Das Spiel zum Film – welch Unwort in den Ohren erfahrener Gamer. Seit die Bilder nämlich nicht nur das Laufen, sondern auch das Befolgen von Controllereingaben gelernt haben, sind „Spieleversoftungen“ nie den Ruf des Mittels zum schnellen Reibach losgeworden. Denn zum Einen werden viele Vertreter dieser Gattung billig und schnell dahin geschludert, zum anderen schränkt das enge erzählerische Korsett des Films das zugehörige Spiel in seiner Freiheit so weit ein, dass ihm keine Luft mehr zum Atmen bleibt.

Erst Star Wars wirkte wie ein Ricola aufs Genre: Spiele wie X-Wing, Jedi Knight oder Knights of the Old Republic lösten sich von der Vorstellung, sklavisch an der Handlungskette der Filme festhalten zu müssen. Stattdessen waren sie eigenständige Spiele mit eigener Story, die sich dem filmischen Universum nicht unterordneten, sondern es als Ideenquell und Atmosphäre-Spender verstanden.

Dennoch gab es auch zu den Kinofilmen um die Sternenkriege zugehörige Spiele, viele davon heute in Vergessenheit geraten, manche aufgrund ihres Alters, manche wegen der Qualität. Die gamona Zeitmaschine lässt sie noch einmal Revue passieren.

Eine neue Hoffnung

Was viele gar nicht wissen: Star Wars, bzw. „Krieg der Sterne“ wie der Film in seiner deutschen Übersetzung hieß, enthielt die erste am Computer entstandene Szene der Filmgeschichte. Was heute unter dem Ausdruck CGI (Computer Generated Image) in aller Munde und fast jedem Hollywood-Blockbuster zu finden ist, war im Jahre 1977, als der erste Teil der Saga die Leinwände eroberte, ein Novum.

Star Wars Woche - Vom Atari VCS bis heute: die Spiele zum Film im Überblick

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Grafik in Filmqualität: das allererste Star Wars.
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Besagte Szene ist kurz vor der finalen Schlacht um den Todesstern zu sehen, wenn die Rebellen in der Einsatzbesprechung dem simulierten Anflug durch den berühmten Graben beiwohnen. Weiße Striche auf einem schwarzen Hintergrund: So sah CGI zur damaligen Zeit aus. Von da war es ein weiter Weg zu den lebensecht animierten Dinosauriern, Kampfrobotern und Höhlentrollen der Gegenwart.

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"Das ist kein Mond, das ist eine Raumstation."
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Umso erstaunlicher, dass das damalige Spiel zum Film die fast identische „Grafikpracht“ auf die Bildschirme zauberte. „Star Wars“ war eines der ersten Videospiele, das über eine 3D-Grafik verfügte. Die so genannte Vektorgrafik gab dem Entwickler des Spiels, VectorGrafx, seinen Namen und begründete die lange dauernde Blütezeit dieser Grafiktechnologie. Bevor die dreidimensionalen Polygone mit Farben oder gar hübschen Texturen ausgemalt wurden, verging jedenfalls noch so manches Lichtjahr.

Das Imperium schlägt zurück

„Star Wars – Das Spiel“ bestand aus lediglich drei Leveln und thematisierte lediglich den aus dem Film bekannten Showdown, die Schlacht von Yavin. In der ersten Runde kämpfte man in seinem X-Flügler im Weltall gegen imperiale TIE-Jäger. Im zweiten flog man über die Oberfläche des Todessterns, um dann schließlich den berühmten Grabenflug anzutreten.

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"The Empire strikes back": Die Galaxis braucht neue Drahtgitter.
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Da die Szene im Film bereits auf ihre achterbahn-artige Erfahrung von Geschwindigkeit ausgelegt war, funktionierte sie im Spiel prächtig. Die Version für Spielhallen vervollkommnete die Atmosphäre durch eingespielte Sprachsamples, in denen Obi-Wan den Spieler zum Gebrauch der Macht aufforderte.

