Je größer die Marktmacht eines Publishers, desto schwerer fällt es, den Unterschied zwischen großem Werbebudget und sinnlosem Hype zu erkennen. Spore ist ein Titel, bei dem wir schon vor gefühlten Äonen von der "Genialität" des Gameplays überzeugt werden sollten.

Wir wollten ja auch daran glauben, schließlich steckt kein Geringerer als Will Wright hinter diesem Zauberkasten, der u. a. mit „Die Sims“ das wohl erfolgreichste Spiel aller Zeiten erschuf. Wir sind der Frage nachgegangen, ob Spore diesem Anspruch letztendlich gerecht werden kann.

Nicht vergessen: Nach dem Fertiglesen das gamona Video Review zu Spore anschauen!

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Am Anfang war die Zelle

Der Beginn ist denkbar einsteigerfreundlich ausgefallen: Ihr findet euch als einzelliges Überbleibsel eines Meteors wieder, der in eine Art Ursuppe gestürzt ist, und habt nur eine Aufgabe: Überleben! In diesem Mikrouniversum, in dem lauter kleine Amöben und Kleinsttierchen wie unter dem Mikroskop über unseren Bildschirm schweben oder schwimmen, gibt es nur ein Gesetz: fressen oder gefressen werden.

Spore - Die Sporen im Review: Wie gut ist Will Wrights neuester Streich wirklich?

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Als Einzeller sammelt ihr DNA-Fragmente für eure Kreatur.
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Also stürzen wir uns in den ewigen Kampf ums Leben und ordnen uns dem darwinistischen Prinzip unter, bei dem sich nur der Stärkere am Ende durchsetzt. Nur wer frisst, hat in dieser ersten kurzen Phase (Zellphase, ca. 30 Minuten) von Spore die Chance, sich durchzusetzen und seine Kreatur weiter zu entwickeln.

Durch die Nahrungsaufnahme erlangt ihr stetig weiteres genetisches Material für eure Kreatur, die ihr beispielsweise ganz nach ihrem Fressappetit ausrichtet und eher als Pflanzen- oder Fleischfresser abrichtet oder sie im genial einfach zu bedienenden Baukasten-Editor mit verschiedenen Verteidigungs- und Angriffsmechanismen ausstattet, sie zu schnellen Schwimmern oder fetten Zell-Dümplern designt.

Packshot zu SporeSporeRelease: DS, PC: 3. Quartal 2008 kaufen: Jetzt kaufen:

Die Möglichkeiten bei der Erschaffung eures Lebewesens sind immens, aber nicht ohne Grenzen. Sobald man sich an die Spitze der Nahrungskette gefressen hat, stattet man seine Figur schließlich mit Beinen aus und es geht an Land, wo die zweite Phase (Kreaturenphase) beginnt.

Kreativer Freiraum

Dieser Spielabschnitt bietet euch mithin den größten kreativen Freiraum, und der Kreatureneditor kommt hier so richtig in Schwung. Eurer Fantasie sind nur wenige Grenzen gesetzt. Lebewesen, die nicht halbwegs humanoid daher kommen, haben allerdings im evolutionären Entwicklungskampf, der sich auf eurem Planeten abspielt, leider kaum Überlebenschancen. Ein vor sich hinrollender, friedlicher Zellhaufen ohne Beine wird beispielsweise gegen schnelle Jäger-Spezies kaum Chancen haben.

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Beim Design eurer Kreaturen sind euch kaum Grenzen gesetzt.
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Je nachdem, wie ihr die Kreatur ausstattet, ist sie etwa schnell und flink und tanzt gut, oder ihr entwerft einen bissigen Fleischklumpen auf acht Beinen, der mit anderen Arten kurzen Prozess macht. Kriegerische Handlungsweisen bzw. der Weg des Raubtiers ist in Spore die schnellste und einfachste Art, um die evolutionäre Leiter erfolgreich hinaufzuklettern. Allerdings kann man es auch als friedlicher Pflanzenfresser versuchen, der sich durch Bezirzen anderer Arten bzw. Diplomatie durchsetzt. Ihr sammelt dabei ständig weiteres DNA-Material, baut eure Kreatur so häufig um, wie es euch gefällt, und gelangt schließlich zu Phase drei, in der man sich nun als Stamm behaupten muss.

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Jeder Schritt der Evolution lässt sich nachverfolgen.
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Das gesamte Spielprinzip basiert auf der Entwicklung eurer Art vom Kleinen zum Großen, also vom Einzeller zum komplexen Wesen, das durchs All fliegt und andere Welten erforscht und erobert. Dieser Fortschritt vom Mikro- zum Makrokosmos erreicht nun seinen ersten Höhepunkt, denn ihr seid nicht mehr nur für einige wenige Kreaturen verantwortlich, sondern managed kleine Stämme, die sich im Wettstreit mit anderen Zivilisationen befinden, die einem die Nahrungs-Ressourcen streitig machen.

Spore hat das Potenzial zum Meisterwerk, ist aber insgesamt zu oberflächlich.Fazit lesen

In dieser Stammesphase macht sich jedoch auch immer gravierender bemerkbar, dass Spore bis hierhin ziemlich wenig spielerischen Tiefgang bietet. Abgesehen vom Figuren-Editor habt ihr sehr wenig Freiräume und folgt (auch in jeder weiteren Spielsession) größtenteils vorgegebenen Abläufen. Wenn man die Ziele einer Phase erreicht hat, kann man zwar weiterspielen, es hat aber leider keinen Einfluss mehr auf die von euch erschaffenen Zivilisation.

