Bitte! Bitte nehmt das Star-Trek-Franchise und reißt ihm das Herz aus der Brust. Dann belebt es wieder, haut eine Tonne Make-up drüber und zerfleischt es anschließend nochmal. Ich bin ja nun alles andere als ein eingefleischter Fan der Geschichten rund um die Enterprise, auch wenn ich die Abenteuer des Tee schlürfenden Vaters der Nation, Captain Jean-Luc Picard, immer fasziniert verfolgt habe... Aber was den Trekkern hier wieder angetan wird, ist schon mehr als beleidigend.

Wer es glaubt, ist selber schuld

Da werden lange Zeit Versprechungen gemacht. Von einem actiongeladenen Titel wird gesprochen. Von tollen Koop-Einsätzen, einer erstklassigen Grafik und einer packenden Story. Von einem Spiel wird gesprochen, dass „Star Trek: Into Darkness“ gerecht wird und eine völlig neue Geschichte erzählt, die Trekkies fesseln und umhauen wird.

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Nun, wenn wir ehrlich sind, wer sich bei Spielen zu Filmen, oder Filmen zu Spielen, im Vorfeld wirklich Hoffnungen macht, ist meistens schon verloren. Doch war ja nie die Rede von einer Filmumsetzung. Eine eigene, spannende Geschichte will dieser Titel erzählen und zusätzlich ganz neue Wege gehen...

Na, ja. Am Ende ist davon leider nicht viel zu sehen. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, war es nichtmal so wirklich schlecht. Zwar auch weit entfernt von 'gut', aber die schönen Sprüche, die das Spiel mit James T. Kirks Kampf gegen den Gorn vergleichen sollten, musste ich mir leider sparen. Und da waren echt ein paar gute bei... Aber die Wirklichkeit sieht leider noch erschreckender aus, denn „Star Trek“ ist kein durch und durch mieses Spiel, sondern einfach nur belanglos.

Auf der einen Seite ist es natürlich löblich, dass die Echsenwesen aus der Original-Star-Trek-Serie nicht mehr aussehen wie Godzilla für Arbeitslosenhilfeempfänger, aber da hört das Lob auch schon fast wieder auf. Ein / zwei nette Dinge kann man vielleicht noch sagen und was dann übrig bleibt, ist leider kein Kassenschlager.

Das Spiel ist tot, Jim!Fazit lesen

Zu Beginn des Spiels entscheidet ihr euch entweder dafür, den heldenhaften Captain James T. Kirk in jung zu spielen oder einen spitzohrigen Vulkanier namens Spock, von dem vielleicht schonmal der eine oder andere gehört hat. Diese Urgesteine der Science-Fiction-Welt unterscheiden sich im Grunde nur durch einige wenige, äußerst belanglose Nuancen in ihren Fähigkeiten und Waffenfunktionen.

Was sie aber absolut gemeinsam haben und worin sich den beiden die gesamte restliche Crew der Enterprise und jedes menschenähnliche Wesen im Universum anschließt, sind die ausdruckslosen Gesichter, gefangen als Teil eines grobmotorischen Körpers. Jetzt mal ehrlich: wenn Spock die ganze Zeit über gelangweilt aussieht, kann ich das ja noch irgendwo verstehen. Aber wenn wirklich jeder rumläuft, als hätte er kein Bock mehr, vergeht mir der Spielspaß schneller als ich „massereduzierendes Subraumfeld“ sagen kann.

Star Trek - Pew Pew Pew Pew Pew! Das Spiel ist tot, Jim!

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Jetzt mal fröhlich! Und jetzt mal ernst. Jetzt mal wütend...
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Aber was bleibt mir dann unterm Strich noch? Ich habe ausdruckslose Helden, eine Hintergrundgeschichte, die banaler kaum sein könnte, auch wenn ich zugeben muss, dass es schon die eine oder auch andere Star-Trek-Folge gab, die auf gleichem Niveau operierte, und das Ganze verpackt mit einigen Anspielungen auf ältere Folgen / Filme, die lediglich waschechte Fans der Serie verstehen werden; dafür jedoch für den einen oder auch anderen Lacher sorgen.

Wenn man in Sachen Handlung / Grafik überhaupt etwas positiv erwähnen kann, dann sind es die Einrichtungen der verschiedenen Anlagen. Hier schmerzt der Sehnerv nur mit halber Kraft und wenn man seine Augen fest zusammenkneift, sieht das Ganze sogar recht annehmlich aus. Schade, dass mit der Vielfalt der Objekte so sparsam umgegangen wurde, wodurch man immer und immer wieder das Gleiche zu sehen bekommt.

Star Trek - Preview-Screenshots

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Aber zumindest starren die Räumlichkeiten einen nicht so unfassbar dümmlich und auf der anderen Seite so erschreckend emotionslos an, dass man sich in die 90er Jahre zurück versetzt fühlt. Nein, wirklich. Was soll das? Das Öffnen und Schließen der Futterluke und gelegentliches Bewegen der Augen machen noch keine Mimik. Wir erwarten hier ja kein Heavy-Rain-Niveau, aber wenigstens einen kleinen Ansatz von Lebenszeichen darf man ja wohl erwarten. Und nicht eine Crew voller Humanoide, die sich scheinbar Botox gespritzt haben...

Packshot zu Star Trek: The GameStar Trek: The GameErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Was von den ganzen Versprechungen also überlebt hat, ist die Tatsache, dass der Titel auf den zweiten Teil des Star-Trek-Reboots aufbaut und eine eigene Geschichte verfolgt. Das stimmt tatsächlich, auch wenn die Geschichte uninteressant ist, nicht sonderlich spannend erzählt und in einer altbackenden Grafik daher kommt. Hab ich schon diese starren Gesichter erwähnt? Also wirklich...

