Sam Fisher ist ein eiskalter, berechnender Killer, der im Auftrag der US-Regierung fiese Terroristen und andere unliebsame Zeitgenossen still und leise aus dem Weg räumt. Oder besser gesagt: war. Denn seit seine Tochter Sarah von gemeinen und unbekannten Hintermännern ermordet wurde, hat sich der frühere Third-Echelon-Agent ausgeklinkt und macht sein eigenes Ding.

Besessen und geleitet von Rachegefühlen macht Fisher kurzen Prozess mit jedem, der sich in seinen Weg stellt - und paktiert letztendlich dennoch mit Leuten, denen er nicht vertrauen kann.

Angekommen in der Moderne

Ja, die Story des fünften „Splinter Cell“-Teils wird sicher nicht ob ihrer Kreativität in die Geschichtsbücher der Videospiele eingehen. Auch wenn uns Fisher so nahe kommt wie nie zuvor ist vieles klischeehaft und vorhersehbar zusammengestrickt und erinnert an eine Mischung aus 96 Hours und irgendwelchen Steven-Segal-Schmonzetten. B-Movieware eben. Doch Splinter Cell war in diesem Bereich nie das große Aushängeschild, die Maxime "Style over Substance" greift auch anno 2010 noch, wenn man Story und Präsentation gegenüberstellt.

Splinter Cell: Conviction - Vom Leisetreter zur Kampfmaschine: Ist das wirklich noch Sam Fisher?

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Unser Grafiker Pierre stand für Sams Darstellung Pate...
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Wer sich noch an die tollen, Genre prägenden Licht- und Schatteneffekte der ersten Episode erinnert, an die coolen Gadgets wie Infraroterkennung und Nachtsichtgerät und die damit verbundenen visuellen Darstellungsformen, der wird sich auch bei Conviction wie zuhause fühlen.

Ubisoft spendiert Sam Fisher aber jenseits dieser bekannten Trademarks eine Auffrischung und Neuausrichtung, die an den spielerischen Grundfesten des Schleichshooters rütteln - und nicht jedem Langzeitfan gefallen werden. So wird Splinter Cell zwar auf den ersten Blick nach wie vor von Sequenzen dominiert, in denen der Protagonist möglichst unauffällig durch Schatten schleicht und versucht, unentdeckt zu bleiben.

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Das Mark-&-Execute-System sorgt für spektakuläre aber auch einfache Kills.
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Doch Sam nimmt bei seinem Rachefeldzug auch offene Gefechte in Kauf, verhört seine Gegenspieler auf brutalste Weise und benutzt das schallgedämpfte Schießeisen häufiger für offensive Aktionen als in der Vergangenheit. Während die actionlastigere Ausrichtung die Schleichkomponente schwächt, weil u.a. auf das Verstecken von Leichen oder das Aufbrechen von Schlössern komplett verzichtet wird, halten andererseits auch neue Features Einzug, die Splinter Cell sehr gut zu Gesicht stehen.

Der moderne Sam Fisher wird die Schleicher-Community spalten.Fazit lesen

Geändert wurde beispielsweise der Umgang mit Licht und Schatten. Wo früher immer wieder ungenaue Anzeigen leidlich darüber Auskunft gaben, ob Fisher bei seinen Schleichaktionen von den Wachen gesehen wird, verliert das Geschehen jetzt einfach seine Färbung. Die gesamte Anzeige wird in Schwarz-Weiß getaucht, wenn ihr mit eurer Spielfigur in einem Bereich verharrt, in dem ihr nicht entdeckt werden könnt. Das funktioniert toll und absolut intuitiv.

Nie war Töten einfacher: Mark & Execute

Ein weiteres Beispiel für die gelungene Anpassung der Splitterzelle an die Moderne ist das Deckungsfeature, das hervorragend in den Spielverlauf eingebettet ist. So rutscht, huscht und hechtet der raue Antiheld fein animiert von einer Deckung zur nächsten und gelangt auf diese Weise (fast) immer genau in die Position zum Gegner, in der man ihn benötigt. Phänomenal ist zudem, dass bei einer Entdeckung durch die Wachmannschaften eine Art Geisterprojektion Fishers an seiner letzten bekannten Stellung verbleibt. Entfernt ihr euch schnell, attackieren die KI-Widersacher diesen Standort. Das gibt euch die Chance, Feinde zu flankieren und sie aus dem Hinterhalt auszuschalten.

Splinter Cell: Conviction - Markieren und Ausschalten Trailer32 weitere Videos

Allerdings leiden die KI-Gegner immer noch am Alzheimer-Syndrom. Anstatt eines Missionsabbruchs bei Entdeckung, genügt es, sich für einige Sekunden zu verstecken, um den Häschern aus dem Gedächtnis zu entfleuchen.

Meist kommt es jedoch gar nicht erst dazu, dass ihr den kurzzeitigen Rückzug antreten müsst. Sam ist den Schergen des Bösen in dieser fünften Auflage einfach zu überlegen. Dafür sorgt auch das neuartige Markierungssystem (Mark & Execute), mit dem ihr mühelose Kills en masse fabriziert. Und das geht so: Ihr greift euch einen der Kontrahenten im Nahkampf und schaltet ihn per Knopfdruck aus. Dafür drückt ihr zwar immer dieselbe Taste, bekommt aber immerhin unterschiedliche Animationen zu sehen. Damit schaltet ihr bis zu vier Markierungen frei (abhängig von der aktiven Waffe), die ihr umherlaufenden Feinden verpassen könnt.

