Der Absturz eines Raumschiffes auf einem von Krieg gezeichneten Planeten führt durch eine Reihe von Umständen zu einem Konflikt intergalaktischen Ausmaßes. Klingt zunächst nicht nach einer Rahmenhandlung, die den altbekannten Rollenspielkonventionen folgt. Doch stellt sich im Falle von Star Ocean: Integrity and Faithlessness auch nicht die Frage, wie es versucht, sich fernab des Fantasy-Einheitsbreis abzuheben, sondern es schafft, trotz des ungewöhnlichen Szenarios genau das nicht zu tun.

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Wir müssen keinen Hehl daraus machen, dass sich der neueste Teil der Star-Ocean-Reihe auf sehr traditionellen Rollenspielpfaden bewegt und nahezu jedes klassische Fantasyelement aufweist, das mit einem typischen Vertreter dieses Genres in Verbindung gebracht wird. Erzählt wird eine schon oft dagewesene Geschichte, die gemächlich anfängt und später in einer vertrauten, dramatisch inszenierten Welt(all)rettungsaktion endet. Ab und zu wird es ein wenig politisch, unterm Strich dreht sich aber alles um die üblichen Reibereien zwischen mehreren Königreichen, zwischen deren Fronten ihr mal wieder steht. Statt mit einem Schiff über die Weltmeere von einem Kontinent zum nächsten zu reisen, seid ihr hier mit einem Raumschiff unterwegs.

Star Ocean 5: Integrity and Faithlessness - Schiffbruch im Sternenmeer

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Alles beginnt wie immer recht unscheinbar. Eigentlich wollte Held Fidel ursprünglich nur gemeinsam mit seiner Freundin Miki ins Nachbarland reisen, um Hilfe gegen die plündernden Wilderer anzufordern.
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Der Rest ist Altbekanntes aus der JRPG-Klischeekiste und nur ein wenig neu verpackt. Allem voran die Charaktere: Wir haben den mutigen Schwertkämpfer, der sich kaum von seinen blutjungen Heldenkollegen unterscheidet. Wir haben die naive Kindheitsfreundin, die den sorgenvollen Protagonisten gegen seinen Willen begleitet, da sie Gefühle für ihn hegt, ohne diese offen zuzugeben. Den kampferfahrenen Veteranen, der im Grunde nur die Funktion erfüllt, triviales Hintergrundwissen über den Krieg oder die Königreiche zu vermitteln. Und was natürlich auch nicht fehlen darf: ein kleines, geheimnisvolles Mädchen mit übernatürlichen Kräften, das – wie sollte es auch anders sein – an Amnesie leidet. Sie ist im Gegensatz zu den anderen keine Einheimische des Planeten und hat lediglich eine unfreiwillige Bruchlandung mit dem besagten Raumschiff hingelegt. Dementsprechend gilt es, ihr bei der Rückkehr in ihre Heimat zu helfen. Da die Kleine aber an chronischem Gedächtnisschwund leidet, ist das natürlich kein leichtes Unterfangen. Null Anhaltspunkte sind aber bekanntlich die beste Voraussetzung, eine große Reise anzutreten, und so kommt es im Laufe eures orientierungslosen Abenteuers zu diversen Begegnungen mit weiteren schillernden Charakteren, die eure Gruppe um Verstärkung und Wissen bereichern und damit die Handlung mal mehr, mal weniger vorantreiben.

Packshot zu Star Ocean 5: Integrity and FaithlessnessStar Ocean 5: Integrity and FaithlessnessErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Besser als so manches Dynasty Warriors

Wenn auch die Mitglieder eurer Abenteuertruppe sich nicht unbedingt durch originelle Persönlichkeiten auszeichnen mögen, so können sie zumindest dank individueller Kampfstile und Fertigkeiten während des Schlagabtauschs glänzen. Viel verändert hat sich an den Kämpfen nicht im Vergleich zu vorherigen Teilen, bis auf dass ihr augenscheinlich mehr Gegnerhorden von den weitläufigen Schlachtfeldern räumen müsst. Kann schon mal sein, dass ihr genau deswegen anfangs ein wenig Probleme bekommt, den Überblick zu behalten.

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Eines der wenigen Momente im neuen Star Ocean, in denen man für ein paar Minuten die schöne Aussicht auf sich wirken lässt.
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Das mag mit stetigem Teamzuwachs nicht unbedingt besser werden, doch ergeben sich dadurch weitaus mehr abwechslungsreiche Möglichkeiten, um die Masse an Schergen mit wirkmächtigen Kombos wegzufegen. Als nützlich erweist sich hierbei der schnell ausführbare Charakterwechsel, der in den längeren Bosskämpfen eine taktische Note bekommt und euch aus prekären Situationen hilft. Wenn eure Figur beispielsweise Opfer einer nicht enden wollenden Angriffskette wird, könnt ihr diese entweder mithilfe der anderen Kameraden unterbrechen, oder euren Helden mit Heilgegenständen vor einem unausweichlichen Tod bewahren. Zudem ist es manchmal effektiver, einen zappeligen Nahkampfkontrahenten mit einem Fernkämpfer in die Knie zu zwingen. Letzten Endes seid ihr zwar mit etwas Routine nie völlig auf das Wechselspiel angewiesen, doch schafft die Vorgehensweise eine angenehme Spieldynamik.

Star Ocean: Hin und zurück

Trotz der kurzweiligen Auseinandersetzungen macht sich die Zähigkeit in den Übergangsphasen zwischen den Handlungsabschnitten, in denen ihr von einer Stadt zur nächsten reist, immer wieder bemerkbar, wenn auch erst nach einer gewissen Zeit. Beim erstmaligen Besuch eines neuen Gebiets bekommt ihr stellenweise eindrucksvolle Aussichten zu Bestaunen, die durch satte Farben und realistischen Lichtreflexionen ein sehr schönes optisches Zusammenspiel ergeben. Auf dem zweiten Blick werdet ihr aber nach kurzer Zeit feststellen, dass die teilweise sehr weitläufigen Gegenden bis auf einige sporadisch verteilte Gegnergrüppchen kaum etwas zu bieten haben. Ab und an kommt ihr noch an einigen Ressourcenstellen vorbei, die sich immer wieder abgrasen lassen – nichts, was es nicht schon zu Genüge in jedem anderen Rollenspiel gibt und den Erkundungsdrang sonderlich fördern würde.

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Im Kampf könnt ihr beliebig zwischen den Figuren wechseln. Jede von ihnen hat verschiedene Fern- und Nahkampffertigkeiten, die auszuprobieren sich lohnen.
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Das bessert sich leider auch nicht in den späteren Handlungsabschnitten, in denen ihr oft bereits gesehene Gebiete nochmals zu Fuß durchlaufen müsst. Während des Herumlaufens werden zudem gelegentlich handlungsrelevante Gespräche einfach so nebenher während eines Gebietsübergangs eingeschoben und wirken dadurch ziemlich deplatziert. Das sorgt schon mal für teilweise sehr unfreiwillig komische Gesprächssituationen, wenn die Charaktere ihre Sätze mittendrin entweder abrupt beenden oder automatisch zum nächsten Dialogabschnitt springen. Nicht dass es bei dieser ordinären Geschichte dadurch zu irgendwelchen Informationslücken kommen würde. Trotzdem haben schon weitaus dünnere Handlungsfäden eine vernünftige, interessant inszenierte Narration hinbekommen.

Hm? Hast du etwas gesagt?

Womit wir auch beim Hauptproblem von Star Ocean: Integrity and Faithlessness sind. Die Präsentation der Geschichte, die nun mal überwiegend über die Dialoge getragen wird, könnte nicht unglücklicher inszeniert sein. Statt sporadische Zwischensequenzen einzubauen, finden viele der Gespräche ähnlich wie zuvor beschrieben parallel zu euer Spielsituation statt – um eine stärkere Spielnähe zu erzeugen, hieß es seitens der Entwickler. Blöd nur, dass das lediglich das Gegenteilige bewirkt. Oftmals kommt ihr euch eher wie ein teilnahmsloser Zuschauer vor, der von den anderen Gesprächspartnern gar nicht wirklich wahrgenommen wird. Darüber hinaus dürft ihr euch während dieser Einschübe ohnehin nur sehr langsam innerhalb eines geringen Radius fortbewegen und könnt dabei auch nicht mit dem Rest der Umgebung interagieren, was diese Eigenheit mehr als sinnlos erscheinen lässt. Besonders nervig und zäh in der Verbindung sind dann die Stellen, in denen ihr von einem NPC während seines Getratsches im Schneckentempo gelotst werdet und entsprechend lange warten müsst, bis eure eskortierte Person den Zielort erreicht, selbst wenn ihr diesen bereits kennen solltet.

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Bis ihr ein Raumschiff mal von innen zu sehen bekommt, dauert es noch ein Weilchen. Das Universum verbirgt tausende Geheimnisse. Den einen oder anderen Himmelskörper gibt es auch zu entdecken.
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Dieses Problem ist beispielhaft für jeden anderen Frustfaktor im Spiel. Es ist nicht so, dass so manch eine Neuerung nicht auch Sinn hat. Allerdings scheint Star Ocean für jeden Schritt nach vorn auch zwei zurück zu machen. Durch das einfache Rollen- und Skillssystem und den Charakterwechsel kann das Spiel stellenweise richtig Spaß machen, wenn da nicht die langwierigen Phasen wären, in denen ihr von einem Kampf in den nächsten rauscht, ohne mittendrin abspeichern zu dürfen. Vor allem strapaziert es die Nerven, wenn ihr ein großräumiges Gebiet abklappern müsst, aber erst am Ende eines plötzlichen Bosskampfes die Gelegenheit zum Speichern bekommt. Und die nicht überspringbaren, halbherzig inszenierten Dialoge machen das Ganze auch nicht besser. Das reinste Frustpaket mag Integrity and Faithlessness nun nicht sein, aber ihr müsst euch schon auf einige Dämpfer einstellen. Immerhin werdet ihr bereits nach gut 25 Stunden mit einem versöhnlichen Ende fürs Durchbeißen belohnt.