Autor: Marcel Kranz

Eigentlich wollte Bethesda pünktlich zum 40. Jubiläum der Kult-Serie »Star Trek« im Herbst letzten Jahres dem Jubilar gleich mit zwei passenden Spielumsetzungen Tribut zollen. Daraus wurde allerdings nichts, weshalb beide Titel erst Ende des Jahres erschienen sind. Seitdem erkunden PS2-Spieler in »Star Trek: Encounters« den virtuellen Weltraum. Besitzer einer Xbox 360 oder eines PCs tun selbiges nun in »Legacy«.

Wir haben uns das actionlastige Strategiespiel einmal näher angesehen. Mit Mad Doc Software als Entwickler kann eigentlich nichts schiefgehen, denn die Jungs sind dank ihres Spiele-Debuts »Star Trek: Armada 2« bestens mit der Marke vertraut. Obendrein mimt der Lizenz-Inhaber Bethesda Softworks den Publisher. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass bisherige Spiele aus dem Enterprise-Universum nicht gerade vom Erfolg verwöhnt waren. Ob »Legacy« dasselbe Schicksal erleidet oder vielleicht doch als vollwertiges Weltraum-Abenteuer Einzug in jedem Zockerhaushalt halten sollte, erfahrt ihr im Artikel.

Star Trek: Legacy - Trailer 22 weitere Videos

In bester Star Trek-Manier
Wo andere Spiele für gewöhnlich mit einem eindrucksvollen Intro aufwarten, startet »Star Trek: Legacy« gleich in Spielgrafik durch. Dabei werdet ihr sofort in die Rolle eines Raumschiff-Kapitäns gesteckt und ebenso schlagartig einer Mission zugewiesen. Um ein Tutorial braucht man sich keine Sorgen zu machen, da der erste Auftrag dazu dient, den Spieler mit der Steuerung vertraut zu machen.

Star Trek: Legacy - Captain auf der Brücke! - oder eher: an der Krücke. Diese Enterprise gehört zum Altmetall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 42/471/47
Enterprise zur Stelle. Mit Hilfe des Traktorstrahls schleppt ihr Verbündete ab.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Natürlich sitzt nicht etwa ein namenloser Wicht auf dem Kommandosessel. Stattdessen kehren altbekannte Offiziere wie Archer, Kirk und Picard aus ihrem Ruhestand zurück, um die Enterprise erneut in vollem Glanze durchs All zu manövrieren. Zudem wurden die Episoden der genannten Herrschaften nicht einfach als komplett unterschiedliche Kampagnen integriert, sondern vorbildlich miteinander zu einem Handlungsstrang verbunden. Um dem Ganzen das nötige »Star Trek«-Flair zu verpassen, wurden extra die Serien-Autoren D.C. Fontana und Derek Chester angeheuert.

Wer sich selbst nicht als Fan der Serie bezeichnet, wird wohl kaum den Unterschied zwischen der virtuellen Enterprise und der Pappkonstruktion der Serie feststellen können. Anderseits gibt es sehr kritische Fans - besser bekannt als Trekkies. Wer zu dieser Gruppe gehört, braucht gar nicht erst mit der Lupe den Bildschirm abzusuchen. Mad Doc versteht viel von »Star Trek« und hat ein fabelhaftes virtuelles Ebenbild der Enterprise geschaffen. Dem stehen die anderen Schiffe ebenfalls in nichts nach und auch bei der Bewegung und Größenordung richtet sich alles nach dem Vorbild.

Packshot zu Star Trek: LegacyStar Trek: LegacyErschienen für PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Von A nach B, von B nach…
Andere Spieltitel haben es bewiesen: Man kann dem Spieler ein unendlich scheinendes, virtuelles Weltall als Spielwiese anbieten. »Star Trek: Legacy« enttäuscht in dieser Hinsicht auf ganzer Linie. Lediglich in so genannten Quadranten bewegt ihr euch, womit freies Erkunden seinen Reiz ganz und gar einbüßt.

Star Trek: Legacy - Captain auf der Brücke! - oder eher: an der Krücke. Diese Enterprise gehört zum Altmetall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 42/471/47
Raumschiffe und -stationen haben es in sich. Ansonsten sieht's zappenduster aus!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bei den Missionen sieht es nicht anders aus. Vergeblich sucht man nach Abwechslung, denn die Aufträge erweisen sich allesamt als äußerst geradlinig. Anstatt hie und da für ordentliche Überraschungsmomente zu sorgen, wird dem Spieler ein striktes Muster auferlegt: von A nach B fliegen, dort kämpfen, zum nächsten Einsatzort warpen, ins Getümmel stürzen und so weiter... Über diesen Umstand hinwegzusehen ist zwar schwer, für einen waschechten Trekkie allerdings durchaus möglich. Nun, dann müssen wir auch diesen Hardcore-Fans den letzten guten Willen austreiben. Denn ein Einsatz kann bis zu einer Stunde dauern und durchaus happig sein. Scheitert ihr, darf alles erneut durchlaufen werden. Checkpoints oder eine Speicherfunktion sucht man nämlich vergebens!

