Autor: Nedzad Hurabasic

Mit "Splinter Cell: Double Agent" steht der mittlerweile vierte Teil der erfolgreichen Spionageserie in den Startlöchern - respektive den Schleichschuhen. Erstmals absolviert Geheimagent Sam Fisher seine Mission als Chef-Infiltrator auch auf der Xbox 360 - und das, noch bevor er den anderen Plattformen seinen heimlich, still und leisen Besuch abstattet.

Aber damit der Neuheiten nicht genug: In der neuen Episode kämpft der Ex-Navy-Seals-Elitesoldat nicht automatisch aufseiten der Guten, sondern steht als Doppelagent zwischen den Fronten. Wir haben uns mit dem Doppelagenten undercover gewagt und einen brisanten Report für euch angefertigt.

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Fallen Hero
Auch Helden wie Sam Fisher erleiden Schicksalsschläge und lassen sich von ihnen aus der Bahn werfen. Letztendlich ist auch er nur ein ganz normaler Mensch. Der Tod seiner Tochter bricht den sonst stahlharten Mann, und er landet aus unerklärten Gründen im Ellsworth-Knast - inmitten von Schwerverbrechern.

Obwohl er offiziell aus dem Dienst der NSA ausgeschieden ist, wird er dort natürlich wieder als Agent tätig - als Undercover-Mitarbeiter. Das Ziel ist klar gesteckt: Fisher soll sich das Vertrauen des Gauners Jamie Washington erschleichen, um Zugang zur Terrororganisation John Brown's Army (JBA) zu erhalten. Was liegt da näher, als dem Kriminellen zur Flucht aus dem Gefängnis zu verhelfen und dadurch zum Doppelagenten zu werden.

Splinter Cell: Double Agent - Seitenwechsel: Als Doppelagent steht Sam Fisher zwischen den Fronten.

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To kill or not to kill...
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Dass dieser Auftrag kein Zuckerschlecken wird, zeigt schon der Ausbruch aus dem Knast, wo sich Sam das Vertrauen seines neuen Protegés erarbeiten muss. Dies ist einer der nagelneuen und wohl wichtigsten Aspekte von "Splinter Cell: Double Agent": Alle Entscheidungen und Handlungen haben einen Einfluss auf die Vertrauenswertung der beiden Parteien NSA und JBA. Während Fisher vordergründig für die Terroristen agiert und ihre Aufträge erledigt, laufen häufig parallele Missionen für die Geheimdienstler ab.

Packshot zu Splinter Cell: Double AgentSplinter Cell: Double AgentErschienen für Xbox 360, GameCube, PS2, XBox, PSP, PC, Wii und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Manchmal muss sich der Protagonist sogar entscheiden, welchen Auftrag er ausführt. Tötet er eine Geisel, leidet sein Ansehen bei der NSA. Dafür stellt er aber die JBA zufrieden und rettet womöglich Millionen andere. So kann jeder Spieler die moralischen Fragen des Spiels auf seine eigene Art beantworten. Glücklicherweise scheitert niemand endgültig, wenn er sich in gewissen Situationen für die eine oder andere Vorgehensweise entscheidet.

Was machen Sie, Herr Fisher?
Das Vertrauenssystem ist aber vielschichtiger, als nur zwischen gut und böse und richtig oder falsch zu entscheiden. Wichtig ist, die richtige Balance zwischen den konkurrierenden Parteien und Auftragszielen zu halten: Erlischt nämlich das Vertrauen zu einer der beiden Seiten, ist der Agent gescheitert, und der Spieler muss einen gesicherten Spielstand laden.

