Entwickler Undead Labs ruft zum zweiten Mal zur Zombiejagd auf. Im Nachfolger von State of Decay schlüpfen wir wieder in die Rolle dutzender Überlebender, die sich gegen eine Überzahl von Untoten behaupten und eine neue Gesellschaft gründen müssen. Das heißt erneut: Rumfahren, Erkunden, Rohstoffe sammeln und alles zur Heimatbasis bringen, solange uns davon keine Zombies oder anderen Menschen abhalten. Während es State of Decay 2 versteht, dasselbe Spielprinzip immer von Neuem zu verkaufen, gelingt es ihm dabei, uns oft zu unterhalten und selten auch mal in größere Spannung zu versetzen als es aktuelle Zombie-Serien vermögen.

Von euch hängt das Überleben einer ganzen Gruppe ab:

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Shopping Royale

Ich fahre mit einer blutverschmierten Karre den Highway entlang. Der Tank ist fast leer, die Karosserie ist verbeult, zwei Türen fehlen und seit einer Meile schleppe ich einen toten Zombie auf meiner Motorhaube mit. Verlassene Kleinstädte, Campingplätze und Bauernhöfe ziehen an mir vorbei. Die Sonne geht langsam unter. Über Funk fragt ein Überlebender um Hilfe und als ich auf der Karte schauen möchte, wo er sich befindet, bin ich kurz unachtsam und rase direkt über einen aufgeblähten Zombie. Beim Platzen setzt er das ganze Auto unter Giftgas, schnell fahre ich rechts heran, springe heraus und huste mir das Leben aus dem Leib.

In State of Decay 2 seid ihr die meiste Zeit damit beschäftigt, Touren in die Spielwelt zu unternehmen, um Rohstoffe zu sammeln, Überlebenden zu helfen und Zombies auszurotten. Euer Überlebendenlager dient euch dabei als Hort der Sicherheit, den ihr immer weiter ausbauen könnt, aber auch als Auftraggeber, der Ideen ausbrütet, wie die Welt am besten vor der Epidemie gerettet werden kann.

Hier heißt es nur: Sie oder Wir.

Abseits davon fährt der Spieler täglich raus und sieht nach, welche Reichtümer die Ruinen der Zivilisation noch beherbergen. Während es im normalen Leben nur auf eine schnelle Internet-Verbindung und einen guten Streaming-Anbieter ankam, zählen jetzt nach dem Untergang nur noch Dinge wie Nahrung, Medikamente, Munition und Materialien. Während der Spieler andere Objekte wie Waffen und Gerätschaften immer noch einzeln vorfindet, sind diese wichtigen Rohstoffe immer in passend gekennzeichneten Säcken zu finden. Wenn der Sammler also am Abend mit allem zurückkehrt, räumt er nicht nur einen halben Trödel ins Haus, sondern sieht dabei auch wie ein Weihnachtsmann aus.

So viel zu Theorie, in der Praxis ist das nicht ganz so einfach, da die Welt nicht gerade ungefährlich ist. Zwischen der wertvollen Beute und dem Spieler befinden sich dutzende Untote und dazu gehören beißende, fletschende, mit roten Augen leuchtende, kreischende, aufgeblähte, rasende und gigantische. Immer wieder finde ich mich in Situationen wieder, in denen ich zuvor nur einen Schrank etwas zu laut geöffnet habe und Sekunden später mit einem Schraubenzieher drei Zombies abstechen muss, um mich noch humpelnd auf eine Leiter zu retten. Und in anderen Momenten stolpere ich in ein halbes Waffenlager und habe beim Rausgehen einen coolen Spruch auf den Lippen, bevor ich ein ganzes Heer ins Jenseits schicke. Extremitäten fliegen, Blut spritzt, Schädel knacken - das Kampfsystem ist simpel, aber belohnend und unterhaltsam. Vom taktischen Schleichvorgehen ist es meistens nur ein schmaler Grad bis zum verzweifelten, aber effektiven Einhämmern.