Wow! Ein bisschen wie Mass Effect.

Im Ansatz ist das Gameplay von 'Star Trek' nicht mal annähernd so verkehrt. Nein, die Idee eines 3rd-Person-Shooters, mit der einen oder auch anderen Rätseleinlage, gefällt. Doch es bleibt die Vermutung, dass Digital Extremes nie vorhatte, ein wirklich gutes Spiel zu entwickeln, sondern einfach nur ein wenig Fleischermeister an einem berühmten Titel spielen wollte.

Denn müsste man nicht meinen, wenn jemand eine brauchbare oder sogar gute Idee hat, würde er auf diese bauen? Könnte man nicht denken, dass mit ein bisschen Arbeit und vielleicht einer Prise Ehrgeiz ein wirklich gutes Star-Trek-Spiel zustande kommen müsste? Wie kann ich mir also anders erklären, dass jeder gute Ansatz ein Rohrkrepierer ist und nicht mal versuchsweise ausgebaut wird?

Die levelbaren Fähigkeiten der beiden Protagonisten sind genauso banal wie das Spiel in seinem Kern. Und das recht ansehnliche Arsenal an Waffen, das man im Laufe der Missionen nutzen kann, täuscht nicht über den kläglichen Versuch hinweg, ein Spiel so darzubieten, wie es im finalen Stadium einfach nicht ausschaut.

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Wo ist Spider-Man, wenn man ihn mal braucht?
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Gäbe es nicht die Möglichkeit, die Enterprise zu erkunden und das eine oder auch andere Schwätzchen mit den Crewmitgliedern zu führen, so bestünde eure Aufgabe zu 95% daraus, in einer Deckung zu hocken und zu warten bis man entweder: a) zurückfeuern kann, oder b) die Möglichkeit hat, in die nächste Deckung zu sprinten.

Die restlichen fünf Prozent würden daraus bestehen auf euren Tricorder zu starren, um euch den aktuellen Weg anzeigen zu lassen und mit gleichem Gerät Türen und Geschütze zu überbrücken. Das ist tatsächlich alles, was ihr tut. Ihr lauft ein wenig herum und scannt Dinge mit eurem Taschenspielzeug, geht in Deckung, um ein paar nervige Echsen zu erschießen, und folgt Stromkabeln, um an deren Ende Konsolen zu finden, die euch die nötigen Türen öffnen, um dahinter von vorne zu beginnen.

Immer wieder gibt es dann und wann auch Ansätze von wirklich guten Ideen. Kleine Mini-Aufgaben, wie eine waschechte Raumschlacht, Luftunterstützung in Form von einigen Schüssen der Enterprise auf ein festgelegtes Ziel und... Nee, das war es eigentlich schon. Wäre ja auch gar nicht so schlimm, gibt es doch durchaus Spiele, die schon mit weniger Erfolg hatten.

Doch leider ist die Umsetzung so plump, so belang- und lieblos, dass es schlichtweg kaum Spaß bietet. Wer bereits Geld dafür ausgegeben hat oder ein echter Hardcore-Star-Trek-Fan ist, wird das vielleicht anders sehen, aber unterm Strich bleibt es die gleiche Aussage: dieses Spiel gibt sich einfach keine Mühe.

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Ich glaube... ich geh jetzt mal in Deckung.
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Das nette Deckungssystem und die Möglichkeit verschiedene Dinge zu scannen, um mit den dadurch gewonnen Erfahrungspunkten neue Fähigkeiten freizuschalten, erinnert ganz entfernt an Mass Effect. Besonders der Part, wo ihr aus der Deckung lugt und mit Phaser-Feuer antwortet. Dabei bleibt es leider auch schon. Und im Gegensatz zu eben erwähnten Konkurrenztitel, ist es einfach unfassbar billig umgesetzt.

Und für wen der beiden Protagonisten ihr euch auch immer entschieden habt, der KI-gesteuerte Partner wird kaum eine brauchbare Unterstützung darstellen. Dumm und einfallslos trottet er euch hinterher, rennt ins gegnerische Feuer, direkt vor stationäre Geschütze und in Explosionen und beamt sich hier und dort mal hinterher, weil er den Anschluss verloren hat.

Aber keine Sorge. Damit steht er der Feind-KI in nichts nach. Die ist genauso plan- und motivationslos, geht irgendwo und nirgendwo in Deckung und feuert dann mal ein bisschen in der Gegend herum. Manchmal verliert sie auch völlig die Lust, stellt sich in die Mitte des Raums und wartet, bis ihr sie von ihrem Elend erlöst. In solchen Momenten hat das Spiel fast schon etwas Philosophisches. Die Frage nach dem 'Warum' und 'Wieso eigentlich immer ich' stellt sich einem und die Gedanken schwirren durchs Universum und suchen nach der finalen Antwort auf jegliche Fragen. Die besteht in der Regel aus einigen soundschwachen Phasergeräuschen und dem tödlichen Ende von Killer Croc. Ähm... einem Gorn.

Ein trauriger Pluspunkt bleibt am Ende dieser Odyssee alleine auf der Lichtung zurück. Ihr könnt selbst wählen, ob ihr alleine oder im Koop spielen wollt und ob ihr das lieber online oder offline angehen möchtet. In der Onlineausgabe dieses spannungsarmen und bild-ungewaltigen 'Abenteuers' können eure Spielpartner kommen und gehen, wie sie wollen. Offline fehlt diese Drop-in-Koop -Möglichkeit leider und man muss zuvor erst ein Kapitel beenden, beziehungsweise neu anfangen, bevor der Partner ein- oder schlauerweise lieber aussteigen kann.