Es gibt Konventionen, die haben einen Sinn. Meist werden diese in beliebte Sprüchlein zusammengefasst, die einem die Eltern von Kindesbeinen an in stetem Rhythmus einflößen, bis man sie selbst seinen eigenen Sprösslingen vorbetet. "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" oder "Was du nicht willst, was man dir tu’, das füg’auch keinem andern zu".

In der heutigen Zeit sollte das Repertoire um ein paar moderne Zusätze ergänzt werden: "Gibt's beim Geballer zuviel Blut, die USK es einkassieren tut". Oder: "Fehlt die Übersicht im RTS, artet's aus in Stress."

Letzteres ist auch direkt an einem Beispiel demonstrierbar: Stormrise. Schon nach ein paar Minuten innerhalb einer Mission will man vor Verzweiflung den Kontroller mit der Wand vermählen. Dabei sollte doch alles anders werden mit diesem Strategiespiel, so lautet zumindest das Versprechen des Publishers. Endlich sollten RTS-Spiele auch auf Konsolen wunderbar flutschen, das Wechseln von Einheit zu Einheit kein Problem mehr darstellen. Tatsächlich ist dies auch eine der wenigen Aspekte, die in Stormrise reibungslos funktionieren.

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Flinker Wechsel

Um in diesem Strategiespiel von einem Trupp zum nächsten zu wechseln, wird der rechte Stick einfach in die Richtung der gewünschten Einheit gerichtet – lässt man den Stick los, springt der Fokus zum gewählten Ziel. Einfach, unkompliziert, schnell. Eine Steuerung, die sich ruhig zukünftige Echtzeitstrategen für die Konsolen abschauen dürfen. Über den Rest von Stormrise sollten sie allerdings nicht ihren Blick schweifen lassen.

Stormrise - Das neue Spiel der Empire: Total War-Macher

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Egal welche Einheit man wählt – sie ist ohnehin nur Kanonenfutter.
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Das fängt bei dem gescheiterten Versuch einer Story an. Da geht es mal wieder um Gut gegen Böse, um eine Welt am Rande des Chaos kurz nach der Apokalypse – immerhin mit grünem Anstrich und ökologischer Botschaft. Die holprige Story wäre noch zu verkraften, doch die Charaktere sind unerträglich stereotyp und das Voice-Acting eine Katastrophe. Wenn da noch debile Sprüche aus den Untiefen der Pubertät hinzukommen, fragt man sich schon, ob man hier tatsächlich erwachsene Spieler ansprechen will.

Das Chaos naht

Strategiespiele haben es aber meist nicht so mit einer Story, da hat man gelernt, Einiges zu schlucken. Hauptsache die Konflikte sind nur noch militärisch lösbar und der Spieler darf seine Einheiten in Stellung bringen. Auch hier ist Stormrise allerdings ein Reinfall: Das Chaos bricht bereits in der zweiten Mission aus. So steuert man seinen Haufen durch unübersichtliche Straßenzüge, braun in braun und kann selbst auf einem größeren LCD-Bildschirm kaum unterscheiden, was Gegner, Verbündete oder einfach nur Umgebung ist.

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Und wie so oft: Die Screenshots sehen besser aus als das eigentliche Spiel.
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Zudem erlaubt es die Steuerung leider nicht, Einheiten zu bündeln und geschlossen in eine bestimmte Richtung zu schicken. Also einer nach dem anderen, und während vorne bereits die eigenen Truppen ins Sperrfeuer geraten und dezimiert werden, schickt man den Rest der Kameraden in den sicheren Tod. Aber an dem Punkt weiß man ohnehin schon nicht mehr, wo eigentlich der dahingeschiedene erste Trupp angegriffen wurde.

Wo bleibt die Übersicht?

Denn die Kamera bevorzugt es, sich hinter die Einheiten zu platzieren. Da wir aber nicht in einem Adventure sind und es eigentlich nicht wichtig ist zu sehen, welche Wand die jeweilige Einheit gerade anstarrt, geht die Übersicht flöten. Wer wo wie steht und warum er das gerade macht – ein Rätsel selbst für hart gesottene Taktiker. Auch die Strategieübersicht, die gegen diese Unordnung nützen soll, hilft nicht weiter – die schematische Karte ist verwirrend und nutzlos.

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Braune Einheiten auf braunem Grund in brauner Umgebung. Die Farbpalette von Stormrise ist nicht sehr umfangreich.
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So dezimiert man seine Truppen in Stormrise ohne eigenes Verschulden, da es nicht möglich ist, einen geschlossenen Verband zu einer bestimmten Stelle zu schicken und ohnehin jede Form der Kontrollmöglichkeiten fehlt. Zudem kommt hinzu, dass nicht erkennbar ist, welche Einheit welche Stärken sowie Schwächen besitzt und wie diese Stärken gegen welche Gegner am besten eingesetzt werden können.