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Was anfänglich wie ein Tutorial wirkt, zieht sich durch das gesamte Spiel.
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Sobald alle in Reichweite der Bleispritze sind, genügt ein einziger Knopfdruck, um markierte Gegner auszuschalten. Das ist irgendwie cool, aber irgendwie auch zu leicht (hat da jemand "casual" gerufen?). Außerdem kommt es dabei zu merkwürdigen Situationen, weil die dann automatisch ablaufende Animation auch Kills durch Wände bzw. Deckungen hindurch zulässt.

Apropos Mauerwerk: Splinter Cell: Conviction führt euch anhand von Einblendungen an Wänden oder Projektionen auf Rohren durch das Spiel und weist so fast nebenbei auf die nächsten Aufgaben hin: "Gehe zu Punkt X", "Finde Mr. Y", "Erreiche das weiße Haus", "Rette die Wissenschaftler" und so weiter. Das sieht gut aus, integriert sich gut in den Spielablauf - und trotzdem drängen sich die wenig subtilen Hinweise etwas zu sehr in den Vordergrund. Nach einer Stunde denkt man, dass das Tutorial doch eigentlich schon beendet sein müsste. Doch die allgegenwärtigen Tipps bleiben bis zum Ende, lassen sich auch nicht abschalten und nehmen dem Titel ein Stück weit die Immersion.

Insgesamt gestaltet sich das Gameplay einfacher, aber auch intuitiver als in früheren Schleich-Abenteuern. Es kommt mehr darauf an, die Situationen taktisch zu bewerten, sich für eine von oft mehreren möglichen Routen zu entscheiden und dann entsprechend zu handeln (sprich ballern), als sich geschickt von einem Schatten zum nächsten zu hangeln.

Jack Bauer lässt grüßen

Das heißt aber nicht, dass es keine Abwechslung gäbe. Immer wieder versuchen die Entwickler, ein wenig aus bekannten Mustern auszubrechen. Während das in Sequenzen sehr gut gelingt, wo Sam sich auf einem Jahrmarkt unbemerkt einigen Zielpersonen nähern muss oder ihr Laserfallen (Achtung: Augenkrebs!) ausweicht, misslingt der Ausflug in Modern-Warfare-eske Jagdgründe: 08/15-Geballer im Irak, ohne Schleicheinlagen, ohne Gadgets, ohne Schalldämpfer? Das fügt sich einfach nicht glaubwürdig ein, auch wenn es als Flashback inszeniert wird.

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Brutale Verhöre erinnern an Jack Bauers Einsätze in '24'.
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Dazu passen auch einige Sequenzen gen Ende, wenn die Ballerei doch ein wenig überhand nimmt und das Schleichen nur noch Beiwerk zu sein scheint. Überflüssig, wenn auch storytechnisch stimmig, sind die ultrabrutalen Verhöre á la Jack Bauer ("24"), die per Knopfdruck ausgelöst werden. Sam tötet jetzt grundsätzlich und setzt niemanden lediglich außer Gefecht. Superlinear bleibt die mit elf Missionen bei lediglich fünf bis sechs Stunden Spielzeit sehr dünn ausgestattete Einzelspielerkampagne dennoch.

Um euch darüber hinweg zu trösten, bietet Conviction zum einen noch einige Nebenmissionen, die ihr entweder allein oder im Koop-Modus angehen könnt. Hier geht es tatsächlich mal darum, ungesehen zu bleiben und eine vorbestimmte Anzahl von bösen Buben auszuschalten, bis die nächste Ebene erreicht wird. Entdeckung führt aber auch hier nicht zum Missionsende, sondern nur zum Aufstocken der feindlichen Übermacht.

Wer gerne Koop zockt, wird sich zum anderen darüber freuen, dass sogar einige eigenständige Storymissionen für diesen Spielmodus gebastelt wurden. Diese gleichen im Spielablauf vollkommen der Einzelspielerkampagne, sind jedoch speziell auf die Zweispieler-Komponente ausgelegt.

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Im Koop-Modus liegt der Schwerpunkt wieder mehr auf dem Schleichen denn Ballern.
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Das Zusammenspiel (auch im Splitscreen) funktionierte ausgesprochen gut - so werden z.B. markierte Ziele für beide Spieler zum Abschuss freigegeben. Innerhalb eines großzügigen Zeitfensters belebt ihr gefallene Kameraden außerdem wieder. Im Vergleich zur Kampagne erlebt ihr hier deutlich mehr ursprüngliches „Splinter Cell“-Feeling, liegt der Schwerpunkt eher beim Schleichen denn Schießen. Für zusätzliche Langzeitmotivation und Wiederspielwert sollen darüber hinaus die P.E.C.-Herausforderungen sorgen (Persistent Elite Creation).

Bestimmte Aktionen (z.B. ungesehene Kills, Headshots usw.) versorgen euch mit Credits, die ihr in Waffenverstecken gegen Upgrades für Waffen mit höherer Präzision oder Durchschlagskraft, Gadgets sowie Multiplayerskins- und Ausrüstungsgegenstände eintauscht.