Ein wichtiger Faktor, um als Sieger aus einem Gefecht hervorzugehen, liegt ganz klar in der Auswahl eurer Raumgleiter. Bevor ihr in die »endlichen« Weiten des Weltalls aufbrecht, wählt ihr diese aus. Bis zu vier Pötte könnt ihr mit auf die Reise nehmen: ein langsames Schlachtschiff mit jeder Menge Durchschlagskraft oder lieber einen wendigen Flitzer? Die Wahl bleibt euch überlassen und entscheidet nicht selten über Sieg oder Niederlage. Allerdings müsst ihr eure Flotte ab und an aufpeppen. Dazu braucht ihr einfach nur Missionen erfolgreich zu absolvieren. Dadurch erhaltet ihr Kommandopunkte, die wiederum zum Kauf neuer Schiffe verwendet werden.

Reichlich verkorkst
Wo könnte man im Weltraum schon Schiffsbruch erleiden, außer in einem Asteroidenfeld natürlich? Trotzdem wäre es nicht verkehrt gewesen, eine Steuerung anzubieten, die schnell in Fleisch und Blut übergeht. Scheinbar sind die Jungs von Mad Doc anderer Meinung. Angefangen bei der unüberlegten Tastenbelegung bis hin zu kurzzeitigen Aussetzern der Maus ist das Handling katastrophal. Während man mit dem Gamepad noch recht locker zurechtkommt, rauben dem Gelegenheitsspieler Tastatur sowie Maus den letzten Nerv. Ein einziges Schiff in der Schlacht zu manövrieren, fällt schon nicht leicht, bei vier an der Zahl geht der Spaß aber vollends flöten.

Star Trek: Legacy - Captain auf der Brücke! - oder eher: an der Krücke. Diese Enterprise gehört zum Altmetall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 42/471/47
Mitten im Getümmel - da geht die Übersicht gut und gerne schon mal flöten!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Warum bleibt es dann also nicht bei nur einem Gefährt? Anscheinend soll diese Maßnahme für mehr Taktik sorgen. Der Genrebezeichnung »Strategie« wird »Legacy« dennoch partout nicht gerecht - vielmehr verlagert es sein Gameplay verstärkt in Richtung Action-Gefilde. Einen Hauch von Taktik bietet allenfalls die filigrane Positionierung der Geschütze - nur still dazustehen führt jedenfalls zum schnellen Pixeltod.

Eine Stärke, aber viele Schwächen
Wie bereits erwähnt, gibt es an den Raumschiffmodellen nichts auszusetzen, im Gegenteil! Wie gerne würden wir an dieser Stelle noch ein paar gute Worte über die Optik verlieren. Geht aber nicht, denn alle guten Aspekte sind bereits aufgebraucht. Das größte Ärgernis vorne weg: Zwischensequenzen, wenn man sie so nennen darf, bestehen ausschließlich aus kurzen Kamerafahrten über euer Schiff hinweg. Nicht ein einziges Mal bekommt ihr es von innen zu sehen, geschweige denn ein Crewmitglied.

Star Trek: Legacy - Captain auf der Brücke! - oder eher: an der Krücke. Diese Enterprise gehört zum Altmetall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 42/471/47
Nichts wie weg! Nach der manuellen Reparatur kann's weitergehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Farbreiche Nebel ändern auch nichts daran, dass der Weltraum einfach nur trist aussieht. Bei den Gleitern mag das Größenverhältnis ja noch stimmen, bei Planeten ist dem aber nicht so. Um noch eines draufzusetzen: Die Kollisionsabfrage ist total verhunzt.

Endlich ein wenig Qualität
Was die Grafik nicht schafft, wird von der Akustik vollbracht. Dafür verantwortlich zeichnen die beiden Komponisten Jason Graves und Rod Abernethy. Der orchestrale Soundtrack ist außerordentlich stimmig ausgefallen. Zwar wären einige Trekkies wahrscheinlich mit den Original-Musikstücken glücklicher geworden, aber bei der breiten Masse dürfte der Sound allemal für verzückte Ohren sorgen.

Hallo! Ist da wer?
Da man in den Zwischensequenzen nicht viel geboten bekommt, werden vor allem die Stimmen in den Vordergrund gerückt. Wer Englisch beherrscht, darf sich über die Originalstimmen der Captains freuen. Die deutsche Synchronisation steht dem um Einiges nach, denn lediglich Picards Stimme stimmt mit der aus der Serie überein.

Star Trek: Legacy - Captain auf der Brücke! - oder eher: an der Krücke. Diese Enterprise gehört zum Altmetall!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 42/471/47
Koop ins Gefecht: Wenn's nur so einfach wäre, wie es auf diesem Screenshot aussieht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie viele Versuche haben wir unternommen, um auch nur einen einzigen Kontakt mit anderen Spielern übers Internet herzustellen? Wir haben irgendwann aufgehört zu zählen. Jedenfalls ist jeder davon gescheitert, selbst mit installiertem Patch. Was übrig bleibt, ist der Lan-Modus. In diesem hat man dann die Wahl zwischen Deathmatch und Koop-Welle. Bei Letzterem tretet ihr gegen immer wiederkehrende Gegnermassen an, was kurze Zeit später zur faden Ballerei verkommt.