Sekundenbruchteile entscheiden im Sport häufig über Sieg oder Niederlage, das gilt auch bei Autorennen, wo oft nur kleinste Zeitunterschiede zwischen Podiumsplätzen und Losern unterscheiden.

In Split/Second: Velocity beeinflussen diese minimalsten Zeitintervalle den Spielablauf jedoch noch gravierender - eine verspätete Reaktion führt hier nicht nur zum Verlust der aktuellen Position, sondern lässt euch mitunter einen Jumbojet auf den Kopf fallen. Doch das ist noch lange nicht das spektakulärste Event in diesem Arcade-Racer, der aufgemacht ist wie eine fiktive Fernsehshow.

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Wer hat die bombigeren Argumente?

So erleben wir keine ordinäre "Kampagne", vielmehr versetzt uns das Geschehen in eine Staffel, die aus zwölf Episoden mit unterschiedlichen Thematiken besteht. In jeder der Folgen, die brachiale Titel wie "Feuerwerk", "Großer Knall" oder "In die Eisen" tragen, stehen sechs Rennevents zur Verfügung, von denen jedoch zunächst nur zwei nach einem regulären Schema ablaufen - alles andere sind Spezialrennen (dazu später mehr).

Split/Second: Velocity - Das Call of Duty unter den Rennspielen

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Um solchen plötzlich auftauchenden Hindernissen auszuweichen braucht es Streckenkenntnis und gute Reaktionen.
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Doch eigentlich gibt es bei Split/Second gar keine herkömmlichen Rennen. „Regulär“ bezieht sich lediglich darauf, dass es darum geht, sich in einem 8er-Feld durchzusetzen und die Ziellinie nach spätestens drei Runden als Erster zu überqueren. Alles andere mutet an wie ein halbwegs kontrolliertes Chaos.

Es geht nicht in erster Linie nur darum, der Schnellste zu sein, sondern auch der Cleverste. Während ihr nämlich Fahrt aufnehmt, akkumuliert ihr Energie in drei Stufen durch geschicktes Ausnutzen des Windschattens eurer Konkurrenten, durch Sprünge und durch Driften. Sobald ihr genügend Saft für Stufe 1 und 2 aufgeladen habt, initiiert ihr per Knopfdruck die sogenannten Powerplays, mit denen ihr euren Widersachern gehörig einheizen könnt.

Packshot zu Split/Second: VelocitySplit/Second: VelocityErschienen für PC, PS3, Xbox 360 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn auf euren Befehl hin detonieren Lkws und Busse, werden explosive Fässer von Hubschraubern fallen gelassen, Betonschranken aufgestellt, rumpeln plötzlich Hindernisse herbei oder schleudern riesige Bagger ihre Schaufeln über den Asphalt. Um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Wer von einem dieser Powerplays erwischt wird, darf sich eine spektakuläre Crash-Animation seines No-Name-Boliden anschauen und muss sich mit einer Zeitstrafe abfinden.

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Es gibt kaum etwas, dass bei den brachialen Fahrten nicht in die Luft gejagt werden kann!
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In dem stets eng beieinander liegenden Fahrerfeld von Split/Second sind solche Zurückstufungen meist einschneidende Ereignisse. Liegt man eben noch an erster Stelle, wird man nach einem Crash schnell auf eine der hinteren Positionen durchgereicht. Das Frustpotenzial ist dementsprechend recht hoch, denn der spürbare Gummibandeffekt lässt euch selten einen größeren Vorsprung herausfahren. Umso befriedigender sind jedoch auch Podiumsplatzierungen, die wahrlich hart erarbeitet werden müssen.

Je mehr Runden ihr auf den industriell geprägten Stadtkursen dreht, desto mehr profitiert ihr im Spielverlauf von eurer Streckenkenntnis. Ihr löst mit der gewonnenen Energie nämlich nicht nur Powerplays aus. Auch aufsehenerregende Umleitungen gehören zum "Waffenarsenal" und kürzen den Weg mitunter deutlich ab. So könnt ihr unterwegs eingebüßte Zeit oft mit Cleverness noch kurz vor dem Ziel gutmachen, indem ihr euch etwas Energie aufhebt, anstatt mit der Bruteforce-Methode nichts auszurichten, weil der Gegner eurem heimtückischen Angriff aus dem Hinterhalt entgeht.

Zerstörungswut pur!

Sofern ihr eure Energie nicht für diese ersten beiden Varianten verpulvert habt, steht euch die dritte Stufe der Zerstörungswut zur Verfügung, mit der sich beachtliche Veränderungen an den Rennstrecken vornehmen lassen. Ganze Türme fallen in sich zusammen, Autobahnbrücken werden aufgerissen, Schiffsbäuche und die Landedecks von Flugzeugträgern zu Fahrbahnen umfunktioniert, Megaexplosionen reißen Häuser auseinander - es gibt kaum etwas, das stehen bleibt.

