Kneif mich mal einer. Ist das hier wirklich noch ein Spiel oder der wahrgewordene Nerd-Traum eines jeden Star-Wars-Fans? Mit den fast schon fotorealistischen Original-Speederbikes vom Filmset aus Die Rückkehr der Jedi-Ritter, nur digitalisiert dank modernster 3D-Fotoscan-Software. Mit den exakt gleichen, leicht nachhallenden Laserfeuer-Sounds der Filme.

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Und doch musste Star Wars: Battlefront am Wochenende nach seiner Enthüllung massiv Kritik einstecken, weil es keine richtige Kampagne bietet und DICE die galaktischen Weltraumschlachten gestrichen hat. Den Schweden schlägt dafür in den Weiten des Internets mitunter blanker Hass entgegen. Doch ich denke es ist Zeit sich mal genau anzuschauen, was dieses Star Wars: Battlefront eigentlich kann und nicht nur darauf zu achten, was es nicht kann. Und sich mit DICE zu unterhalten, warum beispielsweise die AT-ATs auf Endor nicht direkt steuerbar sind.

Star Wars Battlefront - Wenn ein Filmset aus dem Jahr 1983 zum Leben erwacht

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Im Weltraum wird nicht gekämpft, aber auf Hoth müsst ihr als Rebell mit Snow Speedern AT-ATs knacken.
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Endor. Jahrtausendealte Bäume schießen vor mir in die Lüfte und bilden über zahlreiche Hängebrücken das Zuhause meiner Freunde, kleiner knuffiger Teddybär-ähnlicher Wesen. Die Ewoks sitzen in ihren Baumhäusern, gucken etwas verängstigt auf mich herab und zucken zusammen, wenn im nächsten Moment der Sound von Laser-Feuer die Stille durchbricht. Ich bin etwas überrascht und erstaunt, denn das Geräusch hört sich exakt so an wie auf meiner Blu-ray zu Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Es hat auch diesen leichten dumpfen Hall und wirkt nicht so überzeichnet wie das heute in Hollywood der Fall ist.

Ich selbst sitze in der grünen Rüstung eines Rebellen auf einem 74Z-Speederbike und fahre durch Endor. Okay, "fahren" ist eigentlich das falsche Wort, denn ich bin mit einem Affenzahn unterwegs. Leider spiele ich hier auf der Star Wars Celebration nicht selbst, doch kann den Controller von Design Director Niklas Fegraeus von DICE sehen. Es ist schon faszinierend, wie die Schweden die Balance zwischen Geschwindigkeit und Handling hinbekommen. Das Speederbike fährt sich fast wie eine getunte Ducati, sprich: Die Figur lehnt sich hart in die Kurve und driftet förmlich an den Bäumen vorbei.

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DICE setzt auf Individualität. Wer Lust hat, streift sich im Charakter-Editor die Maske von Filmcharakteren wie dem Sullustaner Nien Nub über.
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Das Speederbike lässt sich mit keinem Fahrzeug aus Battlefield 4 vergleichen. Es ist fast so schnell wie ein Kampfjet, doch durch die Schubdüsen, die sich nach hinten verkehren lassen, bremst es so schnell ab wie ein Supersportler. Die Waffensysteme wiederum erinnern an die Airforce aus Battlefield: Beide Geschütze auf Höhe des Motors sind starr, ihr müsst also das Gefährt gut im Griff haben, um Treffer zu landen.

Oder ihr fahrt die feindlichen Stormtrooper einfach um, wobei das ähnlich riskant ist wie mit einem Buggy eine Gruppe G.I.s anzugreifen: Die Speederbikes haben wie in den Filmen keinerlei Panzerglas, bieten also keinen Schutz gegen Infanterie. Klingt das nicht eigentlich ziemlich geil?

Warum geben wir Spielen so selten eine echte Chance?

Vielleicht hat mich die Star Wars Celebration deshalb so fasziniert, weil sie den riesigen Unterschied zwischen Filmfans auf der einen und Spieleliebhabern auf der anderen Seite aufzeigte. Auch Star-Wars-Fans halten nicht mit Kritik an J.J. Abrams Werk The Force Awakens zurück und analysieren jeden Frame. Doch sie können sich auch freuen, eine Fähigkeit, die wir Gamer scheinbar verlernt haben.

