. Gewöhnungssache.

Auf Breakdance-Einlagen aus der Capoeira-Technik oder coole Hong-Kong-Handkanten müsst ihr leider komplett verzichten, es sei denn, ihr krallt euch Christie, Lei und andere beliebte Kämpfer als herunterladbaren – und selbstverständlich kostenpflichtigen – Bonusinhalt. Ganz schön gemein, wenn man mal bedenkt, dass auf der Street-Fighter-Seite eigentlich nur Blanka als „Must-Have-DLC“ heraussticht. Ob PS3-Spieler mit den fünf exklusiven Kämpfern ihrer Variante glücklich werden, vermag ich noch nicht so recht zu beurteilen. Rein optisch machen Pac-Man und der fette Mega-Man im „Bad-Boxart“-Stil jedenfalls keine ansprechende Figur.

Keile zu viert

In Street Fighter X Tekken dominieren klar Capcoms Gene, was aber nicht heißt, dass Street Fighter 4 alleine Pate stand. Kombostränge und Juggles, wie ihr sie hier findet, sind sogar untypisch für Ryu und den Rest. Die eiserne Faust hat also in ihrem Kader durchaus noch ihre Finger im Spiel, auch wenn sie den beliebten Straßenkämpfern das Hausrecht überlässt.

Mehr Street Fighter als Tekken, aber ein gelungenes 2-D-Cross-over, das Online-Prügler prächtig unterhalten wird.Fazit lesen

Straßenkampfveteranen müssen sich zudem an einige Neuregelungen gewöhnen, die vor allem die Cross-Meter genannte Energieleiste am unteren Bildschirm betreffen. Wie gewohnt wird sie je nach ausgeteiltem oder eingestecktem Schaden unterschiedlich stark gefüllt und kann je nach Reserve für besonders starke Special-Moves aufgebraucht werden.

Solche Moves nennen sich EX-Attacken und Super-Arts, sofern sie ein Einzelkämpfer nutzt. Konter zehren selbstverständlich ebenfalls von dieser Leiste, verhalten sich jedoch ähnlich wie in Street Fighter Alpha. Brandneu sind außerdem sogenannte Cross-Arts, bei denen beide Partner eines Tag-Teams auf Kosten der kompletten Cross-Leiste hintereinander weg ihre Super-Kombos vom Zaun lassen.

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Im Hintergrund ist - typisch für Street Fighter - stets viel los.
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Generell legt Capcom viel Wert auf die Zusammenarbeit zweier Prügelknaben, was nicht nur durchschlagskräftige Cross-Attacken verdeutlichen, sondern auch so mancher Spielmodus. So ist es online etwa möglich, sich simultan zu viert die Kauleiste zu vermöbeln. Mit vier Kämpfern gleichzeitig auf dem Bildschirm ist Chaos programmiert, selbst wenn man zwei von der CPU steuern lässt, aber wenn man nur halbwegs durchblickt, wer Freund und wer Feind ist, kommen spannende Duelle zustande. Da beide Kämpfer eine Energieleiste teilen, wird Absprache und Teamtaktik nicht nur zur Geheimwaffe, sondern zur notwendigen Vorbereitung im Schlagabtausch gegen Profis.

Absprache alleine reicht trotzdem nicht aus. Stattdessen gilt es, permanent darauf zu achten, ob während eines Duells kleine Edelsteine aus der Cross-Bar springen, denn dann dürft ihr eurem Lieblingsmuskelberg ein neues Sonderattribut spendieren. Drei Edelstein-Slots je Prügelheld stehen in gesonderten Menüs bereit und warten darauf, mit steigerbaren Sekundärfähigkeiten besetzt zu werden. Im Angebot stehen Klunker in sechs Kategorien, die vom Extraschub Energie über Angriffsgeschwindigkeit bis zu verstärkten Cross-Attacken alles Erdenkliche beinhalten, was euch im Duell einen Vorteil einbringen könnte. Außerdem dürft ihr gewisse Kombos auf die Buttons unter den Analogsticks legen, um blitzschnell auf sie zurückzugreifen. Erinnert doch glatt an die Street-Fighter-Episode auf dem 3DS, gewürzt mit einem kräftigen Schuss Soul Calibur.

Der beste Ort zum Testen der neuen Fähigkeiten bleibt wie üblich die Online-Arena, deren Anbindung erstaunlich hochwertig ist und selbst bei Kommunikation mit Übersee nur sehr selten ins Stocken gerät. Allerdings fällt online ab und zu der Sound aus, was sich in Form von stummen Spezialattacken äußert. Dieses Problem wird sicherlich per Patch behoben.

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Auch Tag-Team-Kämpfe sind möglich. Ken und Ryu Seite an Seite.
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Einzelkämpfer ohne Drang ins weltweite Netz kommen nicht ganz so gut davon. Zwar stehen im Herausforderungsmodus zusätzliche Einzelaufgaben mit diversen Handicaps bereit, doch der Schwierigkeitsgrad bleibt insgesamt handzahm. Die Arcade-Tour knackt ihr im Medium-Level mit verbundenen Augen. Diesmal wartet auch kein mieser Boss im Stile von Seth darauf, euch die Abreibung eures Lebens zu verpassen. Einsteiger dürfte das freuen, Profis suchen hingegen lieber online nach passenden Spielpartnern auf ähnlichem Niveau.

Finden werdet ihr diese ganz leicht. Dank des Battlepoints-System könnt ihr auf einen Blick erfahrene Klopper von Anfängern unterscheiden und die Auswahl der Gegner besser eingrenzen. Sperenzchen wie freie Teambildung und Chat-Unterstützung gehören hier zum guten Ton.