Nichts erhitzt die Gaming-Gemüter derzeit so stark, wie die Lootboxen in Star Wars: Battlefront 2. Deshalb haben die Gamona-Redakteure Marina und Darius sich einmal hingesetzt, um das Thema ernsthaft zu sizieren: Ist an dem Pay2Win-Vorwurf wirklich was dran?

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Update vom 17. November

Goodbye Mikrotransaktionen: EA entfernt das Bezahlsystem zum Release von Star Wars: Battelfront 2 aus dem Spiel (News). Vorläufig. In einem Blogpost auf der Homepage von EA entschuldigt sich DICE-Manager Oskar Gabrielson bei den Fans und teilt mit, dass die Entwickler das System der Mikrotransaktionen noch einmal von Grund auf überarbeiten werden, ehe es wieder ins Spiel integriert wird.

Marina: “Was macht der Gedanke an kaufbaren Upgrades mit uns?”

Erinnert ihr euch noch an jene Zeit, als ihr $50 bis $60 für ein Battlefield-Spiel bezahlt habt und dafür kam ein komplettes Spiel, ohne Unlocks, Upgrades oder Mikrotransaktionen? Und die Leute haben es gespielt, weil sie Spaß am Gameplay hatten? Gute Zeiten, gute Zeiten”, schreibt RPS-User Stargazer86 unter einem Artikel über die Lootboxen in Star Wars: Battlefront 2.

Erinnert ihr euch noch? An die Zeiten, in denen ihr nicht bei jedem einzelnen BF-Match eure Mitspieler und Gegner kritisch beäugen musstest, die Frage im Kopf, ob die Person sich ihre Leistung erkauft hat? Oder an jene Zeiten, als ihr selbst noch unzählige Stunden in Super Smash Bros. Melee gesteckt habt, um Mewtu freizuschalten und euch niemand beschuldigt hat, ihr hättet für ihn einfach bezahlt?

Wenn ihr mich fragt, liegt das Problem der Lootboxen und Mikrotransaktionen nicht an so-und-so-viel Spielstunden, die ihr euch für so-und-so-viel Euro kaufen könnt. Oder an der Menge an Euros, die ihr ausgeben müsst, um alles freizuschalten, was gar nicht ausgerechnet werden kann – da ihr mit eurem Geld Lootboxen kauft, die zufällig ausgewählte Inhalte hergeben.

Wer spielt Battlefront 2 einzig, um alles freizuschalten? Oder um in Darth Vaders Anzug zu schlüpfen? Vielleicht stehe ich allein da, aber ich spiele Battlefront, weil ich Spaß daran habe. Haben will. Nicht, weil ich die Beste sein muss. Mein Problem an den Lootboxen liegt an anderer Stelle, denn sie nehmen mir und vielleicht auch anderen den Spaß am Gameplay. Sie streuen Neid und Unwille in Form von “Der hat sich seine Power gekauft”; sie verwirren mit einem komplizierten Vier-Währungen-System und schließlich nehmen sie uns auch die Herausforderung, viele Stunden für einen besonderen Charakter ins Spiel zu investieren. Wo bleibt der Spaß, wenn ich meinetwegen 100 oder 200 Euro in das System stecke und dann plötzlich alles habe, was das Spiel mir geben kann?

Aber das sind nur die Gedanken eines Star-Wars-Fans, der sich hauptsächlich wegen des Singleplayers und des Franchises Battlefront 2 kaufen würde. Nicht, um mit dem stärksten Held alle anderen plattzutreten. Was ist aber, wenn wenn ich der Beste sein wollte und noch dazu genug Geld hätte, um mir dieses Privileg einzukaufen?

Licht in’s Dunkel bringen: Wie funktionieren die Lootboxen?

Ein paar Euro mehr und schon könnt ihr Darth Vader spielen? So einfach ist es tatsächlich nicht. In unserem Guide zu den Lootboxen und den Preisen erklären wir euch, wie viel ihr im Moment ausgeben müsst, um eine der drei Lootkisten zu kaufen (die tägliche Anmeldebox ausgenommen).

Für Geld bekommt ihr Kristalle, mit denen ihr die Boxen erwerben könnt. In ihnen findet ihr unter anderem Credits und Herstellungsteile, wobei ihr letztere dafür benutzten könnt, euch Sternenkarten zu basteln und eure Charaktere aufzupeppen. Hier beginnt also bereits der Schatten eines pay2win-Prinzips. Falls ihr, wie gesagt, einzig spielt, um zu gewinnen.

