Den zungenbrecherischen Untertitel lassen wir mal hinter uns – von der seltsamen Wortwahl abgesehen, haben mir die ersten Trailer zu Star Ocean 5 wirklich gefallen. Ein auf den ersten Blick klassisch glubschäugiges, knallig buntes JRPG, auf die Weiten von Weltall und Science-Fiction ausgebreitet, finde ich spannend. Damals habe ich Xenogears aufgrund seiner bezaubernden Spielwelt verschlungen – könnte das bei Star Ocean: Integrityfaithlessdingsbums auch so sein?

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Um euch ins Bild zu setzen: Selber gespielt habe ich zuvor noch keinen Star-Ocean-Teil. Aber ich wollte immer. Ich habe zu seligen PSOne-Zeiten neidisch auf die Bildschirme meiner Freunde geschielt, die Star Ocean: The Second Story spielten. Sei’s drum, dafür bin ich jetzt ein paar Jahre zu spät dran. Doch der fünfte Teil hält mir mein Versäumnis nicht vor. Auch wenn mir beim Anspielen erklärt wird, dass das Spiel zwischen erwähntem Second Story und The Last Hope angelegt ist, setzt der Einstieg keine Vorkenntnisse voraus.

Star Ocean 5: Integrity and Faithlessness - Spielerische Integrität und Gesichtslosigkeit

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Weile mit Eile: Die Städte laden mit wenigen Details und automatisch auffahrenden Textfenstern kaum zum Verweilen ein.
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Das Spiel erzählt die Geschichte von Fidel, einem jungen Schwertkämpfer, der in einem beschaulichen Hafenstädtchen lebt. Doch nach einem Angriff von politisch motivierten Räubern sieht sich der blauhaarige Recke zusammen mit seinen Freunden zum Handeln gezwungen. Kurzerhand geht es auf eine Reise in das Königreich Resulia, um Fidels Vater um Unterstützung zu bitten.

Packshot zu Star Ocean 5: Integrity and FaithlessnessStar Ocean 5: Integrity and FaithlessnessErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Trotz mangelnder Vorkenntnis nimmt mich Star Ocean 5 zu Beginn vorsichtig bei der Hand. Auf ein Kampf-Tutorial zum Einstieg folgt ein kurzer Marsch durch die Küstenstadt und die Einführung von wichtigen Charakteren wie Fidels alter Freundin Miki. Zwar sind die Tutorial-Textwände etwas sperrig und lesen sich zäh, doch zumindest weiß ich nach der Lektüre, wie ich mich in den ersten Herausforderungen zu verhalten habe.

Dungeoncrawl > alles

Es dauert ein wenig. Doch nachdem ich die Einführung und das Heimatdorf hinter mir gelassen habe, fängt mich Star Ocean 5 ein. Auf der Reise nach Resulia kämpfe ich mich an einer schroffen, steinigen Küste durch Gruppen von bissigen Schleimmonstern, klappernden Riesenkrebsen und steinernen Schildkröten. Die Auseinandersetzungen sind schön flott und die Grundlagen schnell verinnerlicht.

Spaßiger Dungeoncrawler mit bieder inszenierten Handlung.Ausblick lesen

Die wichtigsten Fähigkeiten und Angriffe löse ich über nur zwei Buttons aus – mal in Kombination mit einer Schultertaste, mal ohne. In den Auseinandersetzungen kann ich einen der Helden direkt lenken und so beispielsweise vor Angriffen der Gegner Reißaus nehmen, nur um ihnen wenig später eine kräftige Rechte mit der Schwerthand zu verpassen. Trotz des actionreichen Ansatzes bleibt mir allerdings Raum für Taktik: Nicht nur kann ich zwischen den bis zu sieben (SIEBEN!) Charakteren der vollen Gruppe hin- und herwechseln, ich kann durch Öffnen des Battle-Menüs auch die Zeit anhalten und dementsprechend komplexere Befehlsketten auslösen.

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Die flotten, actionreichen Kämpfe sind der Star der kurzen Anspielzeit.
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Zwar muten mir die Kämpfe im ersten Moment etwas chaotisch an, doch nach und nach lerne ich das Spiel zu lesen. Ich entdecke die Möglichkeit, nach einer präzisen Abwehr Konterangriffe auf Gegner niederprasseln zu lassen, und lerne, wann der richtige Zeitpunkt für einen Charakterwechsel gekommen ist. Es macht Spaß – nicht nur das Kämpfen. Auch das Erkunden des zwar etwas kahlen, dafür aber mit sehr vielen Schätzen gespickten Areals. Allerdings merke ich auf dem Weg nach Resulia auch, dass ich gar keine große Lust habe, mein Ziel zu erreichen …

Faithlessness Faclessness

Star Ocean 5 hat ein großes Problem: die Inszenierung. Die Geschichte packt mich nicht, lässt mich sogar richtiggehend kalt und irgendwie viel mehr nach dem nächsten Dungeoncrawl als einem weiteren Storyfetzen lechzen. In den rund eineinhalb Stunden fängt das Spiel die Geschehnisse selten hübsch ein. Die Geschichte entblättert sich während schnöder Unterhaltungen, die ich selbstständig mit der Kamera einfangen darf. Einen direkten Blick auf die Charaktere bekomme ich so nie. Ich fühle mich distanziert und bin letztlich ziemlich schnell desinteressiert.

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Knallige Farben, große Augen und knappe Kostüme – Anime-Klischees all over the place!
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Zu einem gewissen Teil ist das auch dem Writing zuzuschreiben. Star Ocean 5 versucht sich ab und an daran, witzig und charmant zu sein, scheitert aber kläglich. Weder schaffen es die Schreiber das Gag-Timing auf den Punkt zu bringen – was zum Beispiel in seltsamen Pausen vor einem Lachen der Heldentruppe resultiert – noch schaffen sie es, einen Witz richtig aufzubereiten. Als Freundin Miki den guten Fidel mit einem überzogenen, tränenreichen Kollaps davon zu überzeugen versucht, sie mit auf seine Reise zu nehmen, fehlt es ihr zum Beispiel komplett an Sprachausgabe. Trotz eines weinenden, schluchzenden Animemädels auf dem Bildschirm bleiben die Boxen befremdlich stumm.

Ein ähnlich seltsames Gefühl des Unbehagens stellt sich mir beim Besuch einer Stadt ein. Diese sind ein klein wenig karg, übertünchen diesen Eindruck aber mit lebendigem Treiben auf den Straßen. Doch leider haben es die Entwickler für sinnig befunden, diese Lebendigkeit lautstark zu äußern – da die wenigsten Nebenfiguren vertont sind, springen mir deshalb alle paar Schritte automatisch Textboxen von den Anwohnern ins Gesicht. Anstatt damit aber lebhafte Unterhaltungen zu symbolisieren, stören die deplatziert wirkenden Textwände vielmehr und verdecken ungefragt Teile der Spielwelt.