Autor: Georg Pichler

Es ist Jahresanfang 2007, und vielerorts beginnt es endlich zu schneien. Weil Kunstschnee nicht viel hergibt, schnallen viele Wintersportler erst jetzt ihre Gerätschaft ans und ihre Freunde ins Auto und düsen ab ins nächste Skigebiet.

Aber was tun, wenn man im Flachland lebt oder der Wintereinbruch sich so schnell verflüchtigen sollte, wie er gekommen ist? Ganz klar: Dann wird virtuell geboardet! Eine Möglichkeit dazu bietet »Stoked Rider: Alaska Alien« von den Indie-Entwicklern Bongfish aus Graz in Österreich.

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Ein Wintermärchen
Es wirkt wie ein Klischee: Ein österreichisches Entwicklerstudio veröffentlicht ein Snowboardgame. Österreich? Berge, Hütten, Hermann Maier! Ein Land das in allerlei Wintersportarten als Großmacht gilt. Ein Spiel zum Schnee aus diesen Landen muss natürlich beäugt werden. Die Begutachtungsphase begann schon vor mehr als einem Monat, als mir Bongfish's PR Mann Thomas Schaffer die Version 1.23 zukommen ließ. Die sollte ursprünglich auch die Releasefassung sein, jedoch tauchten eine Reihe vormals unbekannter Bugs auf.

Stoked Rider: Alaska Alien - Lord of the Boards: Mit Aegeia-Physik den Abhang hinunter.

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Baumgrenze erreicht!
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Auf Rückmeldungen wurde jedenfalls schnell reagiert, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war das Spiel auf Version 1.25 und die meisten Ärgernisse beseitigt. Mittlerweile schreiben wir Fassung 1.26, und hinter dem Spiel steckt Supportarbeit, von der sich EA einige Scheiben abschneiden sollte. Doch jetzt genug der Situationsbeschreibung, schließlich geht es hier um den Spaßfaktor des virtuellen Schneebretterns.

Schnee Olé
»Stoked Rider: Alaska Alien« ist der mittlerweile zweite kommerziell vertriebene Teil der Serie, die sich der Idolfigur des mittlerweile tragisch verstorbenen Tommy Brunner bedient. Die Installation verläuft ganz dem Standard nach unkompliziert und problemfrei, zudem belegt das Spiel nur etwa 170 MB auf der Festplatte. Das Spielhauptmenü präsentiert sich nach dem Start in den Off- oder Onlinemodus als Basislager, von wo aus man entweder verschiedene Challenges spielen kann, oder - sobald freigeschaltet - im Freeride-Modus die Weiten Alaskas auf dem Brett erkundet.

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Eine Challenge weniger.
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Erstere bieten Punktefahrten (über aufzusammelnde Icons und Tricks) und Time Challenges, in denen in einer bestimmten Zeit eine gewisse Anzahl an Höhenmetern zu überbrücken ist. Die ersten paar Aufgaben sind als Tutorial gedacht und bringen dem Spieler die Steuerung näher. Das funktioniert recht gut, obwohl die Erklärungen ausführlicher sein könnten. Wahlweise lässt sich »Stoked Rider« via Maus oder Tastatur steuern, wobei hier jeder seine individuelle Präferenz entwickeln wird. Am Testsystem reagierte die Maussteuerung relativ unberechenbar, sodass alle Testläufe weitestgehend mit dem Keyboard bestritten wurden. Auf einem anderen Rechner gibt es mit dem Nager übrigens kein Problem.

Die Menüführung ist relativ simpel. Negativ fällt jedoch auf, dass ab und an Bugs auftreten und man bestimmte Menürubriken nicht mehr verlassen kann. Ebenso lassen sich z.B. die Steuerungsoptionen nur im Spiel ändern. Dafür können Technikfetischisten auch außerhalb des Spiels an den Grafikeinstellungen herumtweaken, denn das Spiel bietet dafür eine recht umfangreiche ini-Datei.

Wie erwähnt hat man als neuer Spieler zu erst ein paar Tutorialaufgaben zu bestehen, bevor das Spiel sein Potenzial wirklich entfaltet. Im Laufe seiner Boarderkarriere lassen sich drei Charaktere steuern: Zu Anfang übernimmt man die Kontrolle über den Standardmenschen, relativ früh lässt sich dann das Alien freischalten, will man jedoch Tommy Brunner persönlich spielen, muss man sich schon etwas reinknien.

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Ob der Alm-Öhi zu Hause ist?
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Mensch, Außerirdischer und Freeriderlegende unterscheiden sich in einigen Aspekten wie Gewicht und Maximalgeschwindigkeit. So ist der Marsmensch zwar kleiner, leichter und generell langsamer als der Standard-Humanoid, punktet dafür aber mit einem temporären Raketenboost. Mit dem für absolvierte Challenges verdienten Geld darf man das Equipement seines Fahrers aufrüsten, was neben optischen Boni auch Verbesserungen des Schutzfaktors der Kleidung, sowie der Lenkbarkeit und Maximalgeschwindigkeit führt.

