Wo die Story vielleicht sogar ein wenig enttäuscht, weiß das großartige Missionsdesign umso mehr zu überzeugen. Schon das erste „Starcraft“ wurde damals für seine vielen ideenreichen Auftragstypen gefeiert, hatte aber dennoch immer wieder mit generischen Befehlen wie „Vernichten den Gegner“ oder „Überrenne die Basis“ zu kämpfen. In „Starcraft 2“ gab es diese Art Auftrag genau zwei Mal – in 26 Missionen.
Zusammen mit Starcraft 2 hat Blizzard auch das neue Battle.net 2.0 veröffentlicht, welches auch bei Diablo 3 zum Zuge kommen wirdHier kapern wir erst Züge, dann bringen wir Sprengladungen an unterirdischen Zerg-Tunneln an. Wir bauen gegen eine nahende Supernova um die Wette, bergen Artefakte, schalten Kraftfelder aus. Sogar Missionen, in denen wir Heldeneinheiten steuern müssen (ala „Warcraft 3“), gibt es. Und wenn man denkt, spaßiger könne es nicht werden, biegen die Entwickler mit einer neuen Idee um die Ecke. Kein einziger Auftrag gleicht hier dem anderen – genial.
An Bord von Raynors Raumkreuzer „Hyperion“ wählen wir die nächsten Ziele auf einer Sternenkarte. Uns steht stets frei, welchen Auftrag wir als nächstes angehen. Da wir die Missionen nicht mehr linear absolvieren müssen, sondern diese von verschiedenen Auftraggebern zugeschanzt bekommen, mischen sich allerdings auch manche Füllaufträge in die Handlung.
Zu diesen Auftraggebern gehört unter anderem auch die hübsche Ärztin Dr. Ariel Hanson, für die wir in mehreren Missionen die Flüchtlinge einer kriegsgebeutelten Kolonie beschützen und in eine neue Heimat geleiten sollen. Das ist zweifellos nett inszeniert, hat mit der Haupthandlung aber nicht viel zu tun. Auslassen sollte man diese Mini-Kampagnen aber keineswegs, sonst verpasst man eine ganze Reihe großartiger Missionen.
Beim Interface hat sich im Vergleich zum Vorgänger nur wenig geändert. Eine Eingewöhnungszeit entfällt daher.Recht früh im Spiel treffen wir etwa auf den Phantom-Assassinen Tosh. Der zwielichtige Kerl wird uns später bitten, bei der Befreiung seiner Kumpane zu helfen – die jedoch als verurteilte Straftäter hinter Gittern sitzen. Wir können ihm nun unter die Arme greifen – oder schlagen uns auf die Seite einer (sehr bekannten) Ghost-Offizierin und schalten Tosh’s Leute aus. „Starcraft 2“ stellt uns gleich mehrmals vor derlei Entscheidungen. Die Story beeinflussen die zwar kaum, wohl aber die darauf folgende Mission.
Für die Extra-Klasse der Blizzard‘schen Designer spricht auch die Tatsache, dass im Laufe der Terraner-Kampagne keine Langeweile aufkommt. Wo wir bei „Dawn of War“ bereits nach der Hälfte der Storymissionen sämtliche Einheiten in- und auswendig kannten, wirft uns das Entwicklerteam in jedem Auftrag neue Einheiten vor den gierigen Latz. Zudem gibt es wichtige Credits und Forschungspunkte: Beides sind Neuerungen im „Starcraft“-Universum: Forschungspunkte erlangen wir durch erledigte Nebenmissionen, im Labor der Hyperion kaufen wir damit neue und sehr nützliche Technologien. Die verdienten Credits investieren wir hingegen auf dem Maschinendeck in bereits aktivierte Einheiten. Für den läppischen Betrag von 40.000 Credits erhalten die Space Marines beispielsweise die beliebten Stimpacks.
Aus diesem Bildschirm heraus startet Ihr eure MissionenDas System aus schrittweisem Fortschritt und individualisierten Anpassungen an den eigenen Spielstil motiviert ungemein. Man ertappt sich immer wieder dabei zu sagen „eine geht noch“ und hängt trotz fortgeschrittener Uhrzeit noch eine Mission dran – und scheitert vielleicht sogar, sollte man den Schwierigkeitsgrad „schwer“ gewählt haben. Masochisten dürfen sogar noch einen Gang höher schalten, in der Einstellung „brutal“ ist Frust aber vorprogrammiert und nur absolute Experten und Meister der Tastatursteuerung sollten hier einen Blick riskieren. Für Otto Normalverbraucher tut es der normale Schwierigkeitsgrad durchaus erst einmal, insgesamt können wir allen vier möglichen Schwierigkeitsgraden eine exzellente Balance zusprechen.
Über die gesamte Kampagne hinweg und in jeder einzelnen Mission kann man Erfolge erreichen. Diese in veramerikanisierten Fachkreisen genannten „Achievements“ sind ein weiterer Motivationsfaktor – nicht neu, aber sehr effektiv, denn sie erhöhen den Wiederspielbarkeitswert enorm. Alle erreichten und offenen Erfolge werden in den übersichtlichen Menüs verwaltet und organisiert.
Und wo sind die Schwächen? Ab und zu stürzt das Spiel einfach ab. Das ist uns beim „Alt-Tab“ Wechsel auf den Desktop einige Male passiert. Aber auch beim Beenden des Spieles selber segnete Windows 7 schon mal das Zeitliche. Außerdem kann man die nur durchschnittliche Wegfindungs-Routine der computergesteuerten Einheiten bemängeln. Da kommt es vor, dass sich vor einen Hügel teleportiert wird statt auf denselben. Oder ein Teil der Einheiten gehen rechts um einen Berg herum statt links – was unangenehme Folgen haben kann.
von Activision Blizzard, Blizzard EntertainmentGenre: Echtzeitstrategie, StrategiePC: 27.7.2010Offizielle WebseiteFreigegeben ab 12 Jahren
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