Square Enix sind etwas Besonderes: Während bei anderen Publishern die Journalisten wie eine Herde durch die Präsentationskabinen der Spielemessen getrieben werden, treffen sich die Japaner auf der gamescom zum gemütlichen Plausch in kleiner Runde. Wir nahmen dankend Platz und sahen mit Final Fantasy XIII, Nier und Front Mission Evolved drei kommende Titel aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Final Fantasy XIII

Die Serie, die japanische Computerspiele einem europäischen Massenpublikum zugänglich gemacht hat, geht in die dreizehnte Runde. Damit die Zahl kein Unglück bringt, schiebt Square Enix ebenfalls im kommenden Jahr Nummer 14 hinterher. Allerdings nicht als Einzelspieler-Kampagne, sondern als pures MMORPG. Die Serie teilt sich, sie geht zwei verschiedene Wege. Nur auf das überlaufene Mehrspieler-Genre zu setzen ist den Japanern anscheinend zu heikel. Deshalb kommt Final Fantasy XIII erneut mit der bewährten Mixtur aus Kämpfen, Cutscenes und Story-Kapiteln daher.

Square Enix - Neues aus Japan: Final Fantasy XIII, Diablo meets Zelda und die volle Mech-Action

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Final Fantasy XIII besticht wieder durch eine epische Handlung.
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Seit vor über 20 Jahren das erste Final Fantasy auf dem NES erschien, hat sich bei Square (Enix) die Kompetenz geballt, vor allem fesselnde, interaktive Geschichten können die Japaner erzählen. Ohne Einzelspieler-Kampagne würde das mehr oder minder verschenkt. Der Manga-Stil, das Gefühl, Teil eines Märchens zu sein, ist im Zusammenspiel mit anderen Menschen schwierig zu gewährleisten. Also bleibt es auch im dreizehnten Teil dabei: Die zentrale Figur wird direkt gesteuert, freundlich gesinnten, vom Computer kontrollierte Mitstreiter werden Rollen zugewiesen.

Aber nicht alles bleibt beim Alten. Bei Auseinandersetzungen gibt es für Final-Fantasy-Verhältnisse eine geradezu revolutionäre Änderung: Die Kämpfe sind nicht mehr rundenbasiert, sondern laufen in Echtzeit ab. Dafür bekriegen sich Charakter, Helfer, beschworene Monster und Gegner im Kampfmodus, der eine temporäre Arena innerhalb der Spielwelt erzeugt. Dank des neuen „Paradigm Shifting“ können Aufgaben jedoch auch während des Kampfes der Situation angepasst werden – etwa eine offensive statt defensive Taktik der Mitstreiter.

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Das Kampfysystem läuft diesmal in Echtzeit.
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Produzent Yoshinori Kitase und sein Kollege Motomu Toriyama sind sicher, dass trotz der Veränderungen die strategische Komponente beibehalten wird. Mehrere Slots stehen einem Charakter für Aktionen zur Verfügung, die im Gefecht jederzeit auch in Kombination aktiv werden können. Wenn man so will, konvertiert Square Enix seine Premium-Serie zum Adventure mit modernem Beat-em-up-Kampfsystem. Die Serie könnte damit zu neuer Höchstform auflaufen.

Final Fantasy XIII - E3 2009 Trailer2 weitere Videos

Ausblick:

Final Fantasy XIII will den Spagat schaffen: die alten Fans des rundenbasierten Kampfsystems nicht vergraulen und mit dem Echtzeit-Element weitere hinzugewinnen. Ein Kompromiss, der Sinn macht. Die Grafik sieht wie immer fantastisch aus, die bewährten Elemente werden beibehalten und die Neuerungen klingen vielversprechend. Die Sonderstellung von Final Fantasy im Genre dürfte mit dem dreizehnten Teil mindestens gefestigt werden.

Ersteindruck: Gut

Angekündigt für: 2010

Nier: Diablo à la Square

Von der angesprochenen Stärke Square Enix' im Storytelling-Bereich wird garantiert auch „Nier“ profitieren. Das Action-Adventure trägt den Namen des Protagonisten, der in der Gameplay-Demo in bester Eastern-Manier die tollkühnsten Aktionen vollführt. Auf Schusswaffen wird verzichtet, trotzdem heißt es: „Zieh!“, wenn Monster auftauchen und im Weg zur Heilung eines kleinen Mädchens stehen. Dann zückt der weißhaarige Held seine breite, schartige Klinge und stürzt sich in den Kampf.

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Nier: Final Fantasy trifft Diablo, trifft Zelda trifft Devil May Cry trifft...
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Das Mädchen ist Niers Tochter, hat sich mit dem „Schwarzen Sudel“ infiziert und wartet auf Erlösung durch ihren Vater. Laut Projekt-Manager Takayuki Kawasaki orientiert sich das grundlegende Spielprinzip an Diablo. Was die Rollenspiel-Elemente betrifft, können wir das bestätigen: Wir sehen eine Gesundheits- und eine Mana-Anzeige für Zaubersprüche, müssen Gegenstände und Erfahrungspunkte sammeln, um Niers Erfolgsaussichten zu verbessern. Wären die Monster bereits mit den endgültigen Texturen versehen, würde das Flair noch besser transportiert. Trotzdem sieht Nier schon jetzt wie das Blizzard-Hack'n'Slay in 3D aus, in der typischen Dritte-Person-Ansicht eines Action-Adventures.

Wie bei vielen anderen Square-Enix-Titeln liegt auch bei diesem Projekt der Fokus auf der Einzelspieler-Kampagne. Ob es einen Mehrspieler-Modus geben wird, ist mindestens unklar. Als wir nachbohren, wird daraus ein „unwahrscheinlich“. Cutscenes sind zwar eingearbeitet, sollen jedoch nicht einen so großen Stellenwert einnehmen wie bei anderen japanischen Rollenspielen. Der zweite Orientierungspunkt für die Entwickler ist der Klassiker Zelda. Dieser Name wirkt etwas angestaubt; die Umsetzung glänzt wie neu, wenn Nier Fahrt richtig aufnimmt.

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Die Welt von Nier wirkt schon jetzt sehr stimmig.
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Das passiert hauptsächlich in zahlreichen Bosskämpfen, die einen Fixpunkt im Open-World-Konzept Niers einnehmen. Dabei wird großer Wert auf Abwechslung gelegt. Ob organisch, mechanisch oder beides – eines werden die gegnerischen Viecher sicher sein: riesig. Während der Auseinandersetzungen mit dem Ungetier soll es immer wieder Mini-Quests geben, die die langwierigen Kämpfe aufpeppen.

So bekam ich etwa eine 2D-Sidescroller-Sequenz zu sehen, in der Nier wie im ersten Prince of Persia durch ein Ebenenlabyrinth hastet und einem anderen Charakter zu Hilfe eilt, der sich mehr schlecht als recht einem mehräugigen, tentakelköpfigen Schleimriesen zur Wehr setzt.

Ausblick:

Diablo trifft auf Zelda, in einer japanisch angehauchten Fantasy-Umgebung, als Action-Rollenspiel in 3D. Ob die Mischung aus Erkundung, Hatz nach Gegenständen und abwechslungsreichen Bosskämpfen in Europa zünden wird? Möglich, wenn Square Enix die spielerische und grafische Distanz zu anderen Japano-Rollenspielen wahrt.

Ersteindruck: Gut

Angekündigt für: 2010

Front Mission Evolved: die volle Mech-Action

Front Mission? Das war doch... genau, dieses japanische Mech-Spiel auf der PlayStation. In Japan ist es eine etablierte Serie, die auf stolze acht Titel kommt. Nach Deutschland schaffte es mit dem dritten Teil dagegen nur einer. Stand Front Mission bislang größtenteils für rundenbasierte Strategie, wird der kommende Ableger der erste Action-Titel der Serie. Das „Evolved“ im Namen soll auf das grundsätzlich neue Gameplay hinweisen.

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Monströse Mechs bevölkern das Universum von Front Mission.
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Zu Beginn der Gameplay-Präsentation schießt sofort ein Name durch den Kopf: Battletech. Wer das Tabletop-Spiel oder seine Computerspiel-Ableger kennt, weiß bereits, wie das grundlegende Prinzip von Front Mission Evolved (FME) funktioniert. Mech-Kampfroboter, mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Waffen ausgestattet, bekämpfen sich in futuristischen Industrie-Schauplätzen, zwischen Kränen, Rohren und großen Containern. Allerdings verzichtet FME auf die typischen Hexfelder; alle Roboter sind auf Shooter-Action ausgelegt.

Trotz der spielerischen Distanz zu Battletech will der Sci-Fi-Titel Spieler mit Basteltrieb anlocken. So sind sämtliche Körperteile des Mechs anpassbar und haben ein eigenes Schadensmodell. Das gilt ebenfalls für die vier Waffenslots der Arme. Den Mech modifizieren – dafür wird Geld gebraucht. Das gibt es im Einzelspieler-Modus für erfolgreiches Absolvieren von Missionen. Wenn es während der Erfüllung der Aufgaben besonders brenzlig wird, bringt der Zeitlupen-Modus („Edge Mode“) länger Entscheidungsfreiheit - Bullet Time lässt grüßen. Zusätzlich gibt es mechanisierte Begleiter, die mit ihren Waffen dem eigenen Koloss den Rücken freihalten können.

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Mit Evolved geht die "Front Mission"-Serie Richtung Shooter.
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Die Bewegungen der Mechs sind für einen Shooter vergleichsweise langsam. Doch seit Duke Nukem 3D weiß jeder Genre-Anhänger: Jetpacks sind das Nonplusultra in Sachen Bewegungsfreiheit. Anscheinend wissen das auch die Entwickler von Double Helix, die den Kampfrobotern eine eben solche Hilfe für die Y-Achse eingebaut haben. Damit skaten die Mechs elegant über den Boden, überwinden Hindernisse oder feuern ihre Waffen in der Luft schwebend auf ihre Gegner.

Wem seine Kampfmaschine damit noch immer zu unbeweglich ist, kann auch einfach aussteigen und zu Fuß gehen. Allerdings dürfte das einige Probleme gegen die hochgerüsteten Maschinen geben. Die machen menschliche Gegner einfach platt, im wahrsten Sinne des Wortes: Die Stahlkolosse laufen einfach über das störende Beiwerk aus Fleisch und Blut und sparen sich so die Munition für echte Herausforderungen.

Der Mehrspieler-Teil des Titels soll auf Wettbewerb angelegt sein. Teamarbeit wird wichtig, nicht nur in akuten Schlachtfeld-Situationen. Auch die Waffenwahl der verschiedenen Mechs vor den Kämpfen entscheidet über Sieg und Niederlage. Neben den gängigen Deathmatch- und Team-Deathmatch-Varianten wird es einen Domination-Modus geben, in dem die Teams neben Punkten für die gekaperten strategischen Punkte gleich stationäre Verteidigungsanlagen für sich einnehmen können. Davon bekamen wir jedoch noch nichts zu sehen.

Ausblick:

Ich bin unentschlossen. Lahme Mechs, aber mit Jetpack; angestaubte Umgebung, aber die Option, einfach aus der Kampfmaschine auszusteigen; interessanter Mehrspieler-Modus, doch bislang nur auf dem Papier. Front Mission Evolved hat reizvolle Ansätze, muss aber Konkreteres präsentieren, um mich ins Mech-Cockpit zu locken. Zeit dafür haben Double Helix: Nicht einmal das Jahr der Veröffentlichung wollen die Entwickler verraten.

Ersteindruck: Befriedigend

Angekündigt für: TBA