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Ob hier Blut fließt, liegt an euch.
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Vertrauenspunkte sind ferner von Bedeutung, um sich Zugang zu bestimmten Bereichen des Spiels zu sichern: Agiert Mr. Fisher im geheimen Hauptquartier der JBA, darf er mangels Vertrauen viele Bereiche zunächst nicht betreten. Die alles entscheidende Frage ist dann: "Was machen Sie, Herr Fisher?" Hintergeht er seine kriminellen Kumpanen und dringt in verbotene Bereiche ein, droht Ärger. Manchmal verliert er dabei nur ein wenig Vertrauen und wird aus der Sicherheitszone begleitet. Wenn das Vergehen zu extrem war, ist die Mission gescheitert.

Knifflig ist dabei, dass der Spieler keinen der Terroristen umbringen darf und erst, wenn es richtig heiß wird, der Schleichmodus aktiviert wird. Mit diesen Stealth-Aktionen sind häufig auch Nebenaufträge verbunden, die im Missionslogbuch mit einem Sternchen markiert sind. Bei erfolgreicher Vollstreckung schaltet der Spieler so weitere Ausrüstungsteile frei, ein Scheitern (oder Ignorieren) bedeutet aber im Gegensatz zu Hauptaufträgen nicht das Aus.

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Wer wird denn gleich abheben!
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Ansonsten hat sich beim Vorgehen des Agenten kaum etwas geändert. Nach wie vor schleicht er am liebsten im Dunklen umher und agiert unentdeckt im Verborgenen. Ab sofort gibt es aufgrund der teilweise widersprüchlichen Missionen etwas mehr Entscheidungsfreiheit für den Spieler. Zuviel Aufsehen und damit verbundene riskante Schusswechsel schaden der Gesundheit des in die Jahre kommenden Helden. Trotzdem wirken seine Bewegungen noch geschmeidiger als zuvor, die Animationskünstler haben prächtige Arbeit abgeliefert. Wer sich daran ergötzen möchte, sollte einfach mal die Schwimm- und vor allem Tauchanimationen begutachten. Aber auch beim Klettern, Abrollen oder Hangeln macht Sam eine famose Figur.

Lernt auch im hohen Alter noch dazu...
Diese erhöhte Beweglichkeit ist aber auch dringend notwendig, denn viele der Missionen spielen diesmal bei Tage und nicht mehr im Schummerlicht. Naturgemäß fällt es dem Agenten daher schwerer, ungesehen von einer Deckung zur anderen zu huschen. Besonders die blendend hellen Schnee- und Eis-Passagen (mit sehr stylischem weißen Tarnanzug!) und die Wüstenlevel sind in dieser Hinsicht fordernd.

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Von hinten macht's am meisten Spaß...
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Auch in "Splinter Cell: Double Agent" geht es nicht darum, blindwütig alle Feinde zu töten. Wer es darauf anlegt, kann die meisten Aufgaben absolvieren, ohne jemanden zu töten. Das wird zudem in der Missionsauswertung belohnt, wo es für tote Widersacher Abzüge hagelt. Wer von den schallgedämpften Schusswaffen Gebrauch macht, sollte den Einsatz vorher gründlich durchdacht haben. Bekommen andere Wachen Wind von den Schüssen oder sehen die Getöteten, wird Alarm ausgelöst und ein Teil der Mission gilt als gescheitert. Geschickte Doppelagenten verstecken ihre Opfer daher.

Die KI der computergesteuerten Kontrahenten agiert recht geschickt und schaltet beispielsweise das Licht wieder ein, nachdem der Spieler es gelöscht hat. Wenn das nicht möglich ist, zücken sie auch Taschenlampen, was es dem Agenten nicht unbedingt leichter macht. Dafür ist es aber nach wie vor spannend, die Wege zum Glück zu finden. Oft gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten - direkte aber auch indirekte. Und einige, auf die man manchmal nur zufällig trifft.

