»Watt?! Wer bist du denn?«, möchte man auf den ersten Blick fragend ausrufen. Selbst genaueres Hinsehen offenbart den alten Bekannten nicht auf Anhieb, doch er ist es wirklich: Sam Fisher. Dessen neuestes Abenteuer stellten die Entwickler dieser Tage in Paris erstmals der Weltöffentlichkeit anhand eines frühen PreAlpha-Levels vor.

Und Einiges hat sich verändert, insbesondere Mr. Fishers äußeres Erscheinungsbild: Die einstige Vin-Diesel-Gedächtnis-Platte ist einer langen, fettigen Haarpracht gewichen, und der ungepflegte Zottelbart, den der ehemalige Geheimagent nun zur Schau stellt, schien einst mit den seligen Zeiten von Paul Breitner aus der Modewelt verschwunden zu sein.

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Du hast die Haare schön…
»Verschwunden« ist bereits genau das richtige Stichwort. Schließlich ist Sam Fisher Experte darin zu verschwinden - oder lästige Gegner verschwinden zu lassen. Im neuesten »Splinter Cell« umso mehr. Denn diesmal befindet sich Sam Fisher auf der Flucht. Vor wem weiß niemand so genau - am wenigsten er selbst. Sicher ist nur: Irgendjemand trachtet ihm im ganz großen Stil nach dem Leben. Vielleicht sein früherer Arbeitgeber? Dieses herauszufinden ist eines der Ziele, die die Story von Teil 5 seinem Helden und mit ihm dem Spieler auferlegt. Dadurch erklärt sich auch das neue, unauffällige Outfit im heruntergekommenen Schlabberlook.

Splinter Cell: Conviction - Er ist zurück: Zottellook und neues Gameplay stehen Sam Fisher bestens!

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Reinhold Messner Rampage? Nein, der Zottelbär ist tatsächlich Mr. Sam Fisher!
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Doch auch spielerisch ist so Einiges aus dem Fundus der Serie verschwunden: So hat der »Fugitive« Sam Fisher selbstverständlich keinen Zugriff mehr auf modernste High-Tech-Gagdets. Allenfalls auf dem Schwarzmarkt kann er sich mit dem Nötigsten eindecken. Auch die Verschwinde-Taktiken selbst haben sich erheblich geändert: »Splinter Cell: Conviction« schickt den Spieler nicht mehr im Schleichgang von einer dunklen Ecke zur nächsten. Stattdessen setzt es auf die Kunst der Ablenkung und des Untertauchens.

Damit entfernt sich Sam Fisher in seinem neuesten Abenteuer erheblich von dem Gameplay der Vorgänger und bringt einen kräftig-frischen Wind ins Genre. Kern-Feature der »Conviction«-Spielerfahrung wird die neue Physik-Engine sein. So kann Sam jeden beliebigen Gegenstand in der Umgebung aufnehmen und nach Belieben einsetzen: Unliebsame Feinde entledigt sich Mr. Fisher, indem er einen herumstehenden Computer-Monitor oder einen Müllcontainer als Wurfgeschoss einsetzt. Lassen sie sich dann immer noch nicht abschütteln, dient ein umgeworfener Aktenschrank dazu, die Tür hinter sich zu verbarrikadieren. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt.

Packshot zu Splinter Cell: ConvictionSplinter Cell: ConvictionErschienen für Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Das Ornament der Masse
Diese neue Ausrichtung des Spiels hat auch zur Folge, dass die großen, oftmals recht linearen Levels kleineren, aber viel trickreicheren »Spielplätzen« (wie sie die Entwickler liebevoll nennen) gewichen sind. In einem ersten gezeigten Level verschlägt es Sam Fisher in den Washington Park - ein Schauplatz, der kaum treffender gewählt sein könnte, spiegeln doch die zahlreichen Statuen dort sehr schön das Bestreben des ehemaligen Geheimagenten wider, gesichtslos mit einer anonymen Menschenmenge verschmelzen zu wollen. Eine Taktik, die hier oberstes Gebot ist.

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In solchen belebten Menschenmengen lässt es sich hervorragend untertauchen.
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Die Entwickler haben besonderen Wert darauf gelegt, die Welt mit ihren Straßen und Plätzen möglichst echt und lebendig wirken zu lassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen ist diese Lebendigkeit aber nicht realismusfördernde Kosmetik, sondern ein wichtiger Bestandteil des Spielprinzips: Um den nervösen Blicken patrouillierender Wachen zu entgehen, muss Sam Eins mit der Masse werden. Die KI-Menschen von »Conviction« - so könnte man sagen - sind der neue Schatten in der »Splinter Cell«-Serie.

Dabei ist es jederzeit möglich, ihren Gesprächen zu lauschen, sich kleinen Grüppchen hinzu zu gesellen oder einem Passanten unauffällig zu folgen. Doch Vorsicht: Diese Künstlichen Intelligenzen verhalten sich wie echte Menschen, will heißen sie werden nervös, wenn sie sich bedrängt fühlen, oder schlagen Alarm, sollten sie Sam bei einer Sittenwidrigkeit ertappen.

Doch auch das kann Teil des Kalküls sein: etwa um eine Wache in ein Versteck zu locken, wo sie in Ruhe ausgeschaltet werden kann. Auch ein wenig Randale mit dem Tablettwagen eines Cafes geben dem Sprichwort »Scherben bringen Glück« eine völlig neue Bedeutung. Denn in dem folgenden Tumult kann Sam unbemerkt das Weite suchen. Ähnliches gilt für einen Aufsehen erregenden Laptop-Diebstahl, der die Wachen von ihren Posten lockt. Ein besonders wirkungsvolles Mittel zur Ablenkung ist die Panik: Um sich Zugang zu einem gut bewachten Raum zu verschaffen, setzt Mr. Fisher die Propangas-Flasche eines Hotdog-Standes in Brand - und schon gleicht der Washington Park einem aufgescheuchten Bienenschwarm, in dem niemand mehr den Kapuzen-Flüchtling beachtet.

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Sämtliche Gegenstände lassen sich als Waffe einsetzen.
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Ihr seht: Improvisation, Kreativität und eine genaue Beobachtungsgabe sind in »Conviction« unerlässlich. Noch sehr viel mehr im Multiplayer-Modus. Auch wenn noch kaum Details darüber bekannt sind, versprechen die Entwickler eine äußerst interessant klingende Spielvariante: Genau wie in großen Teilen des Einzelspieler-Part gilt es für die Spieler - im Team und/oder gegeneinander - in der Masse unterzutauchen. Der Clou: Die Charaktere sehen aus wie NPCs. Oberstes Gebot ist folglich, sich unauffällig wie ein KI-Zivilist zu verhalten, um von den anderen nicht enttarnt zu werden. Das wird mal eine völlig neue Form des Rollenspiels…

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Ein Tumult im Cafe lenkt die Wachen ab.
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Erscheinen wird »Splinter Cell: Conviction« - wie immer - rechtzeitig vor Weihnachten. Hoffen wir, dass die Entwickler bis dahin viel Feinarbeit in funktionierende KI- und Physik-Routinen stecken. Denn mit deren Stabilität steigt und fällt das neue Sam-Fisher-Abenteuer. Obwohl »Conviction« speziell für die Xbox 360 entwickelt wird, gibt es natürlich auch eine Version für PC. Über eine PS3-Portierung schweigt man sich bei Ubisoft derzeit allerdings noch aus.