Autor: Matthias Grimm

Fünf Spiele sind besser als eins. Müsste man meinen. Doch handelt es sich bei eben jenen Fünf um Titel wie Moorhuhn, bekloppter Frosch & Co., offenbart sich die einfache Formel schnell als Milchmädchenrechnung.

Sprechen wir stattdessen von »The Sims«, »Sim City«, »Civilization«, »Master of Orion 2« und, sagen wir mal: 3D Studio, so ist das etwas anderes. Und vereinen sich diese auch noch zu einem einzigen Spiel, dürfte selbst der letzte Skeptiker hellhörig werden.

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Es werde Licht
»Spore« beginnt dort, wo andere Spiele aufhören: beim Editieren und Modifizieren. Was dem Begriff "God Game" eine völlig neue Bedeutung verleiht. Denn während andere Vertreter des Genres eher leer versprechen, lässt »Spore« seinen Spieler wirklich Schöpfung betreiben. Dass dieser dafür wie das große Vorbild sieben Tage braucht, ist unwahrscheinlich. Schließlich ist der Editor kinderleicht zu bedienen und ermöglicht unendlich viele Varianten bei der Erstellung einer Kreatur. Ein spinnenbeiniges Zebra mit roten Streifen und Entenschnabel gefällig? Nichts Ungewöhnliches in »Spore«. Eine wandelnde Nase mit Krakenarmen? Eine Kaulquappe mit Hörnern und Löwenpranke? Oder doch lieber der Mork vom Ork?

Spore - Fünf Spiele in einem. Von The Sims, über Civilization bis hin zu Master of Orion 2.

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Will Wright entschied sich, als er uns sein neues Spiel vorführte, für eine Art zweibeinigen Regenwurm mit Glupschaugen, dessen Schnabel allerdings am Schwanzende angebracht war. Wer also schon immer mal gerne wissen wollte, wie ein Arsch mit Ohren eigentlich aussieht, kann es mit dem »Spore«-Editor rausfinden.

Spore - Fünf Spiele in einem. Von The Sims, über Civilization bis hin zu Master of Orion 2.

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Von Sporen zu Diktatoren
Aber Aussehen alleine ist ja bekanntlich nicht alles. Interessanter wäre es zu erfahren, wie sich ein solches Hinterteil in der freien Wildbahn herumschlägt. Das erfahren wir in der nächsten Phase von »Spore«.

Spore - Fünf Spiele in einem. Von The Sims, über Civilization bis hin zu Master of Orion 2.

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Hier schicken wir unsere Schöpfung in die Welt hinaus - die selbstverständlich auch völlig frei erstellt werden kann - und versuchen ihm, ähnlich der Kreatur in »Black & White«, erstmal Benimm beizubringen und natürlich alles weitere, was so zum Überleben wichtig ist. Ob er sich von Fleisch oder Pflanzen ernähren soll, ob er gerne in Gesellschaft weilt oder lieber den Lonesome Rider macht, ob dieser oder jener Fressfeind oberhalb oder unterhalb in der Nahrungskette steht; das alles lernt er durch uns und die Interaktion mit seiner Umwelt.

Doch weil kein Arsch auf Dauer gern allein ist, haben wir bald einen ganzen Stamm davon unter unsere Fittiche genommen, und schon gehört das Paarungsritual zu unseren wichtigsten Unternehmungen. Mit der Zielgenauigkeit eines Profis bringt Will Wright seinen zweibeinigen Regenwurm mit einer glupschäugigen Kollegin zusammen und - schwupps! - sprühen die Funken. (Warum ich auf der Games Convention eigentlich immer nur Regenwürmer beim Sex beobachten darf, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Klick) In diesem Stadium spielt sich »Spore« ähnlich wie »The Sims«: Der Spieler muss dafür sorgen, dass sich seine Kreaturen wohl fühlen unter seiner Herrschaft, dass sie Freundschaften schließen, sich entwickeln, mit Werkzeugen umzugehen lernen etc.

Und weil immer eins zum anderen und A nach B kommt, hat Will schon bald (nun, nicht wirklich "bald", aber immerhin nach Laden eines Spielstandes) eine ganze Stadt Würmer aufgebaut.Was folgt, ist - man ahnt es bereits - eine Knuddelversion von »Sim City«. Hier gilt es, Gebäude zu errichten und in Forschung zu investieren. Denn schließlich wartet irgendwann die nächste Stufe und die könnte - richtig! - genauso gut »Civilization« heißen.

Unendliche Weiten
Schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass unser Wurm zu Beginn noch gemütlich in seiner Ursuppe umherplanschte und nun auf einmal gezwungen ist, in globalen Maßstäben zu denken, Kriege zu führen und sich in Diplomatie zu üben. Doch das ist noch gar nichts im Vergleich dazu, was den Spieler in der letzten Stufe von »Spore« erwartet. Mit einem wissenden Grinsen im Gesicht, dass gleich ein paar Kinnladen unkontrolliert nach unten klappen werden, packt Will Wright seinen Wurm in ein Raumschiff und lässt ihn in die Atmosphäre entschwinden. Doch im Gegensatz zu »Civilization« endet hier das Spiel nicht, sondern: es geht erst richtig los. Denn unser Wurmschiff fliegt weiter und weiter, vorbei an den Planeten, aus dem Sonnensystem hinaus, Sterne huschen als winzige Pünktchen durchs Bild, ganze Sternhaufen ziehen an unserem Auge entlang, bis wir schließlich die Galaxie in ihrer vollendeten Größe erblicken.

In diesem Moment wird uns klar, was für ein Spiel mit »Spore« da eigentlich auf uns zukommt. Denn jeder einzelne dieser abermillionen Planeten wird uns im Folgenden als einzigartiges Experimentierfeld zur Verfügung stehen: für Besuche, Kämpfe oder Besiedelung. Dies als "grenzenlose Möglichkeiten" zu bezeichnen, wäre vermutlich noch maßlos untertrieben. Und nicht nur das: der Spieler wird dabei auf unendlich viele, von anderen Spielern erstellte Kreaturen, Planeten und Zivilisationen treffen können, die Maxis über das Internet zugänglich macht. "Echtes" Multiplayer wird es allerdings voraussichtlich nicht geben. Spaßeshalber spricht Will Wright daher auch von »Spore« als dem größten "Massively-Singleplayer-Online-Game" aller Zeiten. Und nach diesem ersten Eindruck können wir dies ausschließlich als Prädikat werten.