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Neue Moves: Die Gefahr kommt aus dem Wasser.
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Hilfreich sind dabei einige neue Fertigkeiten und Moves. So zieht der Geheimdienstler seine überraschten Gegner beispielsweise durch ein Loch im Eis unters Wasser und tötet sie dort lautlos. Oder er wirft sie über Brüstungen in die Tiefe. Seine alten Fertigkeiten, wie den berühmten Spagatschritt zwischen zwei Wänden, hat er natürlich nicht verlernt. Medipacks benötigt Sam übrigens keine mehr, wodurch das lästige Suchen nach diesen Utensilien wegfällt. Nach wenigen Sekunden in Deckung ist seine Gesundheit wieder hergestellt. Gelegentlich wird das Gameplay durch kleinere Hacker-Rätsel aufgelockert, mit denen Türen, Rechner oder Safes aufgebrochen werden. Die Mini-Spiele sind jedoch ziemlich simpel und sollten niemanden vor übergroße Probleme stellen. Vor allem optisch gelungen sind auch Sequenzen wie das Fallschirmspringen - nicht schwer, aber mal was anderes.

Spy vs. Söldner
Geübte Gamer werden keine Probleme dabei haben, den Einzelspieler-Teil in weniger als zehn Stunden durchzuspielen (mittlere Schwierigkeit). Zum Glück gibt es bei "Splinter Cell: Double Agent" aber noch einen zweigeteilten Multiplayermodus via Xbox Live. Zum einen dürfen Spieler im Koop-Modus Meriten sammeln, zum anderen treten sie im 3vs3-Modus als Agenten und Söldner gegeneinander an.

Anfänger sollten sich besser nicht direkt in den VS-Modus stürzen, sondern zunächst im Koop-Modus die recht kompliziert aufgebauten Maps studieren. Dort agiert der Spieler allein oder im Team nur aufseiten der Agenten und hat die Aufgabe, Datensätze zu sichern und sich dabei nicht von den computergesteuerten Söldnern erwischen zu lassen. Ubisoft hat das Gameplay ein wenig entstaubt und überflüssig komplizierte Features entfernt. Notorischen Nörglern wird das übel aufstoßen, die Mehrheit dürfte es aber begrüßen.

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Kleine Puzzle-Aufgaben lockern das Gameplay auf.
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Die Entwickler haben außerdem ein Ranglisten-System eingebaut, das für Erfolge neue Ausrüstungsgegenstände sowie Maps und Highscorelisten spendiert. Wer sich in den VS-Modus wagt, sieht sich als Spion mit zwei weiteren Agenten drei Upsilon-Söldnern gegenüber, die das Stehlen der Datensätze verhindern müssen. Während die Spione größtenteils unbewaffnet, dafür aber schnell und geschickt sind, tragen Söldner automatische Waffen mit unbegrenzter Munition, Bewegungsdetektoren und Taschenlampen mit sich herum. Eine direkte Konfrontation überlebt kein Agent. Spione haben dafür andere Gadgets zur Verfügung, die ihnen in den tiefdunklen Karten Vorteile verschaffen.

Optischer Leckerbissen
Grafisch ist "Splinter Cell: Double Agent" eines der bisher eindrucksvollsten Spiele für die Xbox 360. Was die Designer hier geleistet haben, ist schlicht Weltklasse: ultrascharfe Texturen, waberndes und von der Mattscheibe herabtropfendes Wasser, realistisch aussehende Rauchschwaden, Explosionen - alles vom Feinsten. Natürlich hat man vieles so oder so ähnlich bei dieser Reihe schon gesehen, allen voran die tollen Licht- und Schatteneffekte. Aber wer bei den überragenden Eis-, Wasser- und Sandsturmeffekten nicht Bauklötze staunt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

Als ausgesprochen gelungen erweist sich auch die Soundkulisse. Musik und Effekte arbeiten Hand in Hand und lassen keinen Moment ungenutzt, um die Spannung hoch zu halten und eine tolle Atmosphäre zu schaffen. Klasse! Zu guter Letzt reiht sich die Vertonung in den schwärmerischen Reigen ein, auch wenn ich mir eine optionale Umschaltung auf die englischen Sprecher gewünscht hätte.