Recht früh erwirbt man sich auch das Recht im Freeridemodus zu starten, wer aber denkt, dass er durch die Freischaltung gleich das komplette, viele virtuelle Quadratkilometer umfassende Berggebiet erschließen kann, der irrt. Man startet mit einer Einschränkung auf wenige hundert Höhenmeter und erarbeitet sich im weiteren Verlauf die Erlaubnis, auch von weiter oben starten zu dürfen. Auch hier ist wieder viel Fleiß gefragt, bis man von den wirklich spektakulären Gipfeln talwärts schlittern darf.

Kenn ich schon, was gibt's denn noch?
So weit, so gut, und von der Möglichkeit abgesehen, sich online mit anderer Leute Bestzeiten und Scores zu messen sowie in (spärlich besuchte) virtuelle Chat-Skihütten einzukehren, scheint »Stoked Rider: Alaska Alien« nur recht wenig von anderen Snowboardgames zu unterscheiden. Und in der Tat: Selbst Freeride-Modi gibt es auch in ähnlichen Spielen, wenngleich er dort anders gehandhabt wird. Aber: Das Bongfish-Produkt spielt sich ganz anders als die bekannte Konkurrenz. Bei der Entwicklung setzte man auf die AGEIA PhysX Engine, die die Schwerkraft mit all ihren Folgen realistisch simulieren soll. Das klappt im Softwaremodus schon recht gut, und mit einer Hardware-Ergänzung in Form einer Karte mit einer so genannten PPU (Physics Processing Unit) soll es sogar noch besser funktionieren. Voraussetzung ist sie jedenfalls keine.

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Mit dem Heli geht es hoch hinaus.
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Durch den Umstand recht realistisch simulierter Physik ergibt sich ein völlig neues Fahrgefühl. Erstmals ist nicht jede Drehung und Wendung ohne weiteres möglich, und der Spieler muss nun auch je nach Hanglage auf die Lawinengefahr Rücksicht nehmen. Wer es auf einer steilen Abfahrt zu wild treibt, wird bald von der Realität - in Form sich verselbständigender Schneemassen - eingeholt, und das bedeutet meist: Game Over! Doch auch ohne solche Ereignisse ist »Stoked Rider: Alaska Alien« fordernd, denn man muss das Gelände schon klug nutzen, um schöne Tricks in der Luft hinzulegen. Die Geschwindigkeit muss passen, ebenso wie das Timing, sonst wird der geplante 540°-Indie schnell zum Rohrkrepierer und bringt keine Punkte. Weitere Gefahrenquellen für ungesunde Stürze sind Felswände und Eisflächen.

Mehr als 65 Quadratkilometer nachgebauter Berglandschaft Alaskas bilden den Hintergrund für alle Challenges und den Freeridemodus, den Umfang dürfte wohl kein bisher existierendes Snowboardingspiel toppen.

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Von so weit oben sehen sogar die Bitmaps beinahe schön aus.
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Via Helikopter und entsprechend freigespieltem Höhenlevel ist so ziemlich jeder Punkt des gigantischen Areals erreichbar, wobei ein Start nicht von überall aus Sinn macht. Doch allein durch die Fläche und die drei unterschiedlichen Charaktere ergibt sich ein Wiederspielwert, der für ein Spiel mit effektiv zwei unterschiedlichen Challengemodi beachtlich ist. Das verschneite Alaska sieht übrigens auch noch recht schön aus und hat mit Tiefschnee, Felswänden, Eis und Co. einiges zu bieten.

Sound und Musik sind recht stimmig, die gewählten Tracks passen recht gut zum Boarderambiente, und die Gleitgeräusche des Boards klingen ebenso nachvollziehbar echt. Wer mag, kann auch seine eigene Tracklist laden und Stücke aus seiner MP3-Sammlung zur Schneeaction erklingen lassen.

Und wo ist der Haken?
Soviel zu den zahlreichen guten Seiten des Spieles, doch wo Licht ist, findet man üblicherweise auch Schatten: Was in der Fernansicht spektakulär aussieht, büßt in der Nahansicht etwas an Glanz ein. Herausragende Felsen haben eine etwas unpassende Textur und sind oft zu rund, dem Tiefschnee scheint jegliche Textur zu fehlen, die Baummodelle sind abwechslungsarm, und die Charaktermodelle wirken stellenweise etwas klobig und ein wenig wie mit Wachs glasiert - was auch in Cel-Shading-Optik eigenartig aussieht. Dazu gesellen sich hakelige Animationen nach einem Sturz, hässliche Pflanzenbitmaps und eine ab und an fehlerbehaftete Kollisionsabfrage.

Stoked Rider: Alaska Alien - Lord of the Boards: Mit Aegeia-Physik den Abhang hinunter.

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Ein Nichtraucher, so muss es sein!
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So wird das Aufstehen nach einem Sturz oft zur Glückssache, und manchmal verliert man an völlig harmlosen Stellen das Gleichgewicht und eine Menge an Gesundheit. Auch ein paar Tiefschneepassagen sind nicht einwandfrei, so kann es passieren, dass man an manchen (flachen) Stellen unkontrolliert nach oben geschleudert wird. In bewachsenen Regionen ist es zudem möglich, versehentlich unbefreibar an Bäumen hängen zu bleiben. Dazu gesellen sich sporadische Soundbugs wie hängende Musik und dergleichen. Zudem ist die Bewertung der Sprunglandungen (die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die vergebenen Punkte haben) nicht immer nachvollziehbar. Insgesamt sind diese Fehler aber verschmerzbar, weil selten.