Star Wars ist sicherlich eine der größten Entertainment-Marken aller Zeiten. Man muss sich nur den Hype um den neuen Film ansehen, um die Tragweite halbwegs zu erfassen. Wie geil wäre es da, ein passendes Spiel dazu zu haben. Eines, das mich emotional mitreißt, in dem ich grafisch aus dem Staunen nicht mehr rauskomme und das mich meine Lieblingshelden (oder Bösewichte) zocken lässt und epische Schlachten bietet. Ob Star Wars Battlefront dieses Game sein könnte? Auf ins Gefecht: Ich sage euch im Test, was ich von EAs Shooter halte. ARE YOU WITH ME?!

Star Wars Battlefront lässt sich inhaltlich grob in zwei Abschnitte teilen: die Einzelspieler-Modi und den Mehrspieler-Modus. Der Singleplayer-Modus hat im Vorfeld der Veröffentlichung für den meisten Gesprächsstoff gesorgt, nachdem bekannt wurde, dass Entwickler Dice keine Kampagne anbieten wird. Diese Info hat auf viele Battlefront-Fans zunächst gewirkt wie das Weihwasser auf den Teufel. Wenn ich ehrlich bin, ging es mir nicht viel anders – auch ich hätte am liebsten eine vollwertige Story-Kampagne gehabt. Wenn schon nicht auf den neuen Filmen basierend, dann bitteschön auf den alten. Nun ist es anders gekommen und ich finde, dass mir damit etwas fehlt - das emotionale Herzstück, sozusagen. Aber sei es drum, lässt sich ja auch mit allem Gemecker nicht ändern.

Den Singleplayer sollte man in dieser Form am ehesten als ein groß angelegtes Trainingszentrum verstehen, in dem ich mich für die Mehrspieler-Gefechte warm zocke: Man lernt die Waffen kennen, die Karten, die Helden-Charaktere oder erlernt das Fliegen von TIE-Fightern und X-Wings. Erfahrene Zocker werden das nicht unbedingt brauchen und diese Modi eher spielen, um sich virtuelle Credits und Freischaltungen zu erspielen. Und mal ehrlich: Sooo viel gibt es auch nicht zu lernen. Die Jagdflieger beispielsweise hat man innerhalb einer Minute begriffen, das ist alles nicht sonderlich kompliziert.

Star Wars Battlefront - Yoda geht was

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Der Star-Wars-Nerd in uns rastet gerade ein bisschen aus.
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Mehr als drei Funktionen muss man in der Regel nicht erlernen, um die Fahrzeuge zu meistern. Dabei spielt es keine Rolle, ob man in einem Jagdflieger sitzt, ein Speederbike steuert oder einen AT-ST kommandiert. Im TIE-Fighter oder X-Wing kann man standardmäßig mit Blastern feuern oder die Geschwindigkeit bestimmen. Darüber hinaus können Erstere bei Gefahr einen Turbo zünden, Letztere einen Schild einsetzen (beides, wie alle Funktionen, mit ein paar Sekunden Abklingzeit). Außerdem kann ich eine Ausweichrolle initiieren (D-Pad) und so etwa einer Rakete ausweichen. Allzu effektiv sind diese Abwehrmaßnahmen jedoch nicht, meist rauscht schon nach kurzer Pause die nächste Rakete an.

Battlefront ist nicht gleich Battlefield

Ähnlich verhält sich das übrigens mit den normalen Rebellen oder Sturmtrupplern: Abhängig davon, wie ihr im Inventarmemü eure Kartenhände zusammengestellt habt, zieht ihr immer mit maximal drei Ausrüstungsgegenständen ins Gefecht: etwa einer Granate, einem Scharfschützengewehr und einer Anti-Vehikel-Wumme. Ein Klassensystem, wie man es etwa aus Battlefield kennt, gibt es also nicht.

Packshot zu Star Wars BattlefrontStar Wars BattlefrontErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Über Ausrüstung muss man sich im Allgemeinen keine allzu großen Gedanken machen. Die Waffen unterscheiden sich nur geringfügig und dadurch, dass man seine Kartenhände nur mit jeweils drei Gegenständen bestückt, sind die Möglichkeiten zur Spezialisierung eher limitiert. In den etwa 30 Stunden, die ich Battlefront bislang gespielt habe, hatte ich nur selten das Gefühl, dass die Wahl der Waffe oder anderer Ausrüstungsgegenstände den Spielablauf groß beeinflussen würden. Den größten Unterschied machen noch spezielle Gadgets wie das Jetpack oder Ionen-Granaten, mit denen sich insbesondere Fahrzeuge zerlegen lassen. Auch die Helden verfügen übrigens nur über ein sehr eingeschränktes Fähigkeits-Repertoire, hier geht es ebenfalls mit drei Talenten in die Schlacht.