Kommen wir zu Darth Vader und Kampfpunkten, der vierten “Währung” in Star Wars Battlefront 2. Ihr kauft euch X Helden-Boxen, bis euch der Superbösewicht laut entgegen atmet. Vader wird allerdings zunächst in eurem Inventar bleiben, denn nur mit einer bestimmten Anzahl an Kampfpunkten dürft ihr den Star-Wars-Star überhaupt benutzen. Und das nur in einem Match,; ihr müsst diese Punkte also immer wieder ausgeben, um in Darth Vaders Umhang zu schlüpfen. Kampfpunkte sammelt ihr, wenn ihr in den Multiplayer-Wettkämpfen gut spielt.

Seien wir ehrlich: Um einen einzigen Helden im Spiel freizuschalten, müsst ihr ein paar Stunden spielen. Das war’s. Bis ihr ihn aber auch einsetzen könnt, braucht es ein wenig Zeit. Und mit genug Sternenkarten, die über Umwege käuflich sind, fällt es auch leichter, besser zu performen. Und Kampfpunkte zu sammeln. Der Kreis schließt sich hier, also: Ist Star Wars Battlefront 2 pay2win? Ich sage: Ja, ist es, aber nur, wenn ihr auch spielt, um zu gewinnen. Play2win? Dafür würde ich mir Battlefront 2 ohnehin nicht kaufen.

Darius: “Pay2Win in einem 60€-Spiel? Geht’s noch?”

Würde ich aus Bayern stammen, würde ich jetzt “I mog ned mer” schreiben. Zum Glück stamme ich aus Norddeutschland und beherrsche die deutsche Sprache. Aber mal im Ernst: Wie weit will EA eigentlich noch gehen?

Der Multiplayer von Battlefront 2 ist aus meiner Sicht unmissverständlich als “Pay 2 Win” anzuprangern. Nicht nur, weil die deutlich stärkeren Helden hinter einer Lootbox-Wand versteckt sind, nein, der Teufel liegt im Detail! Waffen- und Fähigkeiten-Upgrades, die ebenfalls nur über Boxen verfügbar sind. Früher nannte man diese Upgrades “Perks” und man bekam sie in Call of Duty für absolvierte Spielzeit und Skill. Als Anerkennung. Ich will ja nicht sagen “Früher war alles besser”. Aber wenn ich Call of Duty als positives Beispiel nennen muss, dann haben sich gewisse Dinge schon enorm verschlechtert.

Der frecheste Fall von Pay2Win in Battlefront 2 ist wahrscheinlich die Fähigkeit von Boba Fett (den man natürlich auch erst über eine Lootbox freischalten muss): Auf Stufe 1 wird dank einer bestimmten Star Card der eingesteckte Schaden, während er mit dem Jetpack schwebt, um 50% reduziert. Krass. Auf der zweiten Stufe reduziert sich der Schaden um 60, auf der dritten Stufe um 75 Prozent. Und jetzt kommt’s: Investiert man eine Menge Kohle, hat man mit ein wenig Glück die Möglichkeit diese Fähigkeit auf Stufe 4 zu bringen. Der Schaden reduziert sich dann um sage und schreibe 100%! Und das soll kein Vorteil sein? Wer’s glaubt…

Um diesem ganzen Schwachfug die Krone aufzusetzen, entschied sich EA sogar in der Kill-Cam die Star Cards und Fähigkeiten eures Mörders einzublenden. Was früher ein wichtiges Werkzeug zur Erkennung von eigenen Fehlern war, ist heute ein Werbemittel der übelsten Sorte. Früher wusste ich durch die Kill-Cam, dass ich mich falsch bewegt hatte. Heute weiß ich, dass ich einfach nicht so viel Geld wie mein Gegenüber ausgegeben habe.

Nein, ich kann das alles absolut nicht gutheißen. Schon vor einem Monat habe ich diese Welle der Lootboxen angeprangert (Artikel), nichts ahnend, dass auch Battlefront 2, ein eigentlich gutes Spiel, von denselbigen zerfressen werden würde. Ich hoffe, dass dieser Shitstorm für EA eine Lehre war. Es wäre das erste Mal. Aber es wäre ein Anfang.

Werdet ihr euch Star Wars: Battlefront 2 kaufen; jetzt, da die Mikrotransaktionen aus dem Spiel genommen wurden? EAs Rückzug ist eine klare Reaktion auf die Fans des Franchises, allerdings bleibt die Frage, wann sie das Bazhlsystem wieder einführen möchten. Und ob das die richtige Entscheidung des Spieleentwicklers und -publishers ist.