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Wir haben Battlefront auf Playstation 4 und PC gesehen. Auf PC sind die Texturen tatsächlich so gestochen scharf.
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Es waren Emotionen pur, als ich mit mehreren tausend Menschen im Anaheim Convention Center saß und die Menge in Ekstase fiel, als sie zum Ende des Teasers hin Han Solo und Chewbacca sah. Zwei alte Bekannte, die sie unglaubliche 32 Jahre nicht getroffen hatten. Wie die Fans gefeiert haben, das war einfach schön. Und dann wurde Star Wars: Battlefront enthüllt und in den Kommentarspalten des Internets kocht die blanke Wut.

Ja, es wird keine richtige Kampagne geben, das stört mich auch. Und Weltraum-schlachten werden wohl erst per DLC kommen, auch das ein Kritikpunkt. Doch warum trampeln alle nur mit den Füßen auf und schreien ihren Hass auf einen Entwickler in die Weiten des Internets, anstatt sich einfach mal zurückzulehnen und zu überlegen, was an dieser Enthüllung denn eigentlich positiv, spannend und vor allem auch mutig war? Denn ja, Star Wars: Battlefront ist ein sehr mutiges Spiel. DICE hätte es sich leicht machen können, hätte einfach nur ein Battlefield im Star-Wars-Gewand abliefern können. Doch das wollen sie nicht, die Schweden wollen eine völlig neue Erfahrung schaffen. Mit neuen Modi wie Walker Assault, die sehr viel mehr taktischen Tiefgang mit sich bringen als alles, was Battlefield 4 bietet.

Wie funktioniert der neue Modus Walker Assault?

Auf der Star Wars Celebration haben wir einem Match im Modus Walker Assault beigewohnt. Zuerst auf der Playstation 4, dann auf dem PC. Wohlgemerkt einer Partie, die live vorgespielt wurde, also nichts mit dem Trailer zu tun hat, den ihr vermutlich bereits auf Youtube gesehen habt. Wir erleben das Gefecht aus der Sicht eines Rebellen, wobei es keine herkömmlichen Klassen gibt, stattdessen ein Slot-System, das an Pick10 von Call of Duty erinnert. Ihr entscheidet also, ob ihr lieber mehrere EMP-Granaten gegen die AT-STs mitnehmt oder lieber nur eine Granate, dafür aber Spezialequipment wie ein Jetpack oder einen Schildgenerator.

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Teamplayer gesucht: Wenn einer den Schutzschild aktiviert und der andere im gleichen Moment sein Jetpack, um einen AT-ST zu killen, ist perfektes Timing notwendig.
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Außerdem wählt ihr aus einer Primärwaffe wie einem Blaster, einem Scharfschützengewehr oder einer Laser-Shotgun sowie einer Sekundärwaffe, wobei auch Han Solos legendäre DL-44 Blasterpistole zur Verfügung steht. Sehr viele Fans stören sich daran, dass im Modus Walker Assault das gegnerische Team lediglich die Geschütze der AT-ATs bedient, sie jedoch nicht steuert. Das ist definitiv schade, doch Design Director Niklas Fegraeus nennt dafür einen schlüssigen Grund: „Die Walker fungieren in Walker Assault als Objective, als Missionsziel. Zudem haben wir natürlich sehr lange experimentiert und dabei herausgefunden, dass die AT-ATs letztlich zu gefährlich für die Balance sind. Endor ist ein dicht bewaldeter Planet, das ist nicht Hoth. Es gibt dort nur sehr begrenzte Möglichkeiten für die Luftwaffe einzugreifen. Während ihr auf Hoth mit Snow Speedern kämpfen könnt, geht das auf Endor nicht“. Deshalb hat sich DICE für zwei andere Varianten von Takedowns entschieden: Y-Wing-Bomber und Tag-Team-Kombos.