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Die heißen Flitzer sehen gut aus, sind aber austauschbar.
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Manchmal wundert ihr euch bei all dem Tohuwabohu, wie es überhaupt möglich sein soll, durch dieses immense Trümmerfeld zu navigieren. Überraschend häufig klappt das sogar ganz gut, wenn man nicht wieder mit der kleinsten Ecke seines Kotflügels an irgendeinem Pixelschnipsel hängen bleibt. Bei diesen Kollisionsabfragen ist Split/Second für meinen Geschmack viel zu pingelig und sorgt für nervige Unfälle der Marke: "Häh, was war denn jetzt schon wieder?" In Kombination mit den etwas zu trägen Fahrzeugen sorgt das gelegentlich für einen leicht unbefriedigenden Nachgeschmack.

Bombiges Rennerlebnis für zwischendurch mit Abzügen in der B-Note.Fazit lesen

Neben den "herkömmlichen" Rennevents sorgt Entwickler Black Rock Studios mit einigen Spezialrennen für etwas Abwechslung. Bei Eliminator-Folgen solltet ihr euch vom Ende des Fahrerfeldes fernhalten, wenn ihr nicht ohne Credits ausscheiden wollt. Diese Belohnungen schalten neue Fahrzeuge und Strecken frei und ermöglichen euch letztlich neue Episoden zu erleben und damit die Kampagne bis zum Ende durchspielen zu können. Detonator-Events sind verkappte Zeitrennen, in denen euch die KI allerlei Powerplays in den Weg stellt.

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Wer mit seiner Powerplay-Energie haushaltet, kann auch besonders krasse Zerstörungen initiieren.
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Hier befindet ihr euch genauso allein auf der Strecke wie bei "Überleben", wo ihr in engen Kanälen hinter Lkws herfahrt, aus denen explosive Fässer geworfen werden. Während ihr die Brummmys überholt, um Zeitgutschriften zu erhalten, weicht ihr diesen gefährlichen Hindernissen aus. Nach drei Volltreffern heißt es "Game Over". Drei Leben stehen euch auch im Modus "Luftangriff" zur Verfügung, wo ein Militärhubschrauber mit Raketen auf die Straße ballert. Je länger ihr während eurer Fahrt diesem Beschuss ausweicht, desto besser eure Platzierung.

In "Himmlische Rache" wird dieses Verfahren sogar teilweise umgedreht und ihr schickt Raketen zurück, um den Heli zum Absturz zu bringen. Zu guter Letzt warten am Ende einer Episode noch ein Bonusrennen und ein Eliterennen auf euch. In Letzterem müsst ihr mindestens Dritter werden, um euch für die nächste Episode zu qualifizieren.

Um frischen Wind bemüht

Es ist spürbar, dass Split/Second versucht frischen Wind in das Genre zu bringen, und das gelingt auch mit solchen Modi zur Genüge. Es ist jedoch eher der relativ kurzen Spielzeit der Kampagne (ca. 7-8 Stunden) geschuldet, dass sich das zerstörerische Konzept nicht zu sehr abnutzt.

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Der Unterschied zwischen Rang 1 und 8 ist häufig nur einen Crash entfernt.
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Ein weiterer Grund dafür ist neben dem eher hohen Schwierigkeitsgrad auch die Tatsache, dass man nicht einfach mit jedem Auto in jedes Event starten kann. Die Fahrzeuge steuern sich teilweise nicht nur deutlich unterschiedlich, sie haben auch verschiedene Attribute hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Schaden, ihres Driftvermögens oder ihrer Beschleunigungsfähigkeit. Fährt man in einem Rennen trotz bester Streckenkenntnis nur hinterher, kann sich der Griff zu einem anderen Wagen schnell als Heilsbringer erweisen. Es ist aber sehr schade, dass bei einem derart fulminant inszenierten Zerstörungsorkan auf eine Replay-Funktion verzichtet wird. Etwas mager ist zudem die Beschränkung auf lediglich zwei Kameraperspektiven (Stoßstange/Heck), dagegen überzeugt das sehr schlanke Renninterface durch Übersichtlichkeit.

Das Spektakel im Video: Hier klicken für Trailer.Wer sich gerne in Onlinerennen gegen menschliche Konkurrenten stürzt, wird davon profitieren, die "Staffel" durchgespielt zu haben. In den Rennen macht es sich nämlich durchaus bemerkbar, dass einige Spieler bereits Fahrzeuge einsetzen, die andere noch nicht freigeschaltet haben und damit einen spürbaren Vorteil haben. Dummerweise habt ihr darauf gar keinen Einfluss, denn die Lobby würfelt alle Teilnehmer wild durcheinander und wählt auch die Strecke nach einem Zufallsprinzip aus.

So sehr es auch Spaß macht gegen menschliche Fahrer anzutreten, dieser Online-Modus ist leider nur ansatzweise zu gebrauchen, wirkt unfertig und auf die schnelle zusammengeschustert/angeflanscht. Schade.