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So viel Story wie Tetris

Zombie-Apokalypsen leiden darunter, dass sie zwar ein extremes und cooles Überlebens-Setting haben, welches aber kaum Story bietet. Menschen kämpfen gegen Zombies oder gegen andere Menschen. Lager werden gegründet, übernommen oder zerstört. Das war’s, die letzte Hoffnung auf Spannung liegt in den Konflikten spannend geschriebener Charaktere. Aber die gibt es in State of Decay 2 nicht. Sie sehen interessant aus und haben auch manchmal einen witzigen Spruch auf den Lippen, aber psychologische Tiefe könnt ihr nur in den Charakterbeschreibungen suchen und dort auch nicht finden.

Home Sweet Home

Wenn dort über eine Person steht, dass sie schlecht singt, finde ich das zwar lustig, bin aber enttäuscht, wenn sie es nie wirklich macht. Jede Person, der ihr begegnet, wird euch früher oder später fragen, ob ihr sie in eure Gemeinschaft aufnehmen wollt. Es ist schwierig dabei, so etwas wie Favoriten auszumachen, wenn vor euch prinzipiell nur ein anderes Modell steht. Also entweder geht der Spieler bei all dem hier von einem klassischen Pen&Paper-Rollenspiel aus, wo er sich alles durch Werte und Zahlen vorstellen muss, oder er sieht ein, dass die Charaktere nicht sonderlich viel lebendiger sind als die Zombies. Gleiches Spiel bei der Basis: Zuerst ist es cool, sich zu überlegen, was wo hingebaut werden soll, ob die Krankenstation neben den Generator kommt oder doch lieber neben die Chill-Lounge, aber wenn das alles steht, treibt es zwar die entsprechenden Skalen in die Höhen, aber die Charaktere interagieren damit nicht wirklich. Die Basis sieht zwar super aus, nur ist es leider nicht so lebendig, wie es sein könnte.

Sollte sich der Spieler mal länger als zwei Minuten in der Heimatbasis aufhalten, sitzen die meisten Personen nur rum und blasen Trübsal. Damit zumindest jeder von ihnen etwas Auslauf hat, wähle ich jeden Tag einen anderen aus, um rauszufahren. Manchmal nehme ich auch einen zweiten Partner mit, aber das nur, solange er nicht dank eines Bugs, die gesamte Strecke lieber joggen als bei mir mitfahren will. Und das ist letztlich auch die ganze Geschichte. Manche Person hat nochmal eigene Interessen, aber am Ende geht es nur darum, zu überleben und eine Gesellschaft wieder von Neuem auferstehen zu lassen. Nach drei Stunden Spielzeit bin ich das erste Mal auf feindliche Menschen getroffen, die zwar gute Feinde abgaben, aber mich die dramatische Gesellschaftsstudie nicht spüren ließen.

Ein verstörender und atemberaubender Anblick

Die Schönheit der Zerstörung

Die Welt von State of Decay 2 ist tot, aber erzählt einem so viel von ihrer einstigen Lebendigkeit: In Eile verlassene Häuser, still daliegende Ackerfelder und auf brutale Art ineinander gerammte Autos. Den eigentlichen Krieg hat die Menschheit verloren, aber auf ihren Überresten fechten die Überlebenden eine letzte Schlacht aus. Je nachdem wie das Sonnen- oder Mondlicht fällt, kann jeder Ort wunderschön und unheimlich zugleich sein. Der Tag ist hoffungsspendend, die Schwärze der Nacht ist dagegen endgültig.

Wer The Walking Dead für eine gute Serie hält, wird State of Decay 2 für ein gutes Spiel halten.Fazit lesen

Noch gibt es ein paar Überraschungen, die uns im Mai erwarten:

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State of Decay schickt den Spieler durch eine erdrückende und melancholische Welt, während die Natur und das schöne Wetter dem Ganzen manchmal einen schönen Glanz verleihen. Wenn es die Situation zulässt, halte ich mit dem Wagen oder dem Charakter an, um die Kamera einmal herumfahren zu lassen und zu schauen, wie der perfekte Screenshot gelingen könnte. Und nach einem verzweifelten Kampf mit einem explodierten Auto, leer geschossenen Schrotflinten und dutzenden Untoten übt selbst das übrig gebliebene Schlachtfeld einen gewissen Zauber auf mich aus. Ich seufze und mache mich dann wieder auf den Weg.