DICE überzeugt mit der Präsentation, auf der E3 wollen wir aber endlich selbst spielen!Ausblick lesen

Fühlt sich im ersten Moment taktischer an als Battlefield

Battlefield 4 ist sicherlich durchaus taktisch angelegt, aber die einzelnen Fraktionen operieren mit sehr ähnlichem Equipment, das auch die Infanterie ruckzuck knacken kann. Die Kampfpanzer spielen deshalb keine überdominante Rolle, weil sie sich recht leicht mit Raketenwerfern oder ein paar C4-Päckchen killen lassen. Ganz anders die AT-STs, gegen die wir in Walker Assault zu Beginn kämpfen. Deren Außenhaut ist zu stark gepanzert für die Blaster der Rebellen.

Wichtig hierbei zu wissen: Es gibt nicht die Möglichkeit, direkt zu Beginn einen Raketenwerfer mitzunehmen, sondern der funktioniert als Battle-Pick-Up, ganz ähnlich wie ihr das schon aus Battlefield: Hardline kennt. „Das ist eine bewusste Designentscheidung, um euch sanft zu mehr Teamplay zu zwingen. Letztlich müsst ihr es in der Gruppe zum Raketenwerfer schaffen, anders lassen sich die AT-STs nicht knacken“, erklärt der Design Director.

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Am 08. Dezember gibt’s für alle Käufer des Originalspiels den DLC Battle of Jakku kostenfrei dazu. In The Force Awakens trifft Riley auf Jakku dann BB-8 und Finn.
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Und genau daraus kristallisiert sich sehr viel Spaß, weil ihr auch auf der kleinsten Ebene taktischer denken müsst. Während also das eine Team angreift und so das Feuer auf sich lenkt, bricht eine kleinere Kommandoeinheit von vier oder fünf Mann zum Raketenwerfer durch. Einer davon sollte ein Jetpack dabei haben, denn die AT-STs sind an der Cockpit-Kanzel am verwundbarsten.

Und hier greift jetzt diese Taktik-Komponente, die ich bei der Demo sehr faszinierend fand. Ihr könnt Tag-Teams bilden, quasi ein Zweier-Squad, wodurch euch Ingame visuell immer eingeblendet wird, wo sich euer Kamerad gerade befindet. Das ist wichtig, denn für den finalen Takedown müsst ihr zu 100 Prozent als Team funktionieren.

Man muss als Tag-Team harmonieren

Die AT-STs verfügen über drei verschiedene Waffenplattformen: ein Hauptgeschütz in der Mitte sowie eine Raketenbatterie links und eine Minigun rechts. Die Feuerkraft ist extrem, selbst in einem größeren Infanterie-Verbund habt ihr kaum eine Chance. Stattdessen muss euer Tag-Team-Partner einen Energieschild-Generator als Zusatz-Item in seinen Vierer-Slot einpacken. Wirft er den auf den Boden, fährt der Schutzschild für kurze Zeit hoch.

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Ein alter Bekannter: Darth Vader, Luke Skywalker, Han Solo und Boba Fett sind spielbare Helden in Star Wars: Battlefront.
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Diesen Moment müsst ihr nutzen und euch mit dem Jetpack so hochkatapultieren, dass euch die Geschütze des AT-STs nicht erreichen können (die lassen sich nämlich nicht 360 Grad drehen). Aus der Luft feuert ihr den Raketenwerfer auf die Kanzel, der AT-ST ist erledigt. Wenn jetzt der AT-AT angestapft kommt, heißt es: Köpfe einziehen, sich schnell in den Busch verkriechen und über Umwege die Uplink-Knoten auf der Karte einnehmen.

Erst, wenn ihr alle Knoten eingenommen habt, öffnet sich die Tür zum imperialen Schildbunker von Endor. Schafft ihr es hier zur Kommandokonsole, könnt ihr den Schild herunterfahren und den Angriff einer Y-Wing-Bomberstaffel auf die AT-ATs befehlen. In der Demo gelingt das unserem Vorspieler erst in letzter Minute. Kurz darauf blitzt das rote Lichtschwert eines Mannes in pechschwarzer Rüstung auf: Darth Vader ist einer der Helden, die besonders gute Spieler als Bonus für kurze Zeit spielen dürfen. Eine Figur, so furchterregend wie in den Filmen. Er greift den Rebellen, hebt ihn mit Hilfe der Macht in die Luft und das Bild blendet aus.