Es gibt zwei Sorten von „Star Wars“-Fans. Solche, die mit der alten Trilogie aufgewachsen sind (und die abseits der „Ewoks“-Filme nie mehr als Episode IV bis VI hatten) und solche, die mit Episode I bis III in Sachen „Star Wars“ sozialisiert wurden. Dazwischen gibt es dann noch eine ganze Generation von Kids, die über die Animationsserie „Star Wars: The Clone Wars“ zur Macht gefunden hat.

Der ersten Gruppe ist in hohem Maße eigen, dass sie mit der Prequel-Trilogie nicht viel anfangen kann. Das gilt natürlich nicht für alle, aber wenn in Diskussionsforen das Gespräch auf „Star Wars“ kommt, taucht auch immer die lautstarke Gruppe der Prequel-Hasser auf. Das ist seit 1999 so, das wird auch immer so sein und sich erst bereinigen, wenn die erste Generation das Zeitliche gesegnet hat. Aber dann wird es vermutlich Differenzen zwischen den Fans der Prequels und denen von Episode VII bis IX geben. Früher war eben alles immer besser. Oder zumindest fühlt es sich für viele Menschen subjektiv so an.

Star Wars Inside #2 - Früher war alles besser?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Alt oder neu? Welche Trilogie hat euch eher zugesagt?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

1999 – Das Jahr, in dem alles anders wurde

Als ich 1999 „Die dunkle Bedrohung“ im Kino gesehen habe, da hatte ich zwar nicht das Gefühl, einen großartigen Film zu sehen, aber es fühlte sich nach „Star Wars“ an. Hauptsächlich freute mich, wieder in dieses Universum eintauchen zu können, aber ich habe auch nicht erwartet, den Sense of Wonder zu empfinden, den mein neunjähriges Ich 1984 spürte, als „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ in die Kinos kam.

Als Kind ist man leichter zu beeindrucken, als Jugendlicher auch. Darum liebt man auch in späteren Jahren vor allem die Filme und Serien, die man kennengelernt hat, als man noch jung war. Einiges davon kann den Test der Zeit nicht überstehen, das ist auch klar, vieles aber schon, und durch die rosarote Brille der Nostalgie wird selbst so manch objektiv schwacher Film doch immer ein Juwel bleiben.

Ich glaube, einige Zuschauer waren damals auch enttäuscht, weil sie dieses Gefühl erwarteten, an das sie sich erinnerten, als sie die alte Trilogie das erste Mal gesehen haben. Das konnte sich einfach nicht einstellen.

Dass gerade bei „Die dunkle Bedrohung“ vieles schlecht ist, ist aber natürlich auch eine Wahrheit, die man nicht wegdiskutieren kann. Insofern verstehe ich es, wenn Altfans sich irgendwie wünschen, sich das neue „Star Wars“ nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Darüber musste ich jüngst wieder nachdenken, da der Schauspieler Topher Grace (bekannt als Eddie Brock in „Spider-Man 3“) aus den Episoden I bis III einen Film gemacht hat, den er „Episode III.5 – The Editor Strikes Back“ nannte. Offiziell ist der natürlich nicht erhältlich, aber der Schauspieler hielt ein Screening seiner 85-minütigen Kompilation ab.

Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith - Star Wars: Episode III - Die Rache der SithEin weiteres Video

Ich habe diese Fassung auch nicht gesehen, aber nachdem, was man so hört, fehlt der Großteil von Episode I, alles mit General Grievous, alles mit der Klonarmee und der Großteil der politischen Elemente der Erzählung. Was bleibt, soll mehr als nur eine Aneinanderreihung von Action sein, sondern mit Hilfe von entfallenen Szenen und wenigen Charaktermomenten ziemlich gut funktionieren.

Jar Jar Binks fehlt bis auf einen kurzen Moment auch. Das wiederum ist sicherlich nicht schlecht, profitierte davon doch auch schon der so genannte „Phantom Edit“, bei dem ein Cutter praktisch alles mit Jar Jar aus Episode I entfernt hat, wodurch ein deutlich ernsthafterer Film herauskam (diese Version hab ich tatsächlich auch mal gesehen, dazu vielleicht ein andermal mehr).

Packshot zu Star Wars - Episode IV: Eine neue HoffnungStar Wars - Episode IV: Eine neue Hoffnung

2014 – Das Jahr, in dem alles anders ist

Das ist eine der Segnungen der sich ständig entwickelnden Technik. Zu VHS-Zeiten hätte man allenfalls eine sehr krude Version eines Fan-Schnitts machen können, heutzutage hat aber selbst der Laie die Technik zur Hand, mit der sich professionelle Ergebnisse erzielen lassen. Wobei es längst nicht nur Laien sind, die sich ihre eigene Version von Filmen erarbeiten (jüngst stellte Steven Soderbergh „Psychos“ vor, sein Amalgam aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ und Gus van Sants Remake).

Star Wars Inside #2 - Früher war alles besser?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
So oder so. Mit diesem Film fing alles an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Man ist dementsprechend nicht mehr unbedingt gezwungen, einen Film so hinzunehmen, wie er präsentiert wird. Dadurch, dass im Bonusmaterial der meisten DVDs auch entfallene Szenen enthalten sind, kann man der eigenen Kreativität vollen Lauf lassen. Allein, diese Versionen sind fast ausschließlich für den Hausgebrauch. Ein Vertrieb, auch einer ohne Profitabsicht, ist nicht möglich, zumindest dann nicht, wenn man als Urheber der Schnittfassung bekannt ist, wie im Fall von Topher Grace. Der anonyme Cutter des „Phantom Edits“ hat seine Version einfach ins Netz gestellt.

Man könnte zwar sicherlich noch lange darüber diskutieren, ob der persönliche Eingriff in den kreativen Prozess wirklich das ist, was man will oder ob sich da nicht eine gewisse Hybris zeigt, die dem Zuschauer nicht gut zu Gesicht steht, aber die grundsätzliche Möglichkeit ist natürlich eine feine Sache. Früher hatte man nur die Entscheidung: Akzeptieren und anschauen, wie es ist, oder nicht akzeptieren und ignorieren.

Heute kann man nach Lust und Laune (und vorhandenem Material, denn mehr als der Film als Primärquelle und ein paar entfallene Szenen sind nun mal nicht vorhanden) schalten und walten. Davon hätte man zu Zeiten der ersten Trilogie, aber auch noch vor der Jahrtausendwende, als „Star Wars“ ins Kino zurückkehrte, nur träumen können. Früher war eben doch nicht alles besser.