Mit der Virtual Reality-Welle, die Oculus Rift, HTC Vive und PlayStation VR entfacht haben, erscheinen immer neue Spiele, welche die neue Ansicht durch spektakuläre Umgebungen versüßen wollen. Was aber oft zur kurz kommt, ist der soziale Aspekt des gemeinsamen Spielens, der unter den klobigen Headsets sowieso schwer vermittelbar scheint. Ganz anders bei Star Trek: Bridge Crew. Hier steht das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund.

Der Trailer zu Star Trek: Bridge Crew VR

Star Trek: Bridge Crew - E3 2016 TrailerEin weiteres Video

„Steuermann, legen Sie Kurs auf den Nebel“ brummel ich in meinem besten Star-Trek-Englisch, während ich auf einem Hologramm zur Linken meines Kapitänsstuhls den offiziellen Auftrag der Sternenflotte studiere. „Kurs berechnet“ entgegnet mir der Steuermann, der nur noch auf mein Kommando wartet. „Engage“ höre ich mich sagen, ganz im Stil von Jean-Luc Picard, auch wenn er ganz und gar nicht in diese Zeitlinie passt.

Das Schiff, das ich kommandiere, hört auf den Namen Aegis. Schnittig ist es, und trotz gewisser Ähnlichkeiten deutlich hübscher gestaltet als die U.S.S. Enterprise aus der „Kelvin-Zeitlinie“, die man aus den neusten Filmen kennt. Sie gehört aber ganz klar in dasselbe alternative Universum, wie man an den übergroßen Warpgondeln und den langgezogenen Umrissen erkennt. Ganz zu Schweigen von der modernen Brücke, deren weiße und blaue Farbnuancen die Ästhetik eines Applestore an den Tag legen.

Star Trek: Bridge Crew - Zu viert im interaktiven Sci-Fi-Kult

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Auf der Original-Enterprise wirken die Bedienelemente etwas konfus, doch dafür stimmt das Layout der Brücke mit dem aus der TV-Serie überein.
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Ich fühle mich auf dem Chefsessel der Aegis zwar nicht hundertprozentig sicher, da ich nicht alle Funktionen des Schiffs kenne, aber mit jeder Minute tauche ich tiefer in die Illusion ein, tatsächlich das Kommando über ein Star-Trek-Gefährt samt seiner Crew übernommen zu haben. Steuermann, Ingenieur und taktischer Offizier fummeln in meinem Blickfeld an ihren Steuerungskonsolen herum, berichten mir über den Zustand des Schiffs, seine Leistung und seinen Aufenthaltsort. Ich komme mir vor wie ein nützliches Zahnrad in einem gut geschmierten Uhrwerk.

Und das, obwohl es den anderen drei Mitspielern unserer Anspiel-Sitzung ähnlich ergeht wie mir. Nun gut, am Steuer sitzt einer der Entwickler von Star Trek: Bridge Crew. Er weiß garantiert was zu tun ist. Aber meine beiden Redakteurskollegen, die ich dank der räumlich abgemischten Headset-Akustik genau aus den Richtungen höre, in denen ihre Avatare sitzen, scheinen mir ähnlich nervös. Abseits des Tutorials, das in die grundsätzliche Steuerung einführt, haben wir keinerlei Erfahrung, wenn es um das Kommando auf einem Raumschiff geht. Völlig egal, wie viele Star Trek Episoden ich auswendig kenne, allein der Fakt, nicht zu wissen, was auf uns alle zukommt, treibt mir den Schweiß auf die Handflächen.

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Die ultimative Trek-Illusion

Merkt keiner, denn in meinen Händen halte ich die beiden Oculus-Rift-Controller-Einheiten. Der Bewegungssensor auf dem Tisch vor mir registriert deren Position und setzt sie grafisch um, sodass ich die Hände meines Avatars im VR-Headset erkenne, ja sogar mit ihnen virtuelle Touchscreens und Hebel bedienen kann. Klappt hervorragend und soll laut den Entwicklern mit jedem der drei beliebten VR Systeme funktionieren – also mit Oculus, mit Vive und auch mit den Move-Controllern von Sonys PSVR. Wer unbedingt will, kann auf Bewegungssensorik verzichten und stattdessen zu einem normalen Gamecontroller greifen, doch dürfte das die Immersion erheblich schmälern.

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Bild01: Die Aegis ist kleiner als die Enterprise des JJ-Abrams-Universums, aber auch schöner geschnitten
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Nur auf das Headset dürft ihr nicht verzichten. Zugegeben, es gab früher schon andere Raumschiffbrücken-Sims, die man problemlos an einem handelsüblichen Bildschirm genießen konnte. Auf den ersten Blick wirkt der VR-Zwang also übertrieben. Hat man aber erst kapiert, wie schnell alle vier Crewmitglieder einer Sitzung reagieren müssen und wie komplex die Aufgabenzuteilung ausfällt, wird der Sinn und Zweck der virtuellen Realität deutlich.Es ist nicht nur die Immersion, die hier perfektioniert wird. Auch Reaktion und Interaktion mit den anderen Spielern wäre nicht auf die gleiche Weise möglich, wenn man erst eine Maus oder ein Joypad bemühen müsste, um den Kopf des eigenen Avatars auszurichten.

Notorische Solisten seien an dieser Stelle beruhigt: Wer über keine zuverlässige Internetverbindung verfügt oder lieber die komplette Kontrolle über alles hat, darf ganz alleine in die weiten des Weltalls reisen. In dem Fall verteilt ihr Kommandos per Knopfruck an die jeweiligen Stationen oder blendet eigenhändig auf jede Rolle um und bedient selbst das Schiff. Dass es alleine genauso viel Spaß macht, wie in einer Online-Runde zu viert, sei mal dahingestellt.

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