Etwa zwei Dutzend Spiele wurden rechtzeitig zum Start der PlayStation 3 veröffentlicht. Ein Großteil davon bestand jedoch nicht aus exklusiven Neuerscheinungen, sondern Umsetzungen bereits seit Monaten bekannter Games. Mit Splinter Cell: Double Agent liegt nun einer der letzten Vertreter dieser Sparte vor uns, bzw. hinter uns - und wir sind froh darüber.

Nicht, weil das (noch immer) aktuelle Sam Fisher-Abenteuer in seiner PS3-Ausgabe so viel schlechter wäre als seine Vorgänger. Aber nach dem vierten Durchgang vergeht verständlicherweise selbst dem größten Fan (und Redakteur) die Lust auf eine weitere Runde als Doppelagent… Was unsere Objektivität jedoch selbstverständlich nicht beeinträchtigt hat.

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Doppelte Zwillinge?
Die PS3-Fassung ist von der schon seit Längerem erhältlichen Xbox-360-Version praktisch nicht zu unterscheiden. Inhaltlich hat sich kaum etwas geändert: Geboten werden dieselbe Story, identisches Gameplay und Missionen. Sam Fisher, Agent der NSA-Splittergruppe "Third Echelon", gerät nach einem privaten Schicksalsschlag vermeintlich auf die schiefe Bahn und wird in den Knast gesteckt. Dort soll der Schattenschleicher die Terrororganisation John Brown's Army (JBA) infiltrieren und seinen Auftraggebern wichtige Informationen liefern. Pflichtbewusst nimmt sich Fisher dieses Auftrags an, der ihn bzw. den Spieler im Verlauf des spannenden Abenteuers vor moralische Zwickmühlen stellt.

Splinter Cell: Double Agent - Und noch einmal Sam Fisher: Nimmt der Doppelagent auch die PS3 im Sturm?

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Hoffentlich erwischt mich Papa nicht wieder beim Zocken...
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Man erledigt diesmal nämlich nicht nur Missionen für die Spionage-Agentur. Um sich das Vertrauen der Terroristen zu verdienen, absolviert ihr auch Aufgaben der weniger netten Sorte und agiert für das Verbrechersyndikat. Gelegentlich müsst ihr euch sogar entscheiden, für welche der beiden Seiten ihr Punkte sammeln möchtet: Killt ihr die hilflose Geisel und stellt euch damit gut mit den bösen Jungs oder verzichtet ihr auf die Exekution (der ohnehin zum Tode verurteilten Geisel) und kassiert Minuspunkte bei den Terroristen? Wie schon in den vorherigen Spielversionen hat eure Entscheidung zwar kurzfristig Auswirkungen auf euer Vertrauens-Standing, beeinträchtigt das Voranschreiten aber im Endeffekt nur unwesentlich.

Ring frei zur vierten Runde
Auch wenn ihr bei Splinter Cell: Double Agent, dem vierten Teil der Reihe, viel öfter im hellen Tageslicht agiert als gewohnt, dreht sich weiterhin alles darum, bei euren Schleich- und Spionageaktionen nicht erwischt zu werden. Noch immer werdet ihr deshalb in der Missionsauswertung dafür belohnt, wenn ihr möglichst nicht in Erscheinung tretet und eure Gegner möglichst nicht tötet. Daher schleicht ihr vorzugsweise von einem schattigen Plätzchen zum nächsten und versucht dabei, möglichst unentdeckt zu bleiben.

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Atmosphärisch können sich viele Spiele noch immer eine große Scheibe bei Splinter Cell abschneiden.
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Werdet ihr beispielsweise beim Schnüffeln im Terror-Hauptquartier ertappt, sinkt umgehend euer Vertrauensvorschuss. Treibt ihr es zu wild und lasst euch zu oft erwischen, werdet ihr mit dem Game-Over-Bildschirm konfrontiert - doch das dürfte eher selten der Fall sein, das Spiel ist diesbezüglich sehr kulant. Als Schleich-Indikator dient euch diesmal ein kleines farbiges Licht, das an eurer Kleidung angebracht wird und Auskunft über die Qualität eurer Tarnung gibt. Spieltechnisch hat sich also nicht viel geändert.

Wie bei jeder PS3-Portierung stellt sich die Frage: Wenn sonst alles gleich ist, gibt es auch etwas Neues? Die Antwort fällt unbefriedigend aus: Leider nur sehr wenig. Als Special soll uns auch diesmal wieder ein "innovatives" Steuerungsfeature für den Sixaxis-Controller verkauft werden. Dabei rüttelt ihr das Pad von einer Seite zur anderen, um Schlösser zu knacken. Das funktioniert zwar, verbessert das Gameplay im Vergleich zur konventionellen Methode aber nicht - eine sinnlose Spielerei. Splinter Cell: Double Agent wurde in der PS3-Fassung sogar "verschlimmbessert", was sich vor allem in einigen visuellen Problemen manifestiert.

So wirkt die Optik nicht ganz so gelungen wie bei der Xbox 360 und ihr müsst mit weniger Details vorlieb nehmen, teilweise verzerrte Grafiken tolerieren, ruckelnde Videos ertragen und auf einige lieb gewonnene Partikeleffekte verzichten. Das heißt zwar nicht, dass die immer noch gute Optik euch nicht die gewohnten Licht- und Schattenspiele liefert. Aber sie sehen nicht mehr so beeindruckend aus wie bei der Konkurrenz.

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Im Mehrspielermodus treten Söldner gegen Spione an: spannende Sache!
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Abgesehen von dem Steuerungsfeature erhalten PS3-Besitzer mit "Double Agent" noch einige neue Inhalte für den Multiplayermodus. So dürfen sie auf zwei neue Maps und einen weiblichen Charakterskin (Spy Girl) zurückgreifen. Wie lange diese Inhalte exklusiv bleiben, sei jedoch dahingestellt. Nach wie vor ärgerlich ist jedoch das Speicher- und Ladesystem des Spiels, das euch mit einer unnötig umständlichen Funktionalität den letzten Nerv raubt. Von "Quicksave" kann hier kaum die Rede sein, und auch die Ladezeiten sind leider jenseits von Gut und Böse. Nach wie vor überzeugen kann allerdings der gelungene Mehrspieler-Modus, bei dem ihr euch in kleinen Teams als Spione und Söldner das Leben schwer macht. Hier ist es den Entwicklern gelungen, etwas wirklich Unterhaltsames zu erschaffen.