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Pewpewpew: Wirklich Schmackes haben die Laserknarren in Battlefront leider nicht.
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Das Trefferfeedback der Schießprügel ist für meinen Geschmack im Allgemeinen viel zu schwach: Ob ich jemanden treffe oder nicht, ist nicht immer ersichtlich. Bei einem Rennspiel würde ich von schwammiger Fahrweise sprechen, hier ist es eher ein unbefriedigender Zustand, bei dem ich nie so genau weiß, ob ich einen Volltreffer lande oder nur einen Streifschuss – wenn überhaupt. Dazu kommt, dass man sich die Fadenkreuze eigentlich komplett sparen kann. Wer nicht komplett blind ist, wird seine Feinde auch ohne Kimme/Korn erspähen und kann ohne Zeitverlust sofort aus der Hüfte feuernd draufhalten. Das spart wertvolle Millisekunden und einen Unterschied hinsichtlich der Präzision gibt es ohnehin nicht. Aus einem ähnlichen Grund spiele ich Battlefront auch meistens aus der 3rd-Person-Perspektive: Ich habe einen besseren Überblick über das Geschehen und kann schneller reagieren als Spieler, die in der Ego-Sicht zocken.

Zusammengefasst lässt sich also über die Singleplayer-Missionen sagen, dass sie vor allem dazu dienen, sich mit den verschiedenen Spielmechaniken anzufreunden. Am meisten Sinn ergibt das noch bei den Heldenfiguren wie Darth Vader oder Luke Skywalker. Sie unterscheiden sich in der Spielweise deutlich von den normalen Infanterieeinheiten und verfügen über Spezial-Talente, deren Anwendung einen gewissen Lerneffekt voraussetzen. Ich will nicht unerwähnt lassen, dass man die Missionen des Singleplayer-Modus auch per Splitscreen und kooperativ zocken kann. Das ist immerhin ein Mehrwert, den viele aktuelle Spiele nicht mehr bieten (wollen). Aber selbst, wenn man diesen Modus kooperativ mit einem Kumpel zockt, verliert er sehr schnell an Reiz.

Geiles Star-Wars-Feeling, aber der spielerische Tiefgang bleibt auf der Strecke.Fazit lesen

Ein Wort noch zu einem Ärgernis, das vor allem im Mehrspieler-Modus für Verdruss sorgt: Die Respawn-Punkte sind leider zu oft mit dem nächsten Bildschirm-Tod verbunden, weil man dem Gegner direkt vor die Flinte gesetzt wird. Ein Punkt, an dem Dice schnellstens Abhilfe schaffen sollte.

Mittendrin statt nur dabei

Bevor ich zum Mehrspieler-Modus komme, noch ein paar Worte zur Technik. Audiovisuell ist Star Wars Battlefront ein Brett, das die Star-Wars-Stimmung perfekt einfängt. Man merkt, dass hier Leute am Werk waren, die dieses Universum lieben und entsprechend viel Herzblut in all die wundervollen Details gelegt haben. Von der gesamten erstklassigen Präsentation – dazu gehört auch der Original-Soundtrack und die Effekte der Filme! – ist man oft geflasht. Herausragend gelungen ist dabei die Gestaltung von Endor und dessen Waldwelt. Aber so ein bisschen ist das auch eine Nebelkerze, die spielerisch nicht vorhandene Tiefe kaschieren soll. Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass viel mehr von der Umgebung zerstörbar ist – abgesehen von ein paar umfallenden Bäumen oder explodierenden Kisten kann auch schwerster Beschuss kaum etwas ausrichten. Der Mehrspielermodus bietet insgesamt neun Modi, aber auch hier wird ein wenig Augenwischerei betrieben, denn richtige Abwechslung bieten nur eine Handvoll. Mehr Abwechslung hätte dem Spiel gut getan. Ähnliches gilt für das das Angebot an Maps, zumal einige Spielmodi nur auf vier Karten angeboten werden. Nach der Ankündigung der DLCs ist klar, dass der Umfang in diesem Bereich erst mit dem Einsatz von Extrakohle richtig befriedigend wird.

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Gemeinsam sind wir stark

Wie schon gesagt, finde ich einige Modi redundant, andere wärmen nur das auf, was man schon von anderen Shootern zur Genüge kennt: Fracht (Capture the Flag), Vorherrschaft (Domination) oder Gefecht (Deathmatch) reißen mich nicht gerade vom Hocker, weil ihnen das Besondere fehlt, dass ich von Star Wars erwarte. Herausheben möchte ich dagegen drei Modi, die mir gut gefallen: Neben Jägerstaffel spiele ich am liebsten Kampfläuferangriff und Helden vs Schurken. Alle drei Modi bieten etwas, das andere Spiele nicht bieten können.

