Schnelle Kombination: Unten, vorne, rechts-unten, Schlag – „Hadouken“ schallt es aus den Boxen des Fernsehers. Und während unserem Gegner gerade vor Angst das Gesicht schmilzt, läuft ein wohlig beruhigender Schauer über unseren Rücken, der auf jede Synapse unserer Nervenbahnen das Wort „Kult!“ zu schreiben scheint. Es ist wieder da – das legendäre Streetfighter-Feeling.

Über das “Wer, wie, was” des vierten „Streetfighter“-Ablegers haben wir in unseren beiden Previews ja schon zur Genüge philosophiert. Fraglich blieb bisher lediglich, wie gut sich die vierte Iteration des legendären Beat’em Up-Klassiker spielen würde. Unser Test beantwortet endlich alle Fragen und sagt, warum echte Beat’em Up-Fans dieses Juwel auf keinen Fall verpassen dürfen.

Nostalgie am Gamepad in Bild und Ton: gamona Video-Review zu Street Fighter 4 auf der letzte Seite dieses Artikel oder hier klicken .

Street Fighter 4 - Ken im Arcade-Modus20 weitere Videos

Klassisch, aber gut

Das Spielprinzip selbst richtet sich in erster Linie an Fans der guten, alten 2D-Prügler: Weder kann man auf ein Arsenal monströser Waffen (Soul Calibur) zurückgreifen, noch gewährt euch Capcom den Schritt in die dritte Dimension (Tekken) oder überfordert Anfänger mit allzu komplexem Kampfsystem (Virtua Fighter). Stattdessen gibt es zwar traditionelle, aber spaßige Dauerkeilereien mit herrlich nostalgischem Flair.

Street Fighter 4 - Der Showdown: Wie gut ist es wirklich? Mit Video-Review

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Wenn Frauen hauen: Ryu-Kopie Sakura und Chun Li (man beachte die Bodybuilder-Schenkel) geben sich Saures.
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Wie sich schon in den frühen Versionen ankündigte, wurde dabei die Movepalette der frühen Streetfighter-Teile größtenteils übernommen. Veteranen können sofort loslegen, nach wenigen Minuten zaubert man meist die schönsten Hadoukens und Yoga-Feuerbälle aus dem Handgelenk. Auch die Werte (sprich die Stärken und Schwächen) der Recken um Ryu und Co. sind unverändert geblieben, lediglich die Wucht mancher Special Moves (etwa Zangiefs 360-Attacke) wurde sanft angepasst.

Die neuen Charaktere gefallen, auch wenn diese dem Standard-Rooster nicht wirklich viele Neuerungen beifügen. Das Schulmädchen Sakura etwa nutzt haargenau dieselbe Moveliste wie ihr Vorbild Ryu und ist damit neben Ken, Fiesling Akuma und Altmeister Gouken (die beide erst frei geschaltet werden müssen) schon die vierte im Bunde der Shun Goku Satsu-Karatekünstler.

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Dan ist einer der besseren neuen Charaktere.
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Sehr viel frischer wirken dagegen die Neuzugänge Abel, El Fuerte, Rufus und C. Viper, die sich in ihrer Spielweise teils stark von den übrigen Kämpfern abheben. Vor allem die Dame im Bunde weiß mit ihren schmucken Feuer- bzw. Elektro-Moves zu begeistern, Mexiko-Wrestler El Fuerte ist hingegen eher für Profis zu empfehlen. Komplettiert wird die Riege der Straßenfighter von Dan, Gen, Cammy, Fei Long und Rose – die kennen Fans aber bereits allesamt aus den Vorgänger-Teilen.

Please Stick with me

Technisch ist das Prügelspektakel erwartungsgemäß absolut sauber produziert. Grafik und Sound rangieren auf hohem Niveau, vor allem während der grandiosen „Ultra“-Kombos feiert „Streetfighter 4“ ein Feuerwerk der Spezialeffekte ab: Die infernalische Komposition aus Kamerazooms, grellen Farben und krachenden Sounds lässt selbst erfahrene Prügel-Kinnladen mühelos gen Teppichkante klappen. Ein dickes Minus gilt allerdings den viel zu langen Ladezeiten: Zu häufig, zu lang rütteln diese irgendwann ziemlich am Nervenkostüm.

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Endboss Seth ist eine harte Nuss - für jedes Manöver besitzt er den passenden Konter.
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Ironisch: Für den größten Schwachpunkt kann Capcom eigentlich gar nichts – mit den Konsolen-Pads lässt sich „Streetfighter 4“ nämlich nur äußerst zäh bedienen. Sowohl auf PS3 als auch Xbox 360 ist der Analog-Stick für komplizierte Moves eigentlich gar nicht zu gebrauchen, auch das Digikreuz reagiert zu schwammig – und das, wo doch in heißen Gefechten viel Timing und Präzision gefragt sind. Profis sollten hier unbedingt ein paar Euronen mehr für die Arcade-Sticks ausgeben.

Klassische Prügelei mit moderner Technik: "Streetfighter 4" ist ein nostalgisches Geschenk für Beat'em Up-Liebhaber.Fazit lesen

In Punkto Spielmodi setzt „Streetfighter 4“ auf Minimalismus: Neben dem Versus-Modus gibt es lediglich den Arcade-Modus in zig verschiedenen Schwierigkeitsgraden und einige wenig spannende Trial-Modi, in denen ihr gegen Zeitlimits ankämpft oder gleich mehrere Gegner hintereinander ausschaltet. Zu guter Letzt gewährt die Online-Funktion die Möglichkeit, im Netz gegen menschliche Gegner anzutreten.

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Todschick: Der Ultramove von C. Viper ist mit Abstand der schönste.
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Der Arcade-Modus, je nach Wahl des Kämpfers mit einem schicken Anime-Filmchen ein- und ausgeleitet, läuft ansonsten aber nach den Genrestandards ab. Will heißen: Nach einer Handvoll Gegner tretet ihr gegen immer stärkere Opponenten an, bekämpft euren persönlichen Rivalen und stellt euch letztlich Oberfiesling Seth. Der entpuppte sich übrigens als beinharte Nuss: Selbst auf den leichteren Schwierigkeitsgraden benötigt es viel Konzentration, um den wandelbaren Allround-Künstler zu bezwingen.

Allein offenbart sich schnell, dass „Streetfighter 4“ – wie so ziemlich jedes Beat’em Up – nur mit ein paar Freunden zur Hochform aufläuft. Wirklich motivierend ist der Arcade-Modus auf Dauer kaum, die richtigen Herausforderungen erleben echte Profis im Kampf Mann gegen Mann. Und hier, dass muss man neidlos zugestehen, ist „Streetfighter 4“ nach wie vor einer der ganz großen „Big Player“.