Endlich hat die Weihnachtszeit begonnen. Überall ist Bescherung, sind virtuelle Kalendertürchen zu öffnen. Auch die Unterhaltungsbranche wirft großzügig Geschenke ins jubelnde Volk. Das hilft, den Abnehmern die wichtigsten Titel noch einmal in Erinnerung zu rufen und das Weinachtsgeschäft ordentlich zu befeuern. Jeder Publisher versucht, den maximalen Gewinn rauszuschlagen und manch einer erkennt nicht, wann das Maß voll ist.

Fette Festtage

Wenn es um die heiligen Einnahmen zum Feste geht, werden die Gaming-Publisher kreativ. Sie hauen Titel raus, die eigentlich noch ein paar Monate Entwicklungszeit vor sich haben und packen die dringend nötigen Updates einfach mit in die nächste, natürlich kostenpflichtige Erweiterung. Die Presse hält man vor Release möglichst aus dem Spiel raus und die frustrierten Spieler lässt man einfach brüllen - beim nächsten Game sind sie ohnehin wieder mit am Start. Nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis fragt heutzutage kaum noch jemand.

Wobei es dem Laien in der Spielebranche auch kaum möglich sein dürfte, die Preispolitik der Anbieter ohne weiteres zu durchschauen. Da gibt es Spiele, die sind komplett kostenlos und trotzdem in finanzieller Hinsicht ein Fass ohne Boden, will man es mit ihnen etwas ernsthafter angehen. Dann gibt es Spiele, für die ein einmaliger Anschaffungspreis fällig wird und für die man obendrein ein Abo abschließen soll. Insbesondere für die jüngeren Spieler kommt das überhaupt nicht infrage.

Abofrei, aber sicher...

Da begibt man sich viel lieber zum nächsten Konsumtempel und greift sich eine der schmucken Packungen aus dem Regal mit den Neuheiten. 70 Euro - so viel kostet ein aktueller Next-Gen-Titel nun mal. Und wenn er einem dann langweilig wird, weil der Inhalt innerhalb kürzester Zeit durchgenudelt ist?

7 weitere Videos

Na, dann holt man sich einfach in zwei, drei Wochen den nächsten DLC mit ein paar neuen Begegnungen, Locations, Skins und einem kitschigen Gefährt, das so unglaublich exklusiv ist, wie ein millionenfach generiertes, virtuelles Objekt nur sein kann. Das ist für die Entwickler schnell gebastelt, hätte auch zum Release mit dabei sein können und kostet den Fan dann obendrein mal locker 35 Euro. Nur ein Update bezahlt, das zweite gibt es gratis mit dazu - wie beim Teleshopping.

Womit habt ihr das verdient?

“Ich bin berufstätig und kann mir das leisten.”, wird nun der eine oder andere denken. Mag schon sein, doch ist hier die Frage angebracht, mit welcher Berechtigung die Publisher in den letzten Jahren mal eben die Preise verdoppelt haben, obwohl die Spiele immer kürzer, seichter und fehlerhafter werden.

Quell der unternehmerischen Gerissenheit sind die stetig steigenden Absatzzahlen. Wenn Spieler ihrem Händler weiterhin jeden Murks für teuer Geld aus den Händen reißen, ist das doch die Bestätigung für Publisher, alles richtig gemacht zu haben. Und wenn man parallel noch den einen oder anderen Entwickler ein Tränchen rausdrücken lässt, weil Plattformen wie Steam so wundervolle Titel verramschen, ohne ihren Wert und die schweißtreibende Arbeit zu würdigen, kann man die Release-Preise im nächsten Jahr vielleicht gleich noch einmal anheben. Frohe Weihnachten.

Star Citizen - nichts für arme Bürger

Doch nicht nur die großen Publisher neigen angesichts der schmerzfreien Kundschaft dazu, die Grenzen zur Abzocke zu überschreiten. Auch so manches Indie-Studio ist auf gutem Wege, seine Herkunft zu vergessen - allen voran Crowdfunding-Rekordhalter Chris Roberts. Anstatt sich nach der 50. Million bescheiden zu zeigen, sich bei den Fans zu bedanken und das Crowdfunding vorerst einzustellen, findet der Altmeister immer neue und bisweilen perfide Methoden, den Zählerstand weiter nach oben zu katapultieren.

Mittlerweile rast der Zähler mit aktuell 66 Millionen Dollar auch schon mal über die ausgewiesenen ‘Stretch Goals’ hinaus, die nur bis 64 Millionen ausgearbeitet wurden. Doch das holt Chris Roberts sicher bald nach, denn längst hat bei ihm und seinen Fans ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Es ist nicht länger der Traum von der perfekten Space-Simulation, der Roberts Kassen klingeln lässt, sondern blanker Konsum.

Ich kann es mir ja leisten!

Konkret sind es Schiffe wie die Anvil Carrack, die das komplette Projekt in eine gefährliche Richtung driften lassen. Der virtuelle Kahn kostet mal eben 350 Dollar und ist, weil er in höchst limitierter Zahl gebaut wurde, nur bis zum 08. Dezember über die offizielle Webseite erhältlich - zumindest theoretisch, denn noch ist das Spiel ja nicht erschienen.

Innerhalb der Community sorgt das mittlerweile für reichlich Unmut. Einige treue Fans der ersten Stunde fragen sich, wohin die Verkaufswut von Roberts noch führen soll und wie das Angebot im Shop erst aussehen mag, wenn das Spiel mal fertig ist. Und dann wären noch eben jene Spieler, die Roberts jeden Blödsinn aus der Hand reißen würden und die dem Rest mit ihrer Krösus-Mentalität schon jetzt gehörig auf den Zeiger gehen. Gute Voraussetzungen für ein harmonisches MMOG-Release sind das nicht.

Wiped! - Die MMO-Woche - Shut up and take my money!

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuStar Citizen
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 82/831/83
350 Dollar kostet die Anvol Carrack. Wer die nicht bezahlt, so glauben Kritiker, werde zum Sternenbürger zweiter Klasse.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

ArcheAge - plötzlicher Kindstod

Eher unharmonisch ging es in der vergangenen Woche auch bei ArcheAge zu. Nachdem Trion nämlich die Server für eine geplante Wartung heruntergefahren hatte, wollten einige davon partout nicht mehr aus ihrem künstlichen Koma erwachen. Und während anderorts fröhlich gespielt wurde, versuchte Trion über einige Tage hinweg gemeinsam mit XLGames, die betroffenen Server zum Leben zu erwecken.

Packshot zu Star CitizenStar CitizenRelease: PC: 2015 kaufen: Jetzt kaufen:

Jetzt streiten sich die um ihre Spielzeit Geprellten darum, ob Trions Entschädigung angemessen ist oder nicht. Es gibt: Fünf Tage Stammspielerzeit, 15 Tränke zu jeweils 500 Arbeitspunkten und 30 Loyalitätszeichen. Und wahrscheinlich hätten die Spieler das sogar stillschweigend hingenommen, hätte Trion großzügigerweise nicht noch etwas draufgelegt - nämlich jeweils drei ‘Fürchterliche Fruchtgummis’, ‘Frankenstein Bonbons’ und ‘Zuckerkürbis Mäusespeck’. Tja, manchmal ist weniger eben doch mehr.

Guild Wars 2 - Schluss damit, Sportsfreunde!

Doch was die Realitätsferne betrifft, so ist Trion Worlds in der Branche durchaus in guter Gesellschaft. Auch NCSoft muss sich derzeit die Frage gefallen lassen, ob man die eigene Community und deren Wünsche überhaupt richtig versteht. Denn während es in Guild Wars 2 zahlreiche Baustellen gibt, die dringend angegangen werden müssten, versuchen die Entwickler noch immer krampfhaft, das Spiel in den E-Sport zu quetschen. Mit mäßigem Erfolg.

Wer wusste schon, dass an diesem Wochenende in Peking ‘The World Tournament Series Finals’ stattfinden - dem wahrscheinlich einzigen Ort der Welt, in dem man die entsprechende Halle auch gefüllt bekommt. Die mageren Zuschauerzahlen solcher Veranstaltungen via Twitch sind auf jeden Fall ein Indiz dafür, dass man ein Spiel nicht auf Teufel komm raus in die E-Sports-Ecke packen sollte. Erst recht nicht, wenn es sich dabei um ein MMO handelt.

Black Desert - kommt schneller als gedacht

Wenig Freude werden E-Sportler wohl auch mit Black Desert haben, das in Südkorea am 17. Dezember in die offene Betaphase eintritt. Das Spiel haben wir schon seit einiger Zeit auf dem Radar. Immerhin setzt es ungefähr da an, wo ArcheAge aufhört, bietet all das, was XLGames Sandpark-MMO auch bietet und setzt hier und da noch einen drauf.

Das betrifft nicht nur die unzähligen Nebentätigkeiten, denen man in Black Desert nachgehen kann, sondern auch das Kampfsystem, das ungleich actionreicher ausfällt als der konservative Ansatz, unter dem ArcheAge zu leiden hat. Und bevor nun wieder die Unkenrufe ertönen, dass Black Desert ohnehin nicht in absehbarer Zeit im Westen erscheinen werde und deshalb unbedeutend sei:

7 weitere Videos

Wie Daums CEO Sean Hong auf einer aktuellen Pressekonferenz verkündet hat, sei es das erklärte Ziel, Black Desert noch 2015 im Westen zu veröffentlichen. Grund dafür, so vermuten Experten, könnte der gewaltige Zuspruch sein, den das Spiel vor allem aus Europa und den USA erfährt. Entsprechend hat sich Daum entschlossen, in genau diese Regionen zu expandieren - auch weil es ihnen nach eigener Aussage nicht gelungen sei, einen geeigneten Publisher zu finden. Na, wie denn auch...

Bless - im Kielwasser von ArcheAge und Black Desert

Und wo Black Desert ist, da ist auch Bless nicht weit, das sich derzeit zwar noch in der geschlossenen Beta befindet, jedoch ähnlich viel Zuspruch erntet und uns aktuell einige interessante Videos beschert. Auch Bless übertrifft das an sich schon hübsche ArcheAge optisch und verfolgt in Sachen Combat einen ganz ähnlichen, actionreichen Ansatz wie Black Desert.

7 weitere Videos

Ein Wunder ist das nicht, bedenkt man, dass Spiele wie S4 League oder CrossFire, mit 50 Millionen aktiven Spielern einer der erfolgreichsten Shooter in Asien, auf das Konto der Entwickler gehen. Natürlich wird sich auch bei Bless die Frage stellen, wer das Spiel im Westen publishen soll. Geld für eine Expansion in diese Richtung sollte Neowiz auf jeden Fall haben. Eines ist allerdings sicher: Die expansionsfreudigen Unternehmen haben ein paar interessante Lektionen zu lernen, denn der europäische Markt folgt ganz anderen Regeln als der amerikanische - vom asiatischen mal ganz zu schweigen. Hier ist Chaos vorprogrammiert.

Ausblick

Vorprogrammiertes Chaos gibt es übrigens auch in Shroud of the Avatar. Dafür sorgt, das hat mir Richard Garriott heute in einem ausführlichen Gespräch versichert, Lord Blackthorn alias Starr Long persönlich. Was das für die Arbeit des tugendhaften Verfechters der Ordnung bedeutet und welche Auswirkungen dieser fortwährende Streit auf den Avatar haben wird, erfahrt ihr demnächst an gleicher Stelle.