Es ist ein paar Jahre her, da wurde Carrie Fisher in einem Interview gefragt, wie die Arbeit am „Star Wars Holiday Special“ war. „Es gab kein Holiday Special.“ war ihre Antwort. Zugegeben, Ms. Fisher konsumierte zu jener Zeit einiges an weißem Pulver, sodass ihr Erinnerungsvermögen vielleicht nicht mehr das Beste ist oder sie die Jahre zwischen „Eine neue Hoffnung“ und „Das Imperium schlägt zurück“ in ihrer Gänze vergessen hat, doch wahrscheinlicher ist wohl, dass sie diese Peinlichkeit gerne totschweigen würde. Immerhin fiel es seinerzeit sogar ihr zu, zur gängigen „Star Wars“-Melodie einen mehr als kitschigen Text zu singen.

In den 80er Jahren konnten sich die Fans an den beiden „Ewoks“-Filmen, einer Zeichentrickserie zu den Fellknäueln und einer weiteren zu den beliebten Droiden C-3PO und R2-D2 delektieren, doch so richtig toll war nichts davon. Dass es jedoch auch noch schlimmer geht, hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten. Ganz betagte Fans, die den Film bereits 1977 im Kino gesehen haben und zu Thanksgiving 1978 voller Erwartung und Vorfreude CBS einschalteten, können jedoch ein ganz anderes Lied singen: das „Star Wars Holiday Special“ stellt alles andere in den Schatten!

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Doch worum geht’s? Nun, offenbar hatte man keine wirklich gute Geschichte zur Hand, um Harrison Ford, Mark Hamill, Carrie Fisher, Peter Mayhew und Anthony Daniels etwas zu tun zu geben. Darum ersann man kurzerhand den Life Day, einen besonderen Festtag bei den Wookiees, zu dem Han seinen Kumpel Chewbacca heim bringt. Natürlich kann’s das aber noch nicht gewesen sein, weswegen imperiale Sturmtruppen auftauchen und nach Rebellen suchen. Genug Zeit für Chewbaccas Sippe – Großvater Itchy, Frau Malla und Sohn Lumpy – sich merkwürdige Kochrezepte im intergalaktischen Fernsehäquivalent anzusehen, sich der herrlich obskuren Virtuellen Realität mit allerhand kosmischen Tanzeinlagen hinzugeben oder dröge Videogames zu zocken.

Dazu gibt es Gaststars wie Beatrice Arthur, Harvey Korman, Diahann Caroll, Art Carney und Jefferson Starship. Allesamt sind dies Namen, die zu ihrer Zeit wohl einen gewissen Klang gehabt haben mögen, heutzutage jedoch nur noch für irritiertes Stirnrunzeln sorgen können.

Fast so interessant wie der Inhalt dieses Specials ist seine Entstehungsgeschichte. Nach dem Erfolg von „Star Wars“ war das Thema heiß und CBS ließ sich wahrlich nicht lumpen, um ein quotenträchtiges Special zum Filmhit im Programm zu haben. Eine Million Dollar wurde ausgegeben und eine Drehzeit von einem Monat veranschlagt. Als Regisseur wurde David Acomba verpflichtet, doch auf Grund kreativer Differenzen verließ er nach halber Drehzeit die Show und Steve Binder folgte nach.

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Um die Geschichte zu ersinnen, war mit Rod Warren, Bruce Vilanch, Leonard Ripps und Pat Proft tatsächlich ein Quartett vonnöten, womit sich der gern zitierte Spruch von den vielen Köchen wieder einmal als wahr erwies. Obwohl offiziell nicht an diesem Special beteiligt, gehört auch George Lucas zu den Schuldigen, die die Verantwortung an dieser kitschigen Show par exzellence tragen. Zwar betont der gute George immer wieder, dass er nichts mit der Produktion dieses Specials zu tun hatte, doch dabei sollte man nicht vergessen, dass im einzigen passablen Teil des Specials, einem 12-minütigen Zeichentrickfilm, Boba Fett seinen ersten Auftritt hat.

Wie gesagt, das echte Highlight dieses Specials ist der Zeichentrickfilm, der Boba Fett vorstellt. Dabei darf er sich als ein Verbündeter gebärden und gibt vor, Chewbacca zu helfen, der nach einem Heilmittel für Han und Luke sucht, die von einer seltenen Krankheit geplagt werden. Natürlich steht Fett aber hier schon in Diensten von Darth Vader, was unsere Freunde noch rechtzeitig herausfinden. Fett flieht und verkündet, dass sie sich schon bald wiedersehen werden.

Abgesehen von diesem Zeichentrickfilm, der von Nelvana Limited, später verantwortlich für die Zeichentrickserien „Ewoks“ und „Droids“, gestaltet wurde, bietet das „Holiday Special“ jedoch nicht viel. Chewbaccas Familie – der Vater hässlich wie die Nacht finster und der Sohnemann eine schleimige Blaupause für die späteren Ewoks – wurde von Stan Winston entworfen. Nicht sehr viel besser erging es Make-up-Spezialist Rick Baker, der in einer Cantina-Szene (natürlich sieht die Cantina zum Schreien billig aus!) die altbekannten Kreaturen gestalten und mit Lion Man und Baboon Man zwei neue Monster erschaffen durfte.

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Das „Star Wars Holiday Special“ ist eine Nummernshow, die den Zuschauer hauptsächlich langweilt, manchmal geradezu nervt (man denke nur an die etwa zehnminütige Einführung, bei der man Chewbaccas Familie nur unverständlich grunzen hören kann) und buchstäblich im Kitsch ertrinkt. Was sich alle Beteiligten gedacht haben, ein solches Machwerk zu produzieren, bleibt wohl auf ewig ihr Geheimnis. Für Fans ist dieses Special nur bedingt zu empfehlen. Sicherlich ist es interessant, sich diese Kuriosität einmal anzusehen, doch die Laufzeit von fast zwei Stunden macht es schwer, ruhig auf der Couch sitzen zu bleiben und das Gebotene zu ertragen. Zu kitschig, zu banal, zu lachhaft, kurz zu schmerzhaft ist das, was sich hier abspielt – die Krone setzt dem Ganzen dann noch Leias Song auf, bei dem man nur noch den Kopf schütteln kann und sich fragen muss, ob die glasigen Augen der Mimin nicht nur Indiz ihres, sondern auch des Zustands der Crew sein mögen.

Die Qualität des Gebotenen spricht für sich. Dass das „Holiday Special“ niemals wieder ausgestrahlt wurde und sicherlich auch nicht in Form einer Special Edition auf den Markt gebracht wird, zeigt, wo der Hammer hängt.

Steve Sansweet, seines Zeichens fanatischer Sammler von „Star Wars“-Memorabilia jeder Art und lange Zeit offizieller „Star Wars“-Botschafter, erzählte auf einer Convention in Australien einmal, dass George Lucas zu ihm gesagt hat: „Wenn ich genügend Zeit und einen Hammer hätte, würde ich jedes Bootleg dieses Programms aufspüren und zerschlagen.“ Man kann es ihm nicht verübeln.

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