Kleine Quizfrage: Um den wievielten Serienteil handelt es sich bei „Street Fighter 4“ wohl? Wer jetzt einen dummen Scherz oder eine rhetorische Frage vermutet, hat vom Videospiel-Genre Beat’em Up wahrscheinlich nie gehört. Schließlich ist die legendäre „Street Fighter“-Serie nicht nur für ein paar der herausragensten Prügler bekannt, sondern mindestens genauso berüchtigt für ihre Nummern-Zweitverwertung.

Allein der offizielle zweite Teil bringt es auf sage und schreibe sieben Inkarnationen, herrlich unsinnige Namenskreationen wie das jüngst erschienene „Super Street Fighter II Turbo HD Remix“ bleiben da natürlich nicht aus. Ach ja, um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: „Street Fighter 4“ ist eigentlich Teil 34 – zumindest wenn man die zahlreichen Portierungen nicht mit einrechnet.

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So Super, dass es Ultra ist

Die kurze Exposition macht eines deutlich: Die Marke „Street Fighter“ hatte sich irgendwann zu Beginn des neuen Jahrtausends hoffnungslos in Unter-, Neben- und Zwischenproduktionen verrannt, deren Wurzeln man meist nur noch erahnen konnte. „Street Fighter EX Plus Alpha“ etwa hatte mit dem originalen Spielprinzip soviel gemein wie der „Street Fighter“-Kinofilm (legendär schlecht: Jean Claude van Damme als Guile) mit der „Pate“-Trilogie.

Street Fighter 4 - Technisches KO für die Genre-Konkurrenz

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Dan gehört zu den fünf Charakteren, die Capcom sich für den Release aufspart.
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Capcom besinnt sich für den vierten Teil daher folgerichtig auf die Ursprünge und reduziert das wüste Geprügel auf seinen Kern, ohne jedoch den Zeitgeist zu vernachlässigen. Im Klartext heißt das: Allzu Verspieltes fliegt über Bord, die Spielmechanik des zweiten Street Fighters feiert ihr Revival – gefordert sind daher vor allem schnelle Reflexe und perfektes Timing, um den Gegner zu bezwingen.

Auf den rudimentären Gameplay-Torso pflanzt Capcom nur einige wenige Elemente, die sich binnen der Street Fighter-Geschichte bewährt haben. Kombos dürfen da selbstredend nicht fehlen, die sich ihrerseits auch per Counter-Attacke abwehren lassen. Haltet ihr zwei Schlagtasten gleichzeitig gedrückt, führen die muskulösen Recken eine „Focus Attacke“ aus, die unheimlich stark ist – selbst blocken hilft da nicht weiter.

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Aktiviert der Gegner eine Ultra-Attacke, hat das meist KO-tische Folgen.
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Zudem prangen am unteren Bildschirmrand erneut die „Super“-Anzeigen, die sich im Kampfverlauf immer weiter aufladen. Per Tastendruck lassen sich nun EX- bzw. Super-Moves ausführen, die eure normalen Attacken extrem verstärken. Ist die „Super“-Anzeige komplett aufgeladen, erscheint darüber der filigrane Schriftzug „ULTRA“ – löst ihr die dazugehörigen Attacken aus, folgt eine Kombo gar biblischen Ausmaßes.

Neunfacher Nachwuchs

Natürlich sehen vor allem diese Spezialattacken allesamt prächtig aus, Capcoms Grafikabteilung gibt sich aber auch abseits der Effekte keinerlei Blöße: Die Hintergründe sind zwar relativ unspektakulär, verzücken aber mit verspielten Details und allerlei beweglichen Objekten. Und die Animationen der Kämpfer als geschmeidig zu bezeichnen, wäre beinahe untertrieben – so schön sah bisher kein Beat’em Up aus.

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Effektreich: Grafisch setzt sich Street Fighter 4 klar an die Genrespitze.
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Seit unserem Testspiel auf der GC hat sich übrigens einiges getan: Während wir in Leipzig noch mit der Automaten-Version vorlieb nehmen mussten, prügelten wir uns nun auf der PS3 um die Street Fighter-Krone. Die Steuerung wurde butterweich übertragen, lediglich der Analogstick sorgt für Kopfschmerzen – akkurate Moves lassen sich damit kaum ausführen. Profis sollten unbedingt das Digipad benutzen.

Auch die Tatsache, dass die Kämpfe technisch erstklassig ablaufen, stimmt vorfreudig – die ärgerlichen, PS3-exklusiven Ruckler und Tearing-Effekte blieben komplett aus. Über On- und Offline-Modi lässt sich hingegen noch nichts sagen, bisher ist lediglich der Versus-Modus implementiert. Allzu viel sollte man hier jedoch nicht erwarten, die „Street Fighter“-Reihe verstand sich bisher schließlich in erster Linie auf kompromisslose, schnelle Action.

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Perfektes Timing ist bei vielen Moves unabdingbar.
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Übrigens ist die Kämpferriege entgegen unserer Erwartungen in den letzten Monaten noch einmal stark angewachsen: Oberfiesling Seth, der die Kampfkünste aller Charaktere beherrscht, Ryus Meister Gouken (sehr träge), Hidden Character Akuma (flink und stark) und die schnuckelige Sakura (schnell, aber vergleichsweise schwach) fügen sich exzellent in das bestehende Kämpfer-Setup um Blanka, Ken und Co. ein.

Ein Ärgernis für die Daumen, eine Freude für jeden Beat'em Up-Fan: Street Fighter 4 zeigt der Konkurrenz, was ein "Perfect Win" ist.Ausblick lesen

Zusätzlich hat Capcom bereits Cammy, Dan, Rose, Gen und FeiLong angekündigt, die exklusiv für die Konsolen- und PC-Fassungen implementiert werden – testen durften wir die aus Street Fighter Alpha, Turbo und dem allerersten Serienteil bekannten Charaktere aber leider noch nicht. Schade, aber verschmerzbar – so bleibt die Vorfreude auf das fertige und voraussichtlich großartige Spiel umso größer.