Der Nachfolger „The Empire strikes back“ ahmte dieses Spielprinzip und seine Engine komplett nach. Während der Schlacht von Hoth kämpft der Spieler nun allerdings gegen die Drahtgittermodelle von Suchdroiden und AT-ATs (die man durch einen Treffer an ihren empfindlichen Stellen zwischen den „Augen“ in Stücke legt) und weicht kantigen Asteroiden aus. Die in quietschiger Midi-Qualität umgesetzte Filmmusik John Williams’ lief dazu in einer Endlosschleife.

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Es grünt so grün auf Endor...
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Das Spiel zum dritten Film „Return of the Jedi“ wich schließlich völlig von der eingeschlagenen 3D-Linie ab und präsentierte sich als qualitativ bestenfalls durchwachsener Side-Scroller. Während der Schlacht von Endor wechselt man – ähnlich wie im Film – in einer Parallelmontage zwischen zwei Kampfschauplätzen hin und her.

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Als Lando auf dem Weg zum Kernreaktor.
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Während man sich zwischen den Bäumen des Waldmonds auf seinem Speederbike auf der Flucht vor bzw. Jagd auf imperiale Sturmtruppen befindet, weicht man den Fallen der Ewoks aus. Dazwischen nimmt man in Lando Calrissians Falken Kurs auf den Kernreaktor des zweiten Todessterns und versucht, in den engen Gängen der Raumstation nicht anzustoßen oder mit feindlichen Jägern zu kollidieren.

Alles super!

Anfang der 90er wurde die Trilogie für Nintedos SNES erneut umgesetzt – diesmal mit dem damals üblichen „Super“-Zusatz im Namen. „Super Star Wars“ und seine Nachfolger waren klassische Jump’n Run-Spiele, die im Gegensatz zu ihren Urahnen die komplette Filmhandlung zu umfassen suchten.

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Im falschen Film? Sandwürmer...
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Mit frei erfundenen Gegnertypen wie grünen H.R.Giger-Aliens, Sandwürmern vom Wüstenplaneten Dune oder Mechwarrior-ähnlichen Robotern nahmen sich die Entwickler jedoch ein Fünkchen mehr künstlerische Freiheit, als mancher Fan zu verkraften gewillt war. Höhepunkt war selbstverständlich einmal mehr der – diesmal in ausgemalter Polygongrafik gezeichnete – Grabenflug.

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...und Aliens in Super Star Wars für den SNES.
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Doch schon lange vorher absolvierte Star Wars seinen ersten Auftritt auf Konsolen: 1982 veröffentlichte der Spielwarenhersteller Parker („Monopoly“) seine ersten beiden Spiele für den Atari VCS: Das erste, Frogger, wurde zur Legende, von der man selbst heute noch spricht. Das zweite, The Empire strikes back, geriet dagegen ein wenig in Vergessenheit. An Bord seines Snowspeeders kämpft der Spieler vor dem Hintergrund lilafarbener Eisberge gegen heranstapfende AT-ATs. Damals schon nicht mit Bestnoten überschüttet, war das Spiel dennoch dank Star-Wars-Lizenz ein großer Verkaufserfolg.

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Prachtgrafik anno 1982: Empire strikes back für Atari VCS.
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Ein Sequel ließ folgerichtig nicht lange auf sich warten. Mit „Star Wars: Jedi Arena“ griff Parker jedoch nur vage auf die Geschichte der Filme zurück, genauer gesagt lediglich auf die Szene, in der Luke an Bord des Rasenden Falken seine Lichtschwertkünste im Duell mit einer fliegenden Kugel trainiert. Per Drehregler musste der Spieler seine Jediwaffe hin und her schwenken, um die Stromstöße des Gegenübers abzuwehren – ein entfernter Verwandter des Spiele-Urvaters „Pong“ also.

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Genau hinschauen: Hier schwingen zwei Jedi ihre Lichtschwerter. ("Jedi Arena")
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Das offizielle Parker-Spiel zu „Return of the Jedi“ (damals noch unter dem Arbeitstitel „Revenge o the Jedi“) sollte ursprünglich in zwei Teilen erscheinen, die kurz vor Filmstart jedoch beide gestrichen und überraschenderweise durch ein neues Spiel ersetzt wurden: „Return of the Jedi: Death Star Battle“. An Bord des Rasenden Falken setzte man sich im äußerst abstrakt anmutenden Grafikkleid so lange gegen imperiale Jäger zur Wehr, bis sich eine Lücke im Schutzschild des Todessterns auftat und man diesen als Endgegner unter Beschuss nehmen durfte.

Rache der dunklen Klonkrieger

Der Prequel-Trilogie, die zwischen den Jahren 1999 und 2005 erschien, wurde von nicht wenigen Kritikern vorgeworfen, ob ihres Computerlooks den kühlen Charme eines Videospiels zu versprühen. Das Podrennen aus der ersten Episode, „Die dunkle Bedrohung“, erinnerte gar augenscheinlich spiele-unkundige Filmrezensenten an Konsolen-Games der Marke WipEout.

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Der Schutzschild ist noch aktiviert! Death Star Battle in Sowas-Ähnliches-wie-3D.
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Wenig verwunderlich also, dass mit „Star Wars: Episode I – Racer“ das entsprechende Spiel auf PC und Konsolen brauste. Ganz offensichtlich ein WipEout-Klon, der seinem Vorbild nicht das Wasser reichen konnte, machte der Titel immerhin eine ganze Weile Spaß. Von überdurchschnittlicher Qualität war auch das offizielle Spiel zur „Phantom Menace“: Abwechselnd als Qui-Gon, Captain Panaka oder Königin Amidala schoss oder schnetzelte man sich durch grafisch ansehnliche Level, die den Filmkulissen ansprechend ähnlich gestaltet waren und der Handlung des Vorbilds weitestgehend folgten.

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Republic Commando leitete zur Film-Rache der Sith über.
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Zahlreiche Edutainment-Titel wie die Multimedia-CD „Magie eines Mythos“, die Mathe- Knobelei „Pit Droids“ oder der Spore-Vorläufer „Gungan – Die neue Welt“ aus der Lucas Learning-Reihe fanden allenfalls bei Fans im Grundschulalter Beachtung.

Später erzählte „Obi-Wan’s Adventure“ auf Xbox und Game Boy Color die Vorgeschichte zur Episode I aus der Azubi-Zeit des Jedi-Ritters, während „Battle for Naboo“ und „Starfighter“ die Schlacht am Ende des ersten Teils in „Rogue Squadron“-ähnlichem Gameplay nachbildeten.

Nach dieser kaum mehr zu überblickenden Flut an Spielen zum ersten Film der Prequel-Trilogie wundert es, dass sich der Spiele-Output zum „Angriff der Klonkrieger“ in Grenzen hielt. Vermutlich war der Merchandise-Hype nach der Übererfüllung durch Episode I versiegt. Das offizielle Spiel zum Film jedenfalls erschien lediglich auf Konsole und erhielt durchweg maue Kritiken. Abgesehen vom „Clone Campaigns“-Addon zum Strategietitel „Galactic Battlegrounds“ marschierte kein Klonkrieger auf dem PC ein. „Bounty Hunter“ für PS2 und Gamecube nahm sich immerhin der Nebenfigur Jango Fett und seiner Vorgeschichte an. „Republic Commando“ schloss später die erzählerische Lücke zwischen den Episoden 2 und 3 und leitete inhaltlich zur Film-Rache der Sith über.

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Vor allem die Schwertkämpfe gefielen in Episode III.
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Für deren Spiele-Auftritt gab es 2005 schließlich großes Lob: 88% bekam der Titel im gamona-Test, der vor allem die hervorragend inszenierten Lichtschwert-Kämpfe lobte, dafür aber die knappe Spieldauer anmahnte. All dies ist jedoch nichts im Vergleich zu den beiden Spielen der „Lego Star Wars“-Reihe, die in unübertroffenem Klötzchen-Charme der Vorlagen huldigen.