In Helden vs. Schurken (6 gegen 6) schlüpfen immer drei Spieler auf jeder Seite in die Rolle der Helden (Luke, Leia, Han Solo) oder Schurken (Vader, Boba Fett, Imperator) und versuchen, die Gegenseite platt zu machen. Die jeweils anderen drei Spieler agieren als Leibwachen. Die Runden spielen sich richtig flott und abwechslungsreich und der Reiz besteht natürlich vor allem darin, als eine der Hauptfiguren des Star-Wars-Universums antreten zu können. Die Balance ist ein bisschen wackelig, weil gerade Luke und Vader im Nahkampf verdammt harte Gegner sind, die man nur schwer auf Distanz halten kann.

Die Kampfläuferangriffe sind spielerisch am vielseitigste. Neben packenden Infanteriegefechten kann ich mich auch in Luftkämpfe stürzen oder Vehikel wie den AT-ST steuern oder bei den AT-AT als Bordschütze aktiv werden. Das ist spielerisch zwar keine Herausforderung, bringt aber leichte Punkte. Und das hat sich natürlich unter den Spielern bereits herumgesprochen und die entsprechenden Einstiegspunkte (Hologramme) sind entsprechend begehrt und belagert. Bei aller Einsteigerfreundlichkeit ist das ein Punkt, der Anfänger frustrieren könnte: Die Profis holen sich die (immer an der gleichen Stelle aufploppenden) Marken und kommen so öfter an die coolen Seiten des Spiels. Im Gegensatz zu meinen Beta-Impressionen kam dagegen eher selten das Gefühl auf, dass das Imperium dank der Firepower von AT-AT oder AT-ST unfair bevorteilt würde. Je länger die Spieler dabei sind, desto besser durchschauen sie die Mechaniken und lernen, die vor sich hin stampfenden Kampfstationen auszuschalten.

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Mit dem Millenium Falken fliegen, 12/10.
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Last but not least: die Flug-Schlachten im Modus Jägerstaffel. Sie sind zweifellos sehr zugänglich und auch für Anfänger beherrschbar (anders als etwa Jets oder Hubschrauber in Battlefield) und es macht ungemein Spaß, mit X-Wings oder TIE-Fightern, Slave 1 oder Millennium Flacon herumzudüsen und Gegner abzuballern. Das Problem ist auch hier, dass die Gratwanderung zwischen spielerischer Zugänglichkeit und anspruchsvollem, über längere Zeit motivierenden Gameplay nicht passt. Viel zu oft krepiert man jämmerlich schnell, ohne reagieren zu können, weil die Abwehrmaßnahmen der Jagdflieger für intensive Luftkämpfe spielerisch kaum ausreichend konzipiert sind. Es ist zwar cool, mal in den Rasenden Falken oder andere bekannte Raumschiffe zu steigen, doch die Spielmechanik bleibt unterm Strich oberflächlich. Man kann zum Beispiel gegnerische Flieger nicht dauerhaft aufschalten, um sie weiterverfolgen zu können – das Radar ist dabei kaum eine Hilfe. Weitere Details habe ich ja bereits weiter oben beschrieben. Als Zugeständnis an die etwas schwächeren Spieler bevölkern Massen an computergesteuerten Gegnern die Lufträume – das ähnelt dann schon manchmal einem billigen Tontaubenschießen.

Die anderen sechs Modi können mich dagegen kaum für längere Zeit begeistern und sind eher Füllmaterial. Heldenjagd zum Beispiel ist völlig nervig, basiert rein auf Glück. Hier geht es darum, dass ein Spieler zu Beginn zum Helden ausgerufen wird – wer ihn platt macht, übernimmt seine Rolle (mit einem anderen Helden). Allerdings gilt dabei, wer den letzten Schuss setzt und nicht, wer am meisten Schaden verursacht. Und nur wer Held ist, kann punkten. Generell ist Star Wars Battlefront dann am stärksten, wenn ich den Heldenfiguren begegne oder sie gar zocken kann. Sie sind nicht nur mächtig, sie fühlen sich auch so an: Als Feind flößen sie Respekt ein – wenn ich an der Seite von Darth Vader oder Luke Skywalker kämpfen darf, ist das immer eine große Motivation und es sind die emotionalen und spielerischen Höhepunkte des Spiels.

Möge die Macht mit diesen Artikeln sein: