Vor fünfzehn Jahren wurde die Weltraum-Simulation totgesagt. Die riesige Community musste sich notgedrungen mit Orks und Elfen begnügen und Feuerbällchen zaubern, statt gegnerische Raumschiffe in eindrucksvollen Blaster-Salven verglühen zu lassen. Doch 2014, das zeichnet sich mittlerweile ab, wird das Jahr in dem wir endlich ins Cockpit zurückkehren werden.

Zurück in die Zukunft

Bevor wir allerdings unser mühsam Erspartes in den Weltraum schießen, stellt sich eine nicht ganz unwichtige Frage: Sind wir bei Star Citizen besser aufgehoben oder bei Elite: Dangerous? Welchem der beiden Titel gehört die Zukunft? Welcher hat mehr Potential, welcher wird vielleicht gar ein Flop? Bis vor kurzem konnte man darüber allenfalls spekulieren.

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Star Citizen soll irgendwann mal richtig gut aussehen.
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Mittlerweile jedoch wird der Blick in die Zukunft klarer. Unzählige Entwicklerbriefe aus beiden Studios lassen durchblicken, wo welche Schwerpunkte gesetzt werden und die ersten bewegten Bilder zeigen, dass der Weltraum keineswegs so schwarz ist, wie man das gemeinhin vermuten möchte. Auch die Resonanz jener, die bereits ein paar Runden in der Schwerelosigkeit drehen durften, offenbart, was viele Kickstarter-Kritiker nicht gerne hören werden: Ein Flop wird weder Star Citizen noch Elite: Dangerous.

Das gleiche Ziel vor Augen

Davon sind übrigens auch David Braben und Chris Roberts selbst überzeugt. Klar, dass jeder an den Erfolg des eigenen Spiels glaubt, jedoch haben sich beide bereits mehrfach begeistert in Bezug auf das Spiel des vermeintlichen Konkurrenten geäußert. Konkurrenzdenken, wie man es von der konservativen Branche sonst gewohnt ist, scheint es bei den beiden nicht zu geben und jeder hat einen nicht näher bekannten Betrag in das Projekt des anderen gesteckt.

Tatsächlich geht von den Kickstarter-Firmen eine neue Art von kollegialem Miteinander aus, in dem das Ziel, ein tolles Spiel zu entwickeln, derart in den Fokus gerückt ist, dass man gute Ideen und gesammelte Erfahrungen gerne teilt. So tauscht Chris Roberts beispielsweise auch Technologien rund um die ‘CryEngine’ mit den Jungs von Warhorse aus, die mit Kingdom Come: Deliverance ein ganz heißes Indie-Eisen im Feuer haben.

Packshot zu Star CitizenStar CitizenRelease: PC: 2015 kaufen: Jetzt kaufen:

Drei Spiele, und doch keine Konkurrenz

Doch natürlich wird nicht jeder Fan von Weltraum-Simulationen genügend Geld auf der hohen Kante haben, um sich sowohl Star Citizen als auch Elite: Dangerous zuzulegen. Die Frage nach dem idealen Titel bleibt also und sie beschäftigt insbesondere mich als EVE-Spieler schon, seit ich zum ersten Mal von den beiden Titeln hörte.

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Apropos EVE Online - bei CCP ist man sich zwar bewusst, dass da zwei potentiell hochwertige Weltraum-MMOGs auf uns zukommen - Nervosität ließen die Entwickler auf dem jüngsten Fanfest in Island allerdings nicht erkennen. EVE Online, so glauben die CCPler, hat das, was Star Citizen und Elite: Dangerous noch aufbauen müssen - eine riesige und zumindest halbwegs funktionierende Galaxie samt spielergesteuerter Wirtschaft und politischem System.

Technisch am Limit

Womit wir beim Thema wären, denn hier werden sich die beiden neuen Titel aller Voraussicht nach nicht nur voneinander, sondern auch von EVE Online unterscheiden. Chris Roberts nutzt das viele Geld, das er von hoffnungsvollen Fans gesammelt hat, derzeit nämlich vor allem dafür, Star Citizen technisch an die Möglichkeiten modernster Hardware anzupassen.

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Mit ganzen Teams von CryEngine-Experten will er der Branche beweisen, dass Weltraum-Simulationen und PCs lebendiger denn je sind, dass der Joystick wieder auf den Schreibtisch gehört, Oculus Rift im Idealfall gleich daneben. Den Story-Teil hat er niemand geringerem überlassen als seinem Bruder Erin. Für die Filmsequenzen hat er ein eigenes Motion-Capture-Studio aus dem Boden gestampft und die atemberaubenden Designs diverser Locations kauft er von talentierten Artisten und Studios zu.

Star Citizen - auf den Künstler kommt es an

Kurz: Chris Roberts Universum ist liebevoll handgecraftet, bietet rasante Dogfights der nächsten Generation und eine Story, die so manchen Film in den Schatten stellen wird. Genau das ist es, was die Wing-Commander-Fans wollen und nicht weniger wird der Altmeister liefern. Er wird jedoch auch nicht mehr liefern als das - zumindest vorerst.

Dass David Braben da ganz anders arbeitet, liegt einerseits im Budget begründet, das es gar nicht erlaubt, jede Welt von Hand entwerfen zu lassen. Es gehört für den Mann, der nicht nur die Weltraum-Sandbox schlechthin, sondern mit dem Raspberry Pi auch noch den billigsten PC der Welt erfunden hat, zum guten Stil, dass man als Programmierer jene Dinge nicht von Hand erledigt, für die man clevere Programme schreiben kann.

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Starten und Landen auf den Raumstationen war schon im alten Elite eine echte Herausforderung.
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Elite: Dangerous - auf den Computer kommt es an

Und so lässt sich Braben seine Galaxis nicht von einem teuren Studio gestalten, sondern vom selbst entwickelten Programm. Das ist ungleich günstiger und arbeitet tatsächlich pausenlos. Das Resultat war in der letzten Alpha-Runde zu bewundern: Hunderttausende Welten in einer Milchstraße, in der sich Sonnen um das Zentrum drehen, Planeten um Sonnen, Monde um Planeten und Asteroidengürtel irgendwo dazwischen.

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Und natürlich drehen sich die unzähligen Raumstationen in der Galaxis, von denen jede angeflogen werden kann und einen dynamischen Preis hat, der von Angebot und Nachfrage bestimmt wird und der nicht nur von den Spielern gewinnbringend ausgenutzt wird, sondern auch von NPC-Schiffen. Das macht Sinn und Elite: Dangerous zu einem echten, virtuellen Universum, wie es in dieser Hinsicht nicht einmal EVE Online bietet.

Die unendliche Weite

In Elite: Dangerous kann der Spieler, wenn er dies möchte, auf eine Reise in die unendlichen Weiten des Alls aufbrechen, ohne überhaupt Gefahr zu laufen, dort unliebsamen Mitspielern zu begegnen. Und so einsam und langweilig das für manchen Spieler auch erscheint - es bietet allen Entdeckern und Gründervätern unter den Weltraumpiloten genau das, was sie sich immer gewünscht und nie bekommen haben.

Gleichermaßen werden sich in Elite: Dangerous Spieler zusammenschließen, die Großes erreichen wollen, die Welten kontrollieren und zu einem Machtfaktor in der Milchstraßen werden wollen. Fast ein wenig wie bei EVE Online also - allerdings noch offener und weit weniger statisch als in einer Welt, in der Sprungtore als Flaschenhälse ausgenutzt werden und in der riesige Fraktionen über viele Monate hinweg unangefochten an der Spitze stehen.

Die unendliche Geschichte

Bei Star Citizen hingegen wird man sich aller Voraussicht nach in weit engeren Grenzen bekriegen. Die Systeme sind weitgehend statisch und der Spieler wird sie nutzen, jedoch kaum verändern können. Landungen werden in animierten Szenen gezeigt, Konflikte in Instanzen ausgetragen, die man zwar nicht sehen kann, die einem jedoch bewusst sind und die der Welt ein Stück der Größe nimmt, die uns Roberts mit Hilfe von epischer Story und atemberaubender Technik vorspiegelt.

Mit Elite: Dangerous und Star Citizen stehen sich also zwei Spiele gegenüber, die zwar auf den ersten Blick ähnlich scheinen, tatsächlich jedoch gravierende Unterschiede haben. Sie beide werden das Sub-Genre der Weltraum-Simulationen aller Voraussicht nach entscheidend prägen und voranbringen - jedoch tun sie das beide auf ihre eigene Art und Weise.

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Im Gegensatz zu Star Citizen und Elite: Dangerous hat es EVE Online schon lange geschafft.
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Erfolg ist immer relativ

Und das ist auch gut so, denn durch die Beteiligung der Community wissen sowohl Braben als auch Roberts, was ihre Anhänger wollen und was nicht. Die Nische, in der Braben entwickelt, ist deutlich kleiner, nerdiger. Doch ist sie lukrativ genug, um Brabens kleines Studio und damit Elite: Dangerous die nächsten Jahre bequem über Wasser zu halten und auch inhaltlich auszubauen.

Roberts wird hingegen die Mehrheit der Sci-Fi-Fans befriedigen, ihnen Action abliefern und Content-Schnipsel, auf den man sich mindestens so leidenschaftlich freuen kann wie auf die nächste Staffel der Lieblingsserie. Auch er hat Star Citizen finanziell längst gestemmt und kann sich irgendwann mal Gedanken darüber machen, wie man die Spieler mit neuen Design-Ansätzen längerfristig bei der Stange halten kann, denn an dieser Stelle wird Star Citizen zumindest anfangs schwächeln.

Und so werden echte Sci-Fi-Fans wohl nicht umhinkommen, sich beide Titel zumindest anzuschauen. Sowohl bei Star Citizen als auch bei Elite: Dangerous geht das natürlich auch noch nach Release, was das ungute Gefühl, die Katze im Sack zu kaufen, ein wenig lindern dürfte. All die Geschenke, mit denen Unterstützer derzeit schon überhäuft werden, sind wirklich verzichtbar.

Mein Twitch, dein Twitch, YourTwitch?

Unverzichtbar für diese Kolumne ist derweil der kurze Überblick über die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage. Und was könnte wichtiger sein als die von YouTube angestrebte Übernahme des Streaming-Dienstes Twitch.tv? Der ist in den letzten Monaten zu einer echten Institution für Gamer und Alternative zum drögen Fernsehprogramm avanciert und wird aller Voraussicht nach mit dem anstehenden Dota-2-Turnier The International Championship 2014 noch einmal gewaltig an Bekanntheit zulegen.

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Twitch bald unter Google-Flagge?
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Für YouTube und dessen Mutterkonzern Google also genau der richtige Zeitpunkt, sich den aufstrebenden Dienst einzuverleiben und damit einen Fuß in die Tür zur Gaming-Branche zu stellen. Während die einen das völlig in Ordnung finden, da YouTube für Content-Zulieferer durchaus attraktiv sein kann, fürchten die anderen, dass die Google-Tochter plant, künftig die Dienste von Twitch mit zu übernehmen und sich so einen Konkurrenten vom Hals zu schaffen.

Ein solches Vorhaben würde jedoch ein nicht zu kalkulierendes Risiko bergen. Denn sollte Twitch plattgemacht werden, stünden sofort neue, unabhängige Dienste bereit, die Lücke zu schließen. Was ihr liebstes Hobby betrifft ist die Liga der Hardcore-Gamer, und das ist nun einmal die Zielgruppe von Twitch, nämlich bei weitem nicht so blind, wie manch ein Konzern das gerne hätte.

Wenn es nach den Wünschen eines anderen Konzerns ginge, müssten derweil die Entwicklungsarbeiten am MMO-Trading-Card-Game HEX mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Unterhaltungsgigant Hasbro ist es konkret, der sein Urheberrecht und das seiner Tochter Wizards of the Coast verletzt sieht und Klage eingereicht hat, weil sich Cryptozoic mit HEX geistiges Eigentum widerrechtlich angeeignet habe.

Cory Jones von Cryptozoic sieht das naturgemäß ganz anders, sei man doch allein darum bemüht, den Kunden eine fesselnde und unterhaltende Spielerfahrung zu bescheren. Durch die digitale Natur von HEX habe man die Möglichkeit, jene Grenzen zu sprengen, die Papier-Trading-Card-Games auferlegt sind. Man sei zwar ein kleines Unternehmen, jedoch keinesfalls gewillt, sich den Einschüchterungsversuche eines Konzerns zu beugen.

Man respektiere geistiges Eigentum, so Cory Jones weiter, jedoch liege das Recht, ein TGC zu machen, nicht exklusiv bei Wizards of the Coast. In der Community sieht man das mehrheitlich ähnlich und so könnte Hasbros Vorhaben, sich des kleinen Konkurrenten zu entledigen, zum Eigentor werden. Immerhin, so liest man in Forenbeiträgen immer wieder, sei es der Hasbro-Tochter bis dato nicht gelungen, das zugegeben geniale Sammelkartenspiel zeitgemäß in digitaler Form anzubieten.

The Division - wer einmal lügt...

Nicht ganz unbedeutende Probleme mit der Zeit hat man auch bei Ubisoft. Bereits in der letzten Woche musste der Publisher kleinlaut eingestehen, dass man den im vergangenen Jahr so vollmundig angepriesenen Tom-Clancy-Online-Shooter The Division doch nicht mehr in diesem Jahr herausbringen würde, sondern 2015.

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Das Warten auf The Division hat noch kein Ende.
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Doch selbst damit scheint das an The Division arbeitende Studio Schwierigkeiten zu haben. Wie jetzt ein Mitarbeiter verlauten ließ, sei 2016 als Release realistischer. Die eigentliche Entwicklung des Titels hatte tatsächlich erst nach Ubisofts großartiger Video-Präsentation begonnen, in der es so schien, als spielten einige Entwickler bereits eifrig ein fertiges und technisch atemberaubendes Spiel.

In Wirklichkeit, das offenbar sich jetzt, waren die Szenen jedoch nichts anderes als eine eigens gestrickte Tech-Demo - ein Propaganda-Werkzeug, um einen Hype zu erzeugen und die Gier auf Sonys Next-Gen-Konsole zu wecken. Für den jüngsten Vorstoß von Ubisoft ins Online-Genre sind diese Vorgänge eine echte Katastrophe.

Arena of Fate - noch ein MOBA, yay.
Eine Katastrophe zeichnet sich einmal mehr auch für Crytek ab. Deren Tochterstudio in Bulgarien arbeitet doch tatsächlich an einem Titel namens Arena of Fate. Dieser wird ein - ihr habt es erraten - MOBA-Game. Und als wäre das Vorhaben, dieses komplett bestellte Feld zu beackern, nicht an sich schon lächerlich genug, schafft es der deutsche Publisher, dem ganzen Unsinn noch die Krone aufzusetzen.

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Man stellt den Spielern doch tatsächlich in Aussicht, dass sie das Spielgeschehen wahlweise durch Spielwährung oder echtes Geld beeinflussen. Tolle Idee, Crytek, wo doch Dota 2 und andere Vertreter dieses Genres gerade auf solch einen Mist verzichten und dem Arena-Spieler ein wahrhaft faires Spielvergnügen ermöglichen. Doch was nimmt man nicht alles in Kauf, wenn man endlich sehen kann, wie “Jeanne d’Arc gemeinsam mit Robin Hood Jagd auf Rotkäppchen machen”.

Mit dieser seltsamen Fantasie eines Crytek-Entwicklers entlasse ich euch ins verdiente Wochenende, das ich übrigens in Kargstein verbringen werde – in der Hoffnung, dass ZeniMax die gravierendsten Probleme aus ESO beseitigt und keine neuen geschaffen hat. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.