Die Splinter-Cell-Reihe hat im Laufe der Jahre einige Wandlungen erfahren. Seit der Erstveröffentlichung im November 2002 bis zum sechsten Teil ("Conviction") im April 2010, mutierte Geheimagent Sam Fisher vom Jäger zum Gejagten, verlor Familienmitglieder, kam ins Gefängnis und verfolgte quasi nebenbei etliche Feinde der USA. Nun hat Ubisoft auf der E3 in Los Angeles die nächste Episode angekündigt und entfernt sich mit "Blacklist" möglicherweise weiter denn je vom einstigen Schleich-Spielprinzip.

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Sam Fisher im Modern-Warfare-Gewand?

Was bisher über die erste Produktion des neuen Ubisoft-Studios in Toronto bekannt ist: Super-Spion Sam Fisher befindet sich jetzt an der Spitze der frisch aus der Taufe gehobenen, aber streng geheimen Regierungsorganisation 4th Echelon und führt sie in einen gnadenlosen Kampf gegen eine mysteriöse Terrororganisation.

In typischer Tom-Clancy-Verfolgungswahn-Manier werden die Vereinigten Staaten mal wieder von einer Gruppe nicht näher bezeichneter "Schurkenstaaten" bedroht. Sie stellen den USA ein Ultimatum, das den Abzug aller Truppen aus bestimmten Gebieten mit US-Militärpräsenz zum Ziel hat. Die Organisation droht im Falle der Weigerung mit stetig intensiveren Terroranschlägen gegen die USA - die Blacklist.

Wie immer ist Sam bei seinem Feldzug nicht auf sich allein gestellt, ein Team von Spezialisten (darunter auch Anna “Grim” Grimsdottir ) unterstützt ihn auf seinen Missionen und kann dabei aufgrund präsidialer Anweisungen auf nahezu unbegrenzte Ressourcen zurückgreifen. Natürlich ist die Gruppe mit den neuesten Technologien, wie etwa einem taktischen Anzug ausgestattet. Als mobile Operationsbasis fungiert das umfunktionierte Tarnkappenflugzeug "Paladin". Das Fluggerät bringt das Team nicht nur an jeden Punkt der Welt - hier kann Sam nach erfolgreichen Einsätzen auch seine Ausrüstung upgraden.

Splinter Cell: Blacklist - Ist das noch Sam Fisher oder schon Ezio?

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An Bord der „Paladin“ werden die Einsätze geplant und Sams Ausrüstungsteile verbessert.
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Die ersten Spielszenen in der Grenzregion von Irak und Iran zeigen den lautlosen Killer, hmm, gar nicht so unhörbar. Ja, Sam kann auch nach wie vor mucksmäuschenstill hinter den feindlichen Linien operieren und die Bösewichter mit unterschiedlichen Moves über den Jordan schicken. Von seiner Agilität hat er kein bisschen verloren, die Bewegungen beim Klettern, Springen oder Ballern offenbaren keinerlei Arthrose in den Gelenken des alternden Recken.

Und selbstverständlich unterstützen etliche praktische Gadgets die gefährlichen Einsätze. So zum Beispiel teils bekannte Spiel-Features - wie die unterschiedlichen Sichtmodi der Spezialsichtbrille, die Gegner auch trotz störender Hindernisse offenbart.

Andere Spionage-Tools wie die "Snake Cam" helfen dem Elitesoldaten, unter Türen zu blicken und auf diese Weise Feinde für die folgenden Abschüsse zu kennzeichnen. Die brandneue Micro-Trirotor-Drohne dagegen versetzt Sam in die Lage, die Umgebung auszukundschaften, Ziele aus der Entfernung zu markieren, Widersacher abzulenken oder mittels Splittergranaten auszuschalten.

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Im Nahkampf ist Sam nach wie vor eine tödliche Waffe.
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Aber zurück zum Aber. Denn die bisherigen Eindrücke lassen vermuten, dass die Splinter-Cell-Reihe nicht nur einen grafisch und inhaltlich deutlich moderneren Touch erhält. Sie kommt auch viel actionlastiger daher. Auf der Jagd nach Jadid, einem Anführer der Terrorbande, aktiviert Sam nach einigen erfolgreichen Eliminierungen den Exekutions-Modus: Ubisoft nennt das den "Killing in Motion“-Kampfstil. Momente, in denen er sich mit flüssigen Bewegungen durch die Umgebung bewegt und dabei die Widersacher in einem Zug mit spektakulären Zeitlupen-Aktionen beseitigt.

Zu anspruchslos?

Die Frage ist: geschieht das praktisch automatisch? Mir erscheint das irgendwie zu einfach abzulaufen, wie in Ghost Recon: Future Soldier, das unter einer ähnlich simplen Mechanik leidet. Ein aktuelles Ubisoft-Spiel, an das ich während der Präsentation übrigens öfter denken muss. Auch aufgrund des modernen Touches, der Gestaltung, mit der Grafiken in das laufende Spiel eingeblendet werden. Übermäßig anspruchsvoll erscheint das zwar nicht, aber Sam beherrscht auch Kills im Sprung, wenn er sich etwa von einem Dach wuchtet.

Ist das noch Splinter Cell? Trotz vieler neuer Features überzeugt mich die zu actionlastige Herangehensweise bisher noch nicht.Ausblick lesen

Interessant ist auch das Schadensmodell, denn Sam bricht auch durch Türen, Gegenstände und Barrikaden gehen bei Feuergefechten zu Bruch. Das bringt spannende Optionen mit sich, denn Sam muss sich sehr flink von Deckung zu Deckung bewegen, um nicht aufgerieben zu werden. Doch für den Notfall hat Mr. "Lizenz zum Töten" noch ein mächtiges Ass im Ärmel - er ruft einen Präzisionsluftschlag herbei, der etwa feste feindliche Stellungen wie MG-Nester ausradiert.

Der frischgebackene 4th-Echolon-Chef beherrscht aber immer noch Klettereinlagen, mit denen er beispielsweise Felswände überwindet oder Häuser erklimmt. Die Bewegungen erinnern gelegentlich frappierend an Assassin‘s Creed... Sam Fisher soll allerdings oft verschiedene Möglichkeiten haben, um knifflige Situationen zu lösen. So stehen direkte (konfrontative) oder indirekte Wege offen, was auch abhängig ist von der Wahl der eingesetzten Technik-Gadgets.

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Vieles erinnert ein wenig an Ghost Recon: Future Soldier – auch der militärische Look.
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Dazu gehört bei solchen Fertigkeiten natürlich auch vertikales Gameplay. Sam erklimmt zum Beispiel Häuser, um Wachen aus dem Weg zu gehen oder gefährliche Posten auszuschalten. Dabei kann man wie früher die Aufmerksamkeit der Gauner durch Geräusche auf sich lenken, diesmal aber auch mithilfe des Spracherkennungs-Features von Kinect. Ein einfaches "Hey You" lockt einen Bösewicht an den Rand eines Dachs, wo er einen brutalen Tod stirbt.

Gegner reagieren allerdings allergisch darauf, wenn Leichen auftauchen, und suchen nach dem tödlichen Eindringling. Stehen sie jedoch dummerweise in einer Pfütze, genügt eine geschickt platzierte Elektroladung, um sie ins Jenseits zu befördern.

Wer das nicht allein erledigen will, wird in "Blacklist" - ganz wie in "Conviction" - auf einen Koop-Modus zurückgreifen und sich mit einem Kumpel an der Seite auf Terroristenjagd machen können. Und ebenfalls erneut an Bord: Der recht beliebt "Spy vs. Merc"-Modus für die Multiplayer-Fetischisten.