Das erste Pókemon, das erste The Elder Scrolls und natürlich das erste Jedi Knights - sie alle krabbeln glorifiziert durch unsere Erinnerungen; unantastbar und nostalgisch aufgeladen durch die Gläser unserer rosaroten Retrobrille. “Früher war alles besser”, flüstert eine leise, junge Stimme in unseren Gedanken, aber wir wehren sie ab - denn als Kinder haben wir die Welt einfach anders wahrgenommen; im Nachhinein puzzelten wir uns eine geeignete, schönere Vergangenheit zusammen. Hmmm … oder etwa nicht?

Star Wars: Jedi Knight: Jedi Academy - Trailer 2003

Ich weine um dich, geliebtes Kampfsystem

Oh, Star Wars: Jedi Knight: Jedi Academy. Dein langer, sich doppelnder Name jagt eine Gänsehaut über meinen Nacken, deine nackten Twi’lek erfüllen noch immer meine sehnsüchtigsten Träume und - Rosh Penin, der obligatorische Zwischen-Gut-und-Böse Jedi-Bösewicht, mit dem ganz besonderen Namen.

Doch das ist nicht alles. Die Erinnerung regt sich einem zarten Pflänzchen gleich; wächst über meine Gedanken hinaus und stößt schmerzhaft gegen die dumpfe, pochende Enttäuschung über Star Wars: Knights of the Old Republic. Denn KotoR hat alles richtig gemacht, nein, sogar besser gemacht, als Jedi Academy - abgesehen von einem: dem Kampfsystem.

Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy - Ich weine um dich, geliebtes Kampfsystem

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Schmerzhafte Erinnerungen: Wie sehr ich euch vermisse, ihr nahezu perfekten Jedi-Schlachten!
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Favorisierte Waffen und spezielle Neigungen bezüglich des eigenen Kampfstils sind natürlich äußerst persönlicher Natur. Gewiefte Taktiker etwa bevorzugen womöglich eher das übliche “Wähl’ dein Ziel aus und lass’ kämpfen”-System aus KotoR, aber für wilde Haudrauf-Mädels wie mich war der Lichtschwerter-Tanz von Jedi Knight Academy eine wahre Offenbarung. Und zwar eine, die bis jetzt noch von keinem anderen Kampfsystem übertrumpft werden konnte.

Also ja, ich weine um dich, geliebtes Kampfsystem. Bitterlich.

Die fliegenden Hände des Himmels

Mit einem tuskischen “Mrrähhhm!” stürze ich mich ins Getümmel, bis es Funken sprüht! Level um Level verbessere ich meine Lichtschwert-Skills, werfe den Laser-Säbel, springe hoch in die Lüfte und kann jede einzelne Kampfbewegung per Stick am Xbox-Controller bestimmen. Greife ich mit der rechten Hand von oben an, oder gehe ich in die Hocke, um von dort aus meine Gegner mit einem Lichtschwert-Wirbel niederzumetzeln? Stoße ich nach hinten zu oder visiere ich gleich eine ganze Gruppe an, die ich aus der Luft attackiere?

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Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy: Springen, Würgen, Macht-Entzug - taktische Kombi der Kräfte sucht ihresgleichen
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Dazu kommen überstilisierte, übertriebene Fähigkeiten der Macht, wie etwa kilometerhohe Sprünge (oder vielmehr: Flüge) in die Luft, schnelle, effektive Heilung und Würgen. Freunde des gepflegten Sadismus aufgepasst: Noch nie hat es so viel Spaß gemacht, Stormtroopern in einem “Star Wars”-Game die Luft abzudrücken, ganz besonders, wenn ihnen zuvor per Gedankenkraft die Waffe aus der Hand gezogen wurde.

Apropos Hände. Eine ganz besondere Kill-Sequenz war natürlich die ikonische, fliegende Hand des Gegners - und in Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy wimmelte es nur so vor abgetrennten Fäusten und Armstümpfen, die im Game händisch mit exakt ausgerichteten Angriffen immer wieder getriggert werden konnten.

Denn auch in Jedi Academy zählte Taktik - und Fingergeschick.

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Mit dem Sprung ins Gefecht!
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Gebt dem Lichtertanz eine zweite Chance

Schlechte Reime ändern nichts an den bitteren Tatsachen des Lebens: Ein etwaiges, ebenso direktes und immersives Kampfsystem wie in Jedi Academy gab es bis jetzt nie wieder in einem “Star Wars”-Spiel. Könnte das der Grund sein, warum ich den Mehrspielermodus des Titels heute noch immer auf meiner alten Xbox zocke, weinend?

KotoR, du hättest so gut sein können. Gut, KotoR 2, du vielleicht nicht - aber mit etwas Besserem als “Klick, um zu kämpfen”, wärst auch du mir um einiges lieber gewesen. Letztendlich kann das Haudrauf-Mädchen in meinem Inneren nur darauf hoffen, dass früher eben doch nicht alles besser war. Und EA oder gar BioWare bald die trockene Steppe der toten “Star Wars”-Blockbuster wiederbeleben und neue, tolle Spiele entwerfen, mit alten, bewährten Kampfsystemen.