Es fehlt der Tiefgang

Es folgt Phase vier, die einem simplen Echtzeitstrategie-Baukasten gleicht. Ihr steht im planetaren Wettstreit mit einigen anderen Spezies und habt nur ein Ziel: Den Globus zu dominieren und euch alles Leben Untertan zu machen. Auch in dieser Zivilisationsphase gibt es die Möglichkeit, neben Krieg auf Diplomatie oder gar Religion zu setzen.

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Am einfachsten kommt ihr in Spore durch Krieg voran.
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Letztlich geht es jedoch am einfachsten, wenn man sich einfach genug selbst erstellte Vehikel wie Panzer, Flugzeuge und/oder Schiffe baut und die Städte der Konkurrenz dem Erdboden gleichmacht bzw. erobert. Hier dominiert der Kampf um eine wichtige Ressource das darwinistische Wettrennen, und wer sich schnell und weit genug entwickelt, erhält noch Spezialfunktionen wie nukleare Bomben.

Spätestens hier zeigt sich auch, dass die Steuerung von Spore ziemlich unausgewogen und uneinheitlich ausgefallen ist. Wenige Features ziehen sich wie ein roter Faden durch diesen Bastel-Baukasten, häufig wechseln Funktionen, wie z.B. das Drehen von Vehikeln/Figuren die Maus- oder Tastenbelegungen von einer Epoche zur anderen und sorgen so für Verwirrung. Obendrein ist das Handling generell zu hakelig ausgefallen, gerade was das Mikromanegement der Fahrzeuge betrifft.

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Am Ende steht euch die ganze Galaxie offen.
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Besonders auffällig ist dieser Umstand in der fünften und letzten Spore-Episode, der Weltraumphase. Wie gewohnt, dürft ihr auch hier ein Raumschiff nach euren eigenen Vorstellungen modellieren, die Steuerung ist jedoch ziemlich gewöhnungsbedürftig, was sich vor allem in den Scharmützeln bemerkbar macht. Dafür entschädigt diese Spielphase zunächst für viele Entbehrungen des vorherigen Spielgeschehens, das zwar kreativen Freiraum bietet, aber in vielerlei Hinsicht oberflächlich bleibt und die Idee hinter Spore stellenweise leider nur ankratzt.

Das Weltall, respektive die Galaxie, in der sich euer Planet befindet, ist riesig und bietet Platz für Tausende von Sternensystemen mit vermutlich Millionen von (mehr oder weniger) bewohnbaren Planeten. Im All findet ihr aber auch potenziell viel mehr Konkurrenz, die euch das Leben schwer macht oder mit euch Bündnisse eingeht.

Unendliche Weiten

Ihr erkundet Systeme, terraformt unwirtliche Planetoiden, schmiedet Allianzen, führt Krieg und erobert Zivilisationen oder erreicht dies durch Handelsrouten. Später kauft ihr kurzerhand ganze Planetensysteme auf und verleibt sie eurem wachsenden Reich ein. Zunächst müsst ihr euch jedoch auf dem Wege der Diplomatie das Vertrauen der anderen Spezies erarbeiten und erledigt Missionen für die Aliens.

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Viele Missionen laufen nach Schema F ab.
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Diese Aufgaben sind zwar auf den ersten Blick recht vielfältig, ziemlich schnell erweist sich das aber leider als Trugschluss. Viele Missionen laufen nach Schema F ab und ihr fliegt zu irgendwelchen Planeten, wo ihr Proben sammelt, neue Spezies auskundschaftet, eine Ökokatastrophe verhindert, Artefakte ausfindig macht und so weiter. Während man in den vorherigen vier Phasen eher unterfordert war, kann das hier schnell ins Gegenteil umschlagen, wenn nämlich Konflikte überhand nehmen.

Plötzlich greift etwa eine feindselige Art eine unserer Kolonien an, und wir sind dazu aufgerufen, zu ihrer Verteidigung anzurücken. Gleichzeitig kann es passieren, dass sich einer unserer Konkurrenten entscheidet, unseren Heimatplaneten zu attackieren. Und zwar im regelmäßigen Abstand von wenigen Minuten. Es genügt allerdings nicht, die Spezies aus unserem System zu ballern, am besten vernichtet man gleich ihre ganze Zivilisation - einfach nur um Ruhe zu haben. Häufig wird man ständig aus seinen eigentlichen Missionen gerissen, nur weil man die Expansion seines Imperiums nicht schnell genug vorangetrieben hat und plötzlich von Feinden umzingelt ist.

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Die Kreaturen sind zwar hübsch, die Grafik von Spore ist allerdings wenig berauschend.
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Der Fortschritt und die Ausweitung des Imperiums wird mit Auszeichnungen und Erweiterungen für euer Raumschiff belohnt: Es wird schneller, kann mehr Fracht aufnehmen, größere Distanzen überwinden oder verfügt schlicht über mehr Feuerkraft und Lebensenergie. All das macht natürlich eure Expansion im All leichter, die ihr übrigens nicht nur mit Waffengewalt durchsetzt, auch Terraforming oder Handel stehen an der Tagesordnung. Der Weg der Diplomatie ist dagegen deutlich aufwändiger bzw. mit Geldzahlungen verbunden, die man sich zumindest anfänglich nicht annähernd leisten kann oder will.