In einem Interview sprach Square Enix Europes CEO Phil Rogers über das Vermarktungsmodell für AAA-Titel in der heutigen Zeit und teilte mit, dass Gamer keine unfertigen Spiele haben wollen.

Square Enix - Square Enix Europe CEO: Gamer wollen keine unfertigen Spiele

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Das neue Hitman erscheint voraussichtlich noch im Dezember
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Für Square Enix stehen in den nächsten Monaten große Veröffentlichungen an. Nicht nur das bald erscheinende Final Fantasy XV, sondern auch Rise of the Tomb Raider, Just Cause 3, Deus Ex: Mankind Divided und natürlich auch Hitman 6.

Alles AAA-Produktionen, die in der heutigen Spieleentwicklung teuer, im Marketing aufwendig und dennoch teilweise in Gefahr laufen, an den Spielern vorbeizuziehen. Das musste auch Square Enix am eigenen Leib erfahren, als Sleeping Dogs, Hitman: Absolution und das Rise of the Tomb Raider-Reboot in Sachen Absatzzahlen zwischen 2012 und 2013 enttäuschten.

"Wir hatten große Hoffnungen. Wir arbeiten mit großen Ambitionen. Aber wenn man auf den damaligen Markt zurückblickt, waren es interessante Zeiten", so Square Enix Europes CEO Phil Rogers, der damit sicherlich den damals enorm schnell wachsenden Markt des PC gepaart mit dem bevorstehenden Launch der heutigen Current-Gen-Konsolen meint. "Der heutige Markt ist sicherer. Die neue Generation der Konsolen hat sich gut etabliert und ich denke, die Konsumenten haben dadurch auch mehr Sicherheit. All diese Spiele waren schlußendlich erfolgreich. Was wir daraus gelernt haben - und das erscheint so offensichtlich, wenn man zurückblickt - ist die Tatsache, dass der digitale Markt für jedes Geschäft gewachsen ist. Es ist etwas, dass die Leute so lange unterschätzten, bis sie die Ergebnisse einsehen konnten und dabei sahen, was der digitale Markt zu bieten hat."

Was sie damals übersehen hatten, war der sich verändernde Markt. Bevor der digitale Markt aufkam, verkauften sich Spiele im Handel in den ersten Tagen und Wochen rasant und sanken dann proportional über die nächsten Monate im Absatz. Heute hilft der digitale Absatz beim Verkauf enorm. Dadurch ergebe sich ein kontinuierlicher Absatz, der konstant bleibe und beständig Einnahmen generiere.

Das habe Square Enix zum Umdenken gebracht. Und besonders ein Spiel stellt in dieser Hinsicht das Experiment des Publishers dar, sich dem neuen digitalen Markt anzunähern und neue Wege für teure AAA-Spiele einzuschlagen: IO Interactives kommendes Spiel Hitman. Ende des Jahres wird eine AAA-Produktion als Vollpreistitel verkauft, dessen folgenden Inhalte ohne Aufpreis bereitgestellt werden sollen, um das Spiel über die Zeit mit Singleplayer- und Multiplayer-DLCs zu erweitern. Nun könnte man meinen, das habe es doch bereits mit Steams Early Access-Programm gegeben. Aber für Rogers gibt es da einen Unterschied.

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Auch Just Cause 3 steht kurz vor der Veröffentlichung
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"Das Spiel kommt an erster Stelle. Wir wollen das Geschäftsmodell sehr einfach gestrickt halten. Es wird einen Preis geben, wir sprechen also nicht über MIkrotransaktionen und es hilft uns dabei, den Inhalt weiterzuentwickeln. Gamer wollen keine unfertigen Spiele, das ist unmissverständlich. Das wird ein AAA-, vollwertiges Hitman, wie man es erwartet. Aber wir können kontinuierlich großartige Erlebnisse kreieren, damit die Welt weiterhin wächst. Wir experimentieren."

Als Beispiel nennt er Just Cause 2, das man drei Monate vor der Veröffentlichung beendet habe und von dem man sich auch inhaltlich trennte. Hätte man das Spiel auch nach der Veröffentlichung gekümmert und es immer weiter mit Inhalten versorgt, hätte das Spiel unter Umständen noch mehr Fans. Dieses Prinzip funktioniere aber nicht mit jedem Titel. Für jedes Spiel müsse ein Distributionsweg gefunden werden, der passe. Rogers vertrete die Meinung, dass jedes Spiel eine natürliche Kadenzzeit habe. Ein Spiel mit jährlichen Ablegern zu versehen sei absolut unnötig. "Zwischen zwei und drei Jahren für ein Spiel ist völlig in Ordnung."

Das neue Hitman wird voraussichtlich noch in diesem Dezember veröffentlicht und soll zu Beginn sieben Missionen bereitstellen, die nach und nach durch zusätzliche Missionen und Inhalte erweitert werden sollen. Square Enix und IO Interactive beschreiten mit Hitman einen neuen Distributionsweg. Hierbei soll das Spiel zwar als Vollpreistitel verkauft werden. Die nachfolgenden Inhalte werden dafür aber kostenlos zur